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Gold für Ruder-Vierer Die nächste Triumphfahrt


Welch ein Coup! Der Männer-Doppelvierer ließ der Konkurrenz nicht den Hauch einer Chance. Mit einem bärenstarken Auftritt gewann die Crew das zweite deutsche Ruder-Gold.

Von Erschöpfung keine Spur. Schon beim Betreten des Siegersteges nur wenige Minuten nach dem Kraftakt ließ Karl Schulze erneut die Muskeln spielen. Mit der Pose eines Bodybuilders strahlte er in die Kameras und brüllte vor Freude ein langgezogenes "Jaaaa". Zusammen mit seinen Teamkollegen aus dem Doppelvierer feierte er ausgelassen die unglaubliche Triumphfahrt zu Gold. Selbst dem Weltcup-Sieger aus Kroatien blieb nicht der Hauch einer Chance. "Das war ein Hammerrennen", schwärmte Ruder-Cheftrainer Hartmut Buschbacher, "die Jungs haben heute ihre physische Stärke auf den Punkt gebracht."

Die Magie des Augenblicks genossen alle Beteiligten in vollen Zügen. Inbrünstig sangen sie bei der Siegerehrung die deutsche Hymne mit und ließen sich im Anschluss von Familienmitgliedern und Freuden ausgiebig feiern. "Wir sind Olympiasieger. Mein Gott, was gibt es Schöneres. Nach dem letzten Jahr war das die Revanche", kommentierte der überglückliche Schulze. Die Ruderer wussten, beim wem sie sich zu bedanken hatten: Nach der Siegerehrung hängten sie ihrem Trainer Marcus Schwarzrock die vier Goldmedaillen um den Hals und hoben ihn auf die Schultern.

Anders als im vorigen September, als ein rudertechnischer Fehler kurz vor dem Ziel den sicher geglaubten WM-Sieg gekostet hatte, bewahrte die Mannschaft diesmal die Nerven. Vom ersten Ruderschlag an übernahm sie die Regie. Bereits nach 500 Metern betrug die Führung eine halbe Bootslänge. Auf alle Versuche der Kroaten wussten die Deutschen die richtige Antwort. Deshalb war der Widerstand der Konkurrenten bereits weit vor dem Ziel gebrochen. "Heute hat alles gepasst. Als die Kroaten angegriffen haben, sind wir weggezogen. Das war der Knackpunkt", sagte Schlagmann Tim Grohmann.

Ein Blick in das Gesicht von Lauritz Schoof verriet mehr als tausend Worte. Mit seligem Lächeln ließ sich der Pechvogel des vorigen Jahres die ersehnte Goldmedaille um den Hals hängen. Endlich konnte er innerlich mit jenem Missgeschick abschließen, das ihm lange zu schaffen machte. Im WM-Finale von Bled hatte sich der Rendsburger im Schlussspurt einem sogenannten "Krebs" eingefangen und damit Australien den Sieg geschenkt.

Ein Mentaltrainer half, das Geschehen zu verarbeiten. Der famose Auftritt von Eton befreite Schoof von schwerer Last: "Auf den letzten 300 Metern habe ich gedacht: Jetzt bloß keine Gefühle zulassen. Wahnsinn, ich kann es immer noch nicht glauben. "

Damit steht der DRV nach Gold für den Achter und Silber für den Frauen-Doppelvierer bereits vor dem letzten Finaltag deutlich besser da als noch in Peking. Vor vier Jahren hatte es nach der dürftigen Bilanz mit jeweils einmal Silber und Bronze Kritik an dem über Jahrzehnte erfolgsverwöhnten Verband gegeben. "Gold im Achter und Vierer werden uns deutlichen Auftrieb geben. Immerhin 17 Sportler fahren mit einer Medaille nach Hause. Wir haben gezeigt, dass wir in Deutschland etwas können", sagte Buschbacher.

Dennoch gibt es noch immer Verbesserungsbedarf. Vor allem im Einer steht ein Neuanfang bevor. "Ich bin gekommen, um Gold zu gewinnen. Aber heute hat es nicht gereicht", konstatierte Marcel Hacker. Zum Sieger Mahe Drysdale (Neuseeland) hatte er über zwölf Sekunden Rückstand - das sind Welten. Es gilt als unwahrscheinlich, dass es für den 35 Jahre alten Routinier im DRV-Skiff ein Morgen gibt. "Wie es mit mir weitergeht, werde ich nach Olympia entscheiden", sagte Hacker.

Buschbacher machte aus seiner Enttäuschung keinen Hehl: "Wir müssen nun junge Leute in Kleinbooten aufbauen. Fraglich, ob Marcel dazu gehört." Im erlesenen Feld der Weltklasse-Skuller konnte Hacker nur bis zur 500-Meter-Marke mithalten. Doch schon nach der Hälfte der Distanz war der Traum von einer Medaille ausgeträumt. Zwar fuhr der ehemalige Skiff-Weltmeister (2002) aus Frankfurt/Main auf dem letzten Streckenviertel die beste Zeit, kam aber nicht über Rang sechs hinaus. "Für den Aufwand, den wir betrieben haben, und für seine Klasse, ist das zu wenig", befand Buschbacher.

Von Heinz Büse und Martin Kloth/DPA DPA

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