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Die Olympia-Nacht: Das furiose Karriere-Finale des Fabian Hambüchen

Die glanzvolle Performance von Fabian Hambüchen war das Highlight eines Tages voller Highlights: Ob im Boxring, im Schwimmbecken oder auf dem Fußballplatz - überall waren deutsche Athleten erfolgreich. Was Sie gestern (Nacht) verpasst haben.

Olympia Fabian Hambüchen

Goldjunge: Turner Fabian Hambüchen mit der langersehnten Goldmedaille

Alle Events, alle Entscheidungen der Nacht und des gestrigen Olympia-Tages finden Sie hier in unserem Livecenter.

Die wichtigsten Entscheidungen:

- Die US-amerikanische Turnerin Simone Biles sichert sich mit 15,966 Punkten den klaren Erfolg in der Konkurrenz am Boden. Silber geht an ihre US-Teamgefährtin Alexandra Raisman (15,500), zu Bronze turnte die Britin Amy Tinkler (14,933).

- Laura Trott gewinnt die Goldmedaille im Omnium. Die Britin holt sich im Mehrkampf mit 230 Punkten den Sieg vor der US-Amerikanerin Sarah Hammer (206) und der Belgierin Jolien D'Hoore (199). Trott hatte zuvor bereits mit dem britischen Frauen-Vierer Gold in der 4000-Meter-Mannschaftsverfolgung geholt. Insgesamt steht sie bereits bei vier Olympiasiegen. Anna Knauer (Scherndorf) muss sich mit 99 Zählern mit Platz 13 begnügen.

- Artem Harutyunyan beschert dem Deutschen Boxsport-Verband (DBV) die erste olympische Medaille seit zwölf Jahren. Der Halbweltergewichtler aus Hamburg zieht durch einen 3:0-Punktsieg (29:27, 29:27, 29:27) gegen den Türken Batuhan Gözgec ins Olympia-Halbfinale ein und hat damit Bronze bereits sicher.

- Deutschlands Fußball-Frauen machen mit einem Jubiläumssieg den historischen Einzug ins Olympia-Finale perfekt und spielen bei der Abschiedsvorstellung von Bundestrainerin Silvia Neid erstmals um Gold. Auf dem Weg ins Endspiel gegen Brasilien-Bezwinger Schweden im legendären Maracanã-Stadion von Rio besiegt der Europameister am Dienstag Kanada mit 2:0

- Vom Drei-Meter-Brett erspringt sich Patrick Hausding seine erste Einzelmedaille bei Olympia: Bronze für den deutschen Kunstspringer. Gold gewinnt der Chinese Cao Yuan, Silber der Brite Jack Laugher

- Die US-Amerikanerin Allyson Felix verpasst den historischen fünften Olympiasieg. Über 400 Meter schnappt ihr Shaunae Miller von den Bahamas die Goldmedaille in 49,44 Sekunden weg. Felix kommt als Zweite in 49,51 Sekunden ins Ziel. Sie wäre bei einem Sieg die erste Frau gewesen, die bei Olympischen Spielen fünf Goldmedaillen gewonnen hätte. Bronze sichert sich die Jamaikanerin Shericka Jackson in 49,85 Sekunden.

Wie läuft's für Deutschland?

Das deutsche Team hat seinen bislang erfolgreichsten Tag bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro erlebt: Ob im Boxring, im Schwimmbecken oder auf dem Fußballplatz - allerorten gab es nicht nur Grund zur Freude, sondern vor allem Medaillen. Doch über allen Erfolgen lag auch die Trauer über den Tod des Kanu-Slalom-Trainers Stefan Henze. "Vielleicht sind wir heute auch alle ein bisschen für Stefan gepaddelt", sagte deer deutsche Vorzeige-Kanute Sebastian Brendel, nachdem er im Canadier über 1000 Meter Gold geholt hatte. Die deutschen Fahnen wehten auf Bitten des Deutschen Olympischen Sportbundes an den Wettkampfstätten in Rio auf halbmast, im Deutschen Haus war ein Kondolenzbuch ausgelegt. Am Vortag war der 35-Jährige im Beisein seiner Familie drei Tage nach einem Verkehrsunfall an den Folgen seiner schweren Kopfverletzungen gestorben.

Der größte Aufreger:

Dafür wurde der Begriff Foto-Finish erfunden: Vier Tausendstelsekunden reichten Bahnradsprinterin Kristina Vogel zur Goldmedaille im Sprint vor der Britin Rebecca James. Im entscheidenden Lauf war es allerdings schon vorher richtig dramatisch zugegangen: Vogel verlor wenige Meter vor dem Ziel bei rund 60 km/h ihren Sattel.

Die glückliche Siegerin äußerte sich im Anschluss zu dem ungewöhnlichen Zwischenfall: "Ich habe einfach meinen Scheißsattel verloren. Ich dachte: Okay das war's. Dann hab' ich gemerkt, ich habe gewonnen. Ich hatte kurz das Gefühl, auf die Fresse zu fallen. Der Sprint ist die Königsdisziplin, das macht mich so, so stolz." Das trockene Fazit der Erfurterin: "Das ist wohl der erste Olympiasieg ohne Sattel, Wahnsinn."

Das hätten Sie auf keinen Fall verpassen sollen:

Plötzlich war die gelb-grüne Party in der riesigen Arena an der Copacabana vorbei, nur ein paar Dutzend deutsche Fans jubelten ausgelassen. Mit einer Demonstration der Stärke schockten Laura Ludwig und Kira Walkenhorst die Volleyball-Nation Brasilien. Die Hamburgerinnen stehen im Endspiel des olympischen Beachvolleyball-Turniers. Die Europameisterinnen aus Hamburg ließen sich am Dienstag im Halbfinale auch von 11.000 brasilianischen Zuschauern in der fast vollen Arena nicht aus der Fassung bringen und siegten gegen die topgesetzten Brasilianerinnen Larissa/Talita mit 2:0 (21:18, 21:12).
Damit spielt erstmals ein deutsches Beach-Frauenteam bei Olympischen Spielen um die Goldmedaille. Vor vier Jahren in London waren Julius Brink und Jonas Reckermann Olympiasieger geworden.

Gewinner des Abends:

Gold, Gold, Gold: Überwältigt und euphorisch versprach Ausnahme-Turner Fabian Hambüchen nach seinem Olympiasieg eine wilde Party im Deutschen Haus von Rio de Janeiro. "Da findet ihr morgen nur noch einen Haufen Schutt", scherzte der 28-Jährige nach dem Reck-Triumph im letzten internationalen Wettkampf seiner glanzvollen Karriere. Mit einer perfekten Flugshow am Königsgerät hatte der Wetzlarer mit 15,766 Punkten die Konkurrenz hinter sich gelassen und das erste Gold für einen deutschen Turner seit dem Sieg des Berliners Andreas Wecker in Atlanta 1996 erobert. "Es ist unbeschreiblich. Ich habe als Kind davon geträumt, Olympiasieger zu werden. Das ist die Erfüllung dieses Traumes", sagte Hambüchen und schüttelte immer wieder den Kopf.

Zuvor hatte sich seine ganze Anspannung in einem gewaltigen Urschrei entladen, dann stieß Hambüchen die rechte Faust in der Luft. Glücklich lag der Hesse seinem Vater in den Armen, als die quälend lange Warterei auf die Übungen der Konkurrenz und deren Wertungen zu Ende war. "Da gehst du durch die Hölle. Noch sieben Turner, die dich vom Thron stoßen können. Aber ich bin froh, dass die Kampfrichter ihre Linie durchgezogen haben", sagte er. Als die letzte Note auf der Anzeigetafel aufleuchtete, hüllte er sich sofort in die deutsche Fahne und brüllte immer wieder Freudenschreie wie "ja, ja, ja" ins Publikum. "Ich bin einfach nur glücklich, dass alles geklappt hat, ich bin einfach sprachlos", meinte Hambüchen.

Verlierer des Abends:

Niedergeschlagen saß der deutsche Hockey-Kapitän Moritz Fürste nach der deftigen Halbfinal-Schlappe ganz allein im deutschen Tor. Vor lauter Enttäuschung über das bittere 2:5 (0:3) gegen Argentinien im Halbfinale hielt sich der 31-Jährige die Hände an den Kopf. Einsam musste Fürste realisieren, dass der Olympiasieger von 2008 und 2012 in Rio nicht erneut um Gold spielt. Statt am Donnerstag ein drittes olympisches Finale nacheinander zu bestreiten, kämpfen die deutschen Hockey-Herren lediglich um Bronze.

"Im Endeffekt haben wir heute nicht unsere Leistung gebracht", haderte der Hamburger. So gab es erstmals seit zwölf Jahren in einem K.o.-Spiel bei Olympischen Spielen wieder eine Schlappe. Zuletzt hatte Deutschland im Halbfinale 2004 in Athen gegen die Niederlande verloren und das Endspiel verpasst. Rückschläge war die deutsche Auswahl bei Olympia nicht mehr gewöhnt. Bei den vergangenen drei Sommerspielen hatten die Herren immer Edelmetall mit nach Hause gebracht.  Im Spiel um Bronze am Donnerstag (17.00 Uhr MESZ) kommt es nun zum Wiedersehen mit den Niederlanden. Der Europameister verlor sein Halbfinale am Dienstagabend 1:3 (1:2) gegen Belgien. Zum Abschluss der Vorrunde hatten die Deutschen den Erzrivalen mit 2:1 besiegt. "Eine Bronzemedaille wäre auch toll, aber aktuell überwiegt die Enttäuschung", sagte Florian Fuchs.

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Was wird heute bei Olympia interessant?

Die Ballsportler und die Springreiter stehen aus deutscher Sicht am Mittwoch im Vordergrund bei den Olympischen Spielen. Horst Hrubeschs Fußballer gegen Nigeria und die Hockey-Frauen gegen die Niederlande haben das Endspiel vor Augen, das Handballteam spielt im Viertelfinale gegen den WM-Zweiten von 2015: Katar. Im Tischtennis haben die Frauen eine Medaille schon sicher, gehen aber als krasser Außenseiter ins Finale gegen China. Im Springreiten zählt die deutsche Mannschaft mit Ludger Beerbaum, Christian Ahlmann, Daniel Deußer und Meredith Michaels-Beerbaum zu den Favoriten. In Anspielung auf die Erfolge der deutschen Vielseitigkeits- und Dressurreiter sagte Ludger Beerbaum: "Die Euphorie der anderen wollen wir mitnehmen."

Tim Sohr mit Agenturen