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Olympia 2014 - Bob: Trainer bremsen deutsche Fahrer aus

Olympia ist für Francesco Friedrich Neuland, doch der Sachse konzentriert sich auf seine Hauptaufgabe: Bobfahren. Die Trainer machten es dem jüngsten Zweierbob-Weltmeister besonders schwer.

Francesco Friedrich hat die Ruhe weg. Selbst der für ihn neue Olympia-Stress bringt den Sachsen bei seinem Winterspiele-Debüt nicht aus dem Gleichgewicht. "Der Trouble hier ist zwar neu, mir aber egal. Ich bin hier, um Bob zu fahren", meinte der jüngste Zweierbob-Weltmeister in der WM-Historie vor seinen Rennen, die am Sonntag beginnen. Der 23 Jahre alte Mitfavorit gilt laut Heimtrainer Gerd Leopold als "Jahrhunderttalent", Cheftrainer Christoph Langen sieht ihn als "ungestüm und detailbesessen".

Vor allem, weil er am Bobstart wie ein Rennpferd mit seiner Athletik förmlich am Bügel seines Bobs explodiert, ehe er das Eis mit einem gekonnten Sprung über die Bordwand verlässt. In Sekundenschnelle hat er im spärlich gepolsterten Pilotensitz die Lenkseile in der Hand - und ist bei gut 140 Stundenkilometern in seiner eigenen Welt. Plötzlich ist er so cool und gelassen wie daheim bei Freundin Magdalena. "Er ist ein ganz ruhiger Typ", sagt seine Lebensgefährtin. Verbands-Vizepräsident Rainer M. Jacobus meinte mal über ihn: "Er hat beim Bobfahren den gleichen Puls wie im Schlaf."

Trainingsbestzeit im Eiskanal

Der gebürtige Pirnaer Friedrich, der die Kniebeuge dreimal mit 200 Kilogramm schafft, kann sich absolut fokussieren. Selbst der Unfall eines Spurbobs mit einem Bahn-Arbeiter am Donnerstag vor seinem ersten offiziellen Training brachte ihn nicht aus dem Konzept. Dabei hatte Francesco zusammen mit Bruder David 2005 und 2006 auf der schwierigen Bahn in Altenberg selbst fürchterliche Stürze erlebt - bei vielen anderen würden da Zweifel keimen.

Doch "Franz", wie der Pilot von allen gerufen wird, machte sein Ding und zauberte gleich eine Trainingsbestzeit in den olympischen Eiskanal. "Es gibt zwar noch einige Kleinigkeiten, die man verbessern kann, doch insgesamt ist alles im grünen Bereich", sagte Friedrich zur leicht veränderten Olympia-Bahn im Vergleich zur Trainingswoche im November.

Zur Strafe - Start als letzter

Allerdings bei den letzten Trainings fuhren die deutschen Bobs hinterher. Die deutschen Zweierbob-Teams mussten nach einem Urteil des Weltverbandes FIBT drei Tage nacheinander im Training von den letzten Plätzen aus starten.Schuld waren nicht die Sportler, sondern die Trainer. Sie kamen zu einer Teamleitersitzung zu spät. "Die Entscheidung finde ich kurios. Das war eine Retourkutsche für die Rodler hier, die alles abgeräumt haben. Dafür kriegen die deutschen Bobfahrer eins drübergebraten. So etwas kenne ich gar nicht, da hätte es auch eine Geldstrafe getan", echauffierte sich Bobpilot Thomas Florschütz.

Francesco Friedrich reagierte wie immer gelassen: "Mir ist das wurscht." Viererbob-Weltmeister Maximilian Arndt nahm es anfangs lustig auf. "Unsere Trainer haben sich da einen Superschachzug einfallen lassen", meinte der Oberhofer, ehe er die Maßnahme doch kritisierte: "Es wäre schön gewesen, mal früher zu fahren auf blanker Piste, um zu sehen, wie sich der Bob dann verhält. So sind wir nur auf der abgenutzten Piste gefahren, allerdings haben wir so noch Reserven."

Mama sagt: Der Franz kann's

Beim fünftägigen Kurztrip in Istanbul holte sich Friedrich nochmal den Feinschliff. "Das Training war absolut gut, wir hatten wirklich gute Bedingungen. Vor allem war das Essen deutlich besser als hier in Sotschi", sagte der Muskelprotz, der mit der kulinarischen Auswahl im olympischen Berg-Dorf nicht zufrieden ist. Aber auch das nimmt er locker hin.

Diese Gelassenheit hat er wohl von Mama Peggy geerbt. Angesprochen auf mögliche Ängste um ihren Sohn meinte die Mama trocken: "Nee, hab ich nich, der Franz kann's." Das Gefühl der spektakulären, aber sicheren Fahrt erlebt die komplette Familie jedes Jahr hautnah mit. "Einmal jährlich laden wir unsere Sponsoren aus Pirna und Umgebung zur Bobfahrt ein, dann sitzt auch die ganze Familie hintereinander im Bob", verriet die Mama. Papa Maik oder Bruder David müssen manchmal zurückstecken, da ja nur vier in den Schlitten passen. Denn Bremserin ist meistens Francescos Schwester Lucienne. Sie fährt mittlerweile bei Junioren-Weltmeisterin Miriam Wagner als Anschieberin mit.

swd/DPA / DPA

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