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Verunglückter Kanu-Trainer: Tragödie um Stefan Henze - Das ist bislang bekannt

Es ist die Schocknachricht der Olympischen Spiele: Kanu-Coach Stefan Henze ist drei Tage nach seinem schweren Verkehrsunfall in Rio de Janeiro gestorben. Das ist bislang über die Tragödie bekannt.

Ein Kondolenzbuch liegt im Deutschen Haus in Rio de Janeiro

Trauer um Stefan Henze: Im Deutschen Haus in Rio de Janeiro liegt ein Kondolenzbuch aus

Stefan Henze ist tot. Der deutsche Kanutrainer starb am Montag (Ortszeit) in Rio de Janeiro an den Folgen seines schweren Verkehrsunfalls während der Olympischen Spiele. "Auf Wunsch der Familie werden keine weiteren medizinischen Details veröffentlicht“, teilte der Deutsche Olympische Sportbund mit. Wie es zu dem Unfall kommen konnte und wer die Schuld daran trägt, ist noch unklar. Die Untersuchungen der Polizei laufen. Das ist bislang bekannt:

Stefan Henze und der ebenfalls als Betreuer der deutschen Kanuten tätige Sportwissenschaftler Christian Käding hätten nach der Abschiedsparty im Deutschen Haus noch einen Abstecher in eine Bar im Stadtteil Barra da Tijuca im Westen von Rio de Janeiro gemacht, berichtet die "Mitteldeutsche Zeitung" unter Berufung auf Kanu-Cheftrainer Michael Trummer. Für Freitag sei ihre Rückreise geplant gewesen, weil alle Entscheidungen im Kanuslalom gefallen waren. Nach dem Barbesuch nahmen sich die beiden ein Taxi, um in das olympische Dorf zurückzukehren, dass sich in demselben Stadtteil befindet. 

Stefan Henze lag angeblich hinten auf der Rückbank

Laut der Polizei gab der Taxifahrer Artur C. an, die Deutschen hätten ihn gegen 4.40 Uhr auf der Höhe der Bar Resenha in der Avenida Olegário Maciel 130 angehalten, wie die brasilianische Nachrichtenseite "O Globo" berichtet. Während sich Käding der "MZ" zufolge vorn anschnallte, legte Henze sich hinten auf die Rückbank. Nur wenige Minuten später prallte das Fahrzeug auf der Avenida das Américas in Höhe der Hausnummer 500 gegen einen Lichtmast oder, wie brasilianische Medien schreiben, eine Betonbarriere. Warum, konnte Käding später nicht sagen, er habe zu diesem Zeitpunkt eine Whatsapp-Nachricht in sein Handy getippt.

Die Bar Resenha in Barra da Tijuca

Die Bar Resenha in Barra da Tijuca. Hier sollen Stefan Henze und Christian Käding in das Taxi gestiegen sein, mit dem sie wenig später verunglückten.

Henze wurde mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma geborgen. "Er war zu keiner Zeit ansprechbar“, zitiert die "MZ" Michael Trummer. "Danach ging alles ganz schnell." Der 35-Jährige wurde in das nahegelegene Hospital Lourenço Jorge gebracht, das für Unfälle von Olympiateilnehmern und Delegationsmitgliedern akkreditiert war. Die Mediziner dort hätten Henze sehr gut erstversorgt, versicherte Trummer der "MZ". Da das Krankenhaus aber keine neurochirurgische Abteilung hat, wurde Henze umgehend in eine Spezialklinik, das 21 Kilometer entfernte Hospital Miguel Couto im Stadtteil Leblon, verlegt. Dort wurde er sofort operiert und in ein künstliches Koma versetzt.

Auch Olympia-Chefarzt Bernd Wolfarth lobte ausdrücklich die Rettungskräfte und die Erstversorgung. "Die ganze Rettungskette hat extrem schnell geklappt", sagte Wolfarth. "Er wurde sofort ins nächstgelegene Krankenhaus gebracht, wurde dort stabilisiert, komplett durchuntersucht, auch in einem zeitlichen Rahmen, wie wir das in Deutschland wahrscheinlich nicht viel anders realisieren konnten." Das Ganze sei so schnell gegangen, dass er und sein Stellvertreter Caspar Grimm, ein erfahrener Unfallchirurg, gleich direkt in das Spezialkrankenhaus mit der neurochirurgischen Abteilung gefahren seien.

Ärztepräsident nennt Klinikauswahl "unverantwortlich"

Der Präsident der Ärztegewerkschaft von Rio de Janeiro, Jorge Darze, hatte dagegen bereits wenige Tage vor Henzens Unfall die Akkreditierung des Hospitals Lourenço Jorge scharf kritisiert: "Es ist unverantwortlich, dass ausgerechnet dieses Krankenhaus nicht ausreichend für Unfallchirurgie ausgestattet ist, obwohl dort so viele schwere Autounfälle geschehen. Es hätte nicht als Referenzklinik für Olympia ausgewiesen werden dürfen", sagte Darze dem Spiegel.

Die Karte zeigt die Strecke von der Bar Resenha bis zum Unfallort

Die Strecke von der Bar Resenha bis zum Unfallort. Die Fahrt dauert nur wenige Minuten.

Nach Angaben des Portals "Extra" fehlt in dem Krankenhaus Lourenço Jorge nicht nur eine Neurochirurgie, auch die Thorax-Chirurgie und die Gefäßchirurgie seien 2011 beziehungsweise 2012 geschlossen worden. Im April hatte der Medizinrat des Bundesstaates Rio de Janeiro die Zustände in dem Olympia-Hospital scharf kritisiert.

Taxifahrer droht Anklage wegen fahrlässiger Tötung

Während Henze nach dem Unfall um sein Leben rang, und am Montag schließlich seinen schweren Kopfverletzungen erlag, wurden Christian Käding und der Taxifahrer Artur C. nur leicht verletzt. Käding wurde in ein Krankenhaus gebracht, das er aber noch am Freitag wieder verlassen konnte. Wegen seiner Zeugenaussage bei der Polizei sei er bis Samstag in Rio geblieben und dann mit Michael Trummer nach Deutschland zurückgeflogen, berichtete die "MZ". "Er spürt immer mehr auch die körperlichen Schmerzen“, zitierte sie Trummer.

Artur C. habe sich nach dem Unfall einem Alkoholtest unterziehen müssen, berichtete "O Globo" unter Berufung auf den Sprecher der Polizei in Barra da Tijuca, Marcus Vinícius Braga. Die Untersuchung habe ergeben, dass der Taxifahrer nicht unter dem Einfluss von Alkohol am Steuer gesessen habe. Artur C. müsse dennoch mit einer Anklage wegen fahrlässiger Tötung rechnen, teilte Braga dem Portal "Dia" zufolge mit. Eine offizielle Erklärung zur Unfallursache gibt es bislang nicht. Der Polizeisprecher warte noch auf das Unfallgutachten, schreibt "Dia". Die Aussage von Artur C. werde unter Verschluss gehalten.

mad

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