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TOUR DE FRANCE: Dritter Tour-Sieg für Armstrong

Erik Zabel holt zum sechsten Mal das Grüne Trikot, Jan Ullrich schon zum dritten mal tapferer Zweiter. Die letzte Etappe ging an den Tschechen Svorada.

Lance Armstrong zum dritten Mal in Gelb, Erik Zabel zum sechsten Mal in Grün: Das rauschende Finale der 88. Tour de France wurde am Sonntag vor hunderdtausenden Zuschauern auf den Pariser Champs Elysees zu einer Triumphfahrt des dominierenden Amerikaners und des sprintgewaltigen Deutschen. Auch ein beherzt kämpfender Jan Ullrich, der die Tour de France wie 1996, 1998 und 2000 auf Rang zwei beendete, konnte den dritten Gesamtsieg des 29- jährigen Texaners in Folge nicht verhindern. Er fiel sogar noch 42 Sekunden deutlicher aus als im Vorjahr. »Armstrong und Ullrich standen deutlich über der Konkurrenz, und ich sehe keinen, der daran in näherer Zukunft etwas ändern könnte«, sagte Tour-Direktor Jean- Marie Leblanc.

Tour endete wie im Vorjahr

Der Amerikaner siegte mit 6:44 Minuten vor dem deutschen Olympiasieger und hatte 9:53 Minuten Vorsprung vor Joseba Beloki (Spanien) auf Rang drei. Damit endete die 88. Frankreich-Rundfahrt an der Spitze genau wie die im Vorjahr. Die Doping-Dikussion blieb trotz der Verdächtigungen gegen Armstrong und der Überführung eines Fahrers nur ein Randthema. Allerdings wiesen nach Informationen des Weltverbandes UCI 32 von 122 Urinproben Spuren von Kortekoiden auf, die nur nach ärztlichem Attest verabreicht werden dürfen.

Triumph für Zabel

Im Finale nach insgesamt 3.456 km spielte Zabel neben Armstrong die Hauptrolle. Im Massensprint nach den letzten 160,5 km der 20. Etappe musste sich der 31-jährige Berliner nach seinen Erfolg vom Vortag in Evry nur dem Tschechen Jan Svorada beugen. Damit holte sich Zabel quasi im Endspurt sein sechstes Grünes Trikot in Folge, das der Australier Stuart O?Grady ausziehen musste. Dabei hatte die Tour 2001 für ihn alles andere als wunschgemäß begonnen, nachdem das Team aus Rücksicht auf Ullrich keinen persönlichen Helfer für ihn nominiert hatte. Zabel schraubte am Samstag seine Gesamtzahl an Tour-Etappensiegen auf elf, womit er mit dem diesmal ausgeladenen Top-Sprinter Mario Cipollini (Italien) und auch Armstrong gleich zog. Der Amerikaner war mit vier Etappensiegen auch in dieser Beziehung erfolgreichster Tour-Teilnehmer. Einen Führungswechsel an der Spitze der Punktewertung am letzten Tag hatte es zuletzt 1984 gegeben, als der Belgier Frank Hoste noch Sean Kelly (Irland) abfing.

Sponsor Telekom zufrieden

Nicht nur wegen dieses frischen Erfolges konnte Telekom-Chef Ron Sommer im feinen Gabriel-Palais an der Champs Elysees eine positive Bilanz ziehen: »Das Team war fantastisch. Mehr konnten wir nicht erwarten.« Neben den deutschen Topstars beanspruchte auch der in französischen Diensten stehende Jens Voigt, der abwechselnd in Berlin und Südfrankreich lebt, große Aufmerksamkeit. Der 29-jährige trug nach der Etappe in Colmar für einen Tag das Gelbe Trikot und gewann in Sarran die erste Tour-Etappe seiner Karriere.

Einige Ausfälle

Von zehn deutschen Startern erreichten sieben das Ziel in Paris, wo bei strahlendem Sonnenschein hundertausende begeisterte Fans die Champs Elysees säumten. Steffen Wesemann (Wolmirstedt/Telekom) hatte wegen einer Magen-Darm-Infektion passen müssen, sein Teamkollege Jens Heppner (Gera) brach sich das Schlüsselbein und der Rabobank-Profi Grischa Niermann (Hannover) zog sich nach einem Sturz eine tiefe Schnittwunde am Knie zu.

Gewinn für die Mannschaftskasse

Das gesamte Telekom-Team bereitete den Trikotwechsel am Sonntag mit großem Einsatz vor. Schon nach den beiden Zwischensprints war Zabel virtueller Träger des Maillot Vert. Im Schlussspurt nach den zehn Abschlussrunden auf den Champs Elysees machte der Weltcup-Gewinner des Vorjahres alles klar, aber der angestrebte erste Erfolg auf der Pariser Prachtstraße blieb ihm wieder versagt. »Erik ist der Beste, er gibt niemals auf«, freute sich Telekom-Manager Walter Godefroot. Zabel brachte mit seinem Triumph umgerechnet weitere rund 45.000 Mark in die Telekom-Mannschaftskasse, die nach den 23 Tour- Tagen rund 500.000 Mark aufwies.

Ulrichs Preisgeld knapp 325.000 Mark

Armstrong kassierte am Sonntag für seinen dritten Gesamtsieg in Folge, womit er mit seinem Landsmann Greg LeMond (1986/89/90) gleich zog, 2,2 Millionen Francs (656.716 Mark), Ullrich die Hälfte. Insgesamt schütteten die Organisatoren 16,47 Millionen Francs (4,89 Millionen Mark) an Preisgeldern aus. Der Franzose Laurent Jalabert sicherte sich das Bergtrikot.

Andreas Zellmer

Wissenscommunity