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Olympia 2018 Hier zerplatzt der Traum von sauberen Spielen in Pyeongchang

ARD-Reporter Hajo Seppelt öffnet nach Belieben Urinflaschen für Dopingproben bei Olympia in Pyoengchang
Urinflaschen, die sich nach Belieben öffnen und schließen lassen: ARD-Journalist Hajo Seppelt demonstriert, wie leicht sich die für Olympia in Pyeongchang vorgesehenen Dopingproben manipulieren lassen.
© © Screenshot/http://www.sportschau.de
Kaum zu glauben, aber wahr: Eine ARD-Doku entlarvt, dass sich die Flaschen für die Doping-Proben bei Olympia beliebig öffnen und schließen lassen. Saubere Spiele in Pyeongchang - davon kann man offenbar nur träumen.

Sportrechte-Anwalt Michael Lehner bläst die Backen auf. Gerade hat er gesehen, wie ARD-Reporter Hajo Seppelt Urinflaschen nach Belieben öffnen und schließen kann. Es handelt sich um jene Flaschen, die bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang eingesetzt werden sollen. Eigentlich sollten sie versiegelt sein, um Manipulationen auszuschließen. Doch davon kann keine Rede sein. "Was bedeutet das für den Kampf für den sauberen Sport", fragt Seppelt den Anwalt. Lehners Antwort: "Ganz klar, der ist am Ende jetzt."

Ein vernichtendes Urteil. Gut zehn Tage vor Beginn der Winterspiele scheint der Traum vom sauberen sportlichen Wettkämpfen in der südkoreanischen Stadt bereits ausgeträumt zu sein. Das haben Recherchen des ARD-Doping-Experten Hajo Seppelt ergeben. Seppelt ist jener Journalist, der auch das System des Staatsdopings in Russland entlarvt hat. Jene Recherchen, die unter anderem zum Ausschluss russischer Leichtathleten bei den Spielen von Rio de Janeiro vor zwei Jahren und zur Sperrung des Olympischen Komitees Russlands für die Wettkämpfe im kommenden Monat geführt hat. 169 russische Sportler werden daher in Pyoengchang unter neutraler Flagge und als "Olympische Athleten aus Russland" an den Start gehen.

IOC vor Olympia "sehr besorgt"

Das Internationale Olympische Komitee zeigte sich angesichts des ARD-Berichtes "sehr besorgt" über die Probleme mit den neuen Urin-Probenflaschen. "Wir haben sofort die Wada gebeten, dafür zu sorgen, dass die Anti-Doping-Tests in Pyeongchang glaubwürdig und zuverlässig durchgeführt werden können", sagte ein IOC-Sprecher. Die Wada, die Welt-Anti-Doping-Agentur, habe mitgeteilt, dass sie Kontakt zum Flaschenhersteller Berlinger hat. "Wir haben volles Vertrauen in die Wada, dass eine Lösung für dieses Problem gefunden wird", hieß es.

Ob dies bis zur Eröffnung der Spiele am 9. Februar möglich sein wird, bleibt abzuwarten. Die Wada war am 19. Januar vom Kölner Analyselabor informiert worden, dass die Flaschen beim Einfrieren einer Probe manuell geöffnet werden könnten. Die Behälter waren nach dem Doping-Skandal in Russland neu gestaltet worden - offenbar ohne den gewünschten Effekt. Bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi waren Dopingproben russischer Athleten mit Hilfe des Inlandsgeheimdienstes FSB geöffnet und der Inhalt gegen sauberen Urin ausgetauscht worden.

"Zu früh für Notfallpläne"

Der Leiter des Kölner Anti-Dopinglabors, Mario Thevis, geht davon aus, dass die Dopingtests bei Olympia trotz der nun bekannt gewordenen Probleme verlässlich sein können. "Es gibt Möglichkeiten, die Integrität von Urinproben zu sichern. Das würde bedeuten, dass wir auch für Pyeongchang die Möglichkeit sehen, dass ordentliche Dopingkontrollen durchgeführt werden können", sagte  Thevis im ZDF-"Morgenmagazin" am Dienstag. "Es gibt Notfallpläne", sagte Thevis im Hinblick auf Gerechtigkeit bei den Dopingproben. Einzelheiten nannte er nicht. Für diese Pläne sei es aber "zu früh", fügte er an.

Das Problem beiseite wischen wollte Thevis aber ebenfalls nicht. Der Verschluss der neuen Flaschen sei ein "Problem, dass es unbedingt in den Griff zu kriegen gilt", betonte Thevis. Er sagte: "Nichtsdestotrotz muss man festhalten, dass wahrscheinlich kein System manipulationssicher sein kann."

Olympia 2018: Hier zerplatzt der Traum von sauberen Spielen in Pyeongchang
dho mit DPA

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