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Das müssen Sie zur Olympia-Nacht wissen: Die lächerliche Kritik an den Hahner-Zwillingen

Der Tod von Stefan Henze überschattet bei Olympia alles. Die Hahner-Zwillinge stehen am Pranger. Und Turn-Superstar Simone Biles patzt am Schwebebalken. Dazu: Ein unfairer Bodycheck auf der Bahn und (noch) ein romantischer Heiratsantrag. Was Sie gestern (Nacht) verpasst haben.

Olympia 2016: Lisa und Anna Hahner beim Zieleinlauf des olympischen Marathons

Stein des Anstoßes: Weil Anna (r.) und Lisa Hahner die Ziellinie Hand in Hand überquerten, stehen die Zwillinge in der Kritik

Alle Events, alle Entscheidungen der Nacht und des gestrigen Olympia-Tages finden Sie hier in unserem Livecenter.

Die wichtigsten Entscheidungen:

- Elia Viviani aus Italien gewinnt auf der Bahn das Omnium-Rennen, der ehemalige Tour-Veteran Mark Cavendish holt Silber

- Turn-Superstar Simone Biles verpasst Gold am Schwebebalken, sie rutscht nach einer Übung aus, gewinnt "nur" Bronze. Sanne Wevers aus den Niederlanden turnt sich durch Biles' Patzer überraschend zu Gold, US-Turnerin Lauren Hernandez holt Silber

- Charlotte Dujardin legt in der Dressur eine kaum zu schlagende Leistung hin, Isabell Werth bleibt immerhin Silber - und damit ihre zehnte Olympia-Medaille. Kristina Bröring-Sprehe gewinnt Bronze.

- Denis Kudla holt die erste Medaille für die deutschen Ringer: Bronze in der Kategorie bis 85 Kilogramm. Der 21-Jährige aus Schifferstadt schafft die Sensation gegen den Ungarn Viktor Lorincz, den WM-Dritten von 2013

- Im Stabhochsprung läßt der Brasilianer Thiago da Silva alle unter sich. Mit 6,03 Metern Höhe holt er sich Gold, der Franzose Renaud Lavillenie überspringt 5,98 Meter und sichert sich Silber. Bronze geht an den US-Amerikaner Sam Kendricks mit 5,85 Metern. Die deutschen Springer Raphael Holzdeppe, Tobias Scherbarth und Karsten Dilla scheitern schon in der Qualifikation.


- Über die 800 Meter wiederholt der Kenianer David Rudisha seinen Olympiasieg von London 2012. Mit 1:42,15 bleibt er zwar hinter seinem Weltrekord von 2012, aber es reicht trotzdem zum Sieg vor dem Algerier Taoufik Makhloufi und dem US-Amerikaner Clayton Murphy.

- Über 400 Meter schnappt sich Shaunae Miller von den Bahamas die Goldmedaille in 49,44 Sekunden - vor der US-Amerikanerin Allyson Felix und der Jamaikanerin Shericka Jackson.

- Die deutschen Hockey-Damen stehen im Halbfinale. Gegen die USA siegen sie mit ihrer bislang stärksten Leistung 2:1. Nächster Gegner wird am Mittwoch das Team aus den Niederlanden.

- Im Diskus haben die deutschen Athletinnen Julia Fischer und Nadine Müller das Finale erreicht

- Gregor Traber steht als einziger Deutscher im Halbfinale über 110 Meter Hürden

- Jackie Baumann, Tochter von Olympia-Sieger Dieter Baumann, verpasst das Halbfinale über 400 Meter Hürden

Wie läuft's für Deutschland?

Schlecht, sehr schlecht. Das hat allerdings rein gar nichts mit Sport zu tun. Kanu-Trainer Stefan Henze ist nach seinem schweren Unfall an den Folgen verstorben. Das deutsche Team in Rio reagierte geschockt. Fahnenträger Timo Boll fragte: "Was zählt unser Aus gegen das Leben von Stefan Henze"? Da kann man sich nur anschließen. Der Sport rückt in solchen Momenten in den Hintergrund.

Der größte Aufreger:

Neben dem Tod von Stefan Henze waren Lisa und Anna Hahner das große Thema bei deutschen Fans und Athleten. Besser gesagt: Ihr gemeinsamer Zieleinlauf inklusive Händchenhalten war das große Thema. Besondere Leistung hatten die beiden Zwillinge nämlich nicht gebracht, sie blieben über 15 Minuten hinter ihrer Bestzeit und belegten lediglich Platz 81 und 81. Kurz darauf hagelte es Kritik: "Hand in Hand geht man spazieren, aber nicht über eine olympische Marathon-Distanz", sagte der Sportdirektor des deutschen Leichtathletik-Verbandes Thomas Kurschilgen. In der Rückschau soll das hier kurz für zwei Absätze Meinung genutzt werden: Wie lächerlich sind diese Vorwürfe eigentlich?

Kaum einer hat ihren Facebook-Post offenbar richtig durchgelesen. Die beiden schreiben, ihr Körper sei nach vielen Trainingseinheiten am Ende, "viele Wehwechen entwickeln sich über die Dauer zu Beschwerden". Das kennt jeder Sportler. Und erst recht Marathonläufer. Das gibt es auch bei Profis. Und da kommt dann erst mal der Verband und haut drauf. Klasse. Was hat der Leichtathletik-Verband zu Robert Harting gesagt, der mit Hexenschuss weit unter seinen Möglichkeiten blieb? Nix. Achso.

Der Hauptkritikpunkt an den beiden ist aber ja ohnehin, sie hätten nur Marketing für sich betrieben. Man könnte nun weit ausholen, aber im Kern reicht einfach eine Gegenfrage: Was ist bei Olympischen Spielen bitte kein Marketing? Klar, manche Athleten sind so gut, dass sie neben der Superleistung noch Zeit für Eigen-PR haben (z.B. Usain Bolt). Aber manche sind eben nicht so gut, dass der Sport reicht, um von seinem Sport richtig zu leben. Sind schließlich nicht alle Fußballballprofis oder Golfer. Und da darf man sich etwas einfallen lassen. Hand in Hand mit der Zwillingsschwester ins Ziel zu laufen, ist auf keinen Fall die unangenehmste Idee. Auch wenn nur bei einer die Muskulatur gezwickt oder die Achillessehne geschmerzt hat - also nur eine der beiden verletzt gewesen sein mag: Warum wirft man der anderen dann gleich unsportliches Verhalten vor, wenn sie vielleicht fünf Prozent weniger gibt und dafür mit der Schwester einläuft? Olympia lebt auch von Gesten. Und seine Schwester mit ins Ziel zu schleppen, oder auch mit seiner Schwester gemeinsam ins Ziel zu laufen, ist eine schöne Geste. Marketing hin oder her.

Das hätten Sie auf keinen Fall verpassen sollen:

Manchmal verpasst man Sportmomente, manchmal verpasst man Momente fürs Herz, so wie diesen: Dean Golding ist der Freund einer ziemlich erfolgreichen Frau. Gestern holte Charlotte Dujardin auf Valegro überlegen Gold im Dressurreiten, es war ihre insgesamt dritte Goldmedaille. Golding saß wie immer auf der Tribüne und feuerte an. Doch diesmal klatschte er nicht nur, er rief nicht nur. Er hatte auch ein Schild dabei. Er hielt es vor seinem Bauch. Darauf stand geschrieben: "Können wir jetzt heiraten?!". Dean Golding musste lange warten, bis seine Liebste ihn endlich erhörte. Er habe sie schon nach ihrem Doppel-Erfolg bei den Olympischen Spielen 2012 in London gefragt, erzählte Dujardin. Sie wollte wohl auch, aber irgendwie auch nicht, jedenfalls musste sich Golding weiter gedulden, während seine Herzensdame mit dem 14 Jahre alten Ausnahmepferd Valegro von Erfolg zu Erfolg und von Titel zu Titel ritt.  Nun hat Dujardin endlich die Muße, um mit ihm vor den Altar zu treten. "Gott segne ihn. Er hat so lange gewartet. Wir sind seit neun Jahren zusammen. Jetzt wird es definitiv passieren."  Zuvor hatten bereits die chinesische Kunstspringerin He Zi den Heiratsantrag ihres Teamkollegen Qin Kai und die brasilianische Rugbyspielerin Isadora Cerullo den Antrag ihrer Freundin Marjorie Enya vor laufenden Fernsehkameras angenommen.

Heiratsantrag nach der Goldmedaille: Charlotte Dujardin und Dean Golding

Heiratsantrag nach der Goldmedaille: Charlotte Dujardin und Dean Golding

Gewinner des Abends:

Man glaubt es kaum nach der ganzen Diskussion um falsches Verhalten des IOC in den Doping-Fragen, aber: Der Internationale Olympische Sportbund kann auch mal der Gewinner des Abends sein. In einer Sache hat das IOC nämlich endlich mal konsequent (und richtig) gehandelt. Der ägyptische Judoka Islam El Shehaby, der seinem israelischen Gegner bei Olympia den Handschlag verweigert hat, ist mit einer scharfen Rüge des Internationalen Olympischen Komitees nach Hause geschickt worden. Sprecher Mark Adams hatte schon direkt nach dem Vorfall gesagt: "Wir glauben, dass es in der olympischen Bewegung darum gehen muss, Brücken zu bauen, niemals Mauern."

Verlierer des Abends:

Zur Einleitung ein kurzes Video. Einer der beiden ist Silbermedaillengewinner, der andere liegt im Krankenhaus.

Die Body-Check-Aktion von Mark Cavendish im Omnium-Rennen auf der Bahn sorgt für jede Menge Aufregung. Der Brite senste einfach seinen Nebenmann, den Südkoreaner Sanghoon Park um. Park musste mit der Trage aus dem Velodrom getragen werden. Cavendish fuhr weiter und wurde am Ende Zweiter. Der Verlierer ist er natürlich trotzdem. Und die Organisatoren, die ihn (warum auch immer?!) nicht disqualifizierten. 

Was wird heute bei Olympia interessant?

Heute ist jede Menge los: Die deutsche Olympia-Mannschaft darf sich am Dienstag gleich eine Reihe von Medaillenchancen ausrechnen - dazu gibt's in den Teamsportarten spannende Halbfinals. Die Rennkanuten Sebastian Brendel, Max Hoff sowie Franziska Weber und Tina Dietze zählen in den Finals ihrer Disziplinen (ab 14.08 Uhr) zu den Favoriten. Turner Fabian Hambüchen will seine Karriere mit Edelmetall am Reck (ab 20.39 Uhr) krönen. Bahnradsportler Joachim Eilers ist im Keirin-Wettbewerb Anwärter auf eine Medaille, gleiches gilt für Ringer-Weltmeister Frank Stäbler in der Kategorie bis 66 Kilogramm im griechisch-römischen Stil.

Um den Einzug ins Finale und eine damit sichere Medaille geht es für die deutschen Beachvolleyballerinnen Laura Ludwig und Kira Walkenhorst gegen die Brasilianerinnen Larissa und Talita (21.00 Uhr). Zur gleichen Zeit wollen es auch die deutschen Fußballerinnen mit einem Erfolg gegen Kanada erstmals in ein olympisches Endspiel schaffen. Die deutschen Hockey-Herren, zuletzt zweimal Olympiasieger, bestreiten ihr Halbfinale gegen Argentinien bereits um 17.00 Uhr.

mit Agenturmaterial