Olympia
"Um mein Leben gekämpft": Biathlet Horn verfehlt Bronze

Philipp Horn wird im Ziel von seiner weinenden Ehefrau Antonia getröstet. Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Philipp Horn wird im Ziel von seiner weinenden Ehefrau Antonia getröstet. Foto
© Hendrik Schmidt/dpa
Philipp Horn zeigt ein starkes Rennen im Massenstart. Nach dem letzten Schießen ist der deutsche Biathlet Dritter - und bleibt doch wieder ohne Olympia-Medaille.

Nach dem Platzen seines olympischen Traums fiel Biathlet Philipp Horn als Erstes seiner weinenden Frau Antonia in die Arme. Beide suchten angesichts der Dramatik gegenseitig Trost. Denn auf Rang drei liegend in die Schlussrunde gegangen, musste sich der 31-Jährige im abschließenden olympischen Massenstart von Antholz mit dem undankbaren vierten Platz zufriedengeben. Dabei war sein größter sportlicher Triumph zum Greifen nah.

"Normalerweise ist so eine letzte Runde meine absolute Stärke, aber ich war heute einfach nicht stark genug", sagte der enttäuschte Horn und musste Bronze-Gewinner Quentin Fillon Maillet gratulieren: "Es war beeindruckend, wie er mich überholt hat. Es sah unfassbar leicht aus und ich habe um mein Leben gekämpft." Horn habe alles gegeben, um dem Franzosen zu folgen: "Mir sind einfach nur Arme, Beine und alles zugegangen, alles ist verkrampft gewesen."

Damit beendeten die deutschen Biathleten zum zweiten Mal nacheinander Olympische Spiele ohne Medaille in einem Männer-Wettbewerb. Nach 15 Kilometern sackte Horn trotz seiner starken Leistung im Ziel enttäuscht zusammen und lief dann zu seiner Frau, die auf der Tribüne stand. "Bei Philipp sollte übrig bleiben, dass das eine Weltklasse-Leistung war", sagte Sportdirektor Felix Bitterling. Verstecken müsse er sich nach diesem Auftritt nicht. "Aber klar: wir sind gerade genervt, denn jetzt sind wir wieder Vierter", sagte Bitterling

Warum er?

Beim umjubelten norwegischen Doppelsieg von Johannes Dale-Skjevdal vor Sturla Holm Laegreid zeigte Horn bis zum letzten Schießen eine ganz starke Leistung. Erst beim finalen Showdown ließ er eine Scheibe stehen, ging aber auf einem Medaillenrang liegend in die letzte Runde. Doch Fillon Maillet, der dank Laufbestzeit gar vier Strafrunden kompensierte, fing den Thüringer am letzten Anstieg ab. Horn kämpfte zwar verbissen, am Ende fehlten ihm nur 9,9 Sekunden zum Bronze-Coup. 

"Als ich auf Rang drei raus bin und dann hörte, dass Quentin hinter mir ist, dachte ich mir, warum er, warum nicht irgendjemand anderes", sagte Horn. "Er ist mit Abstand der Schnellste hier und eine Maschine." Er habe alles versucht, aber die Attacke des dreimaligen Antholz-Olympiasiegers an der Huberalm konnte er nicht mehr kontern. 

Es droht die schlechteste Bilanz der Geschichte

Vor dem abschließenden Massenstart der Frauen am Samstag (14.15 Uhr/ARD und Eurosport) hat das deutsche Biathlon-Team insgesamt nur eine Medaille gewonnen. Bleibt es auch nach elf Wettbewerben bei Bronze in der Mixed-Staffel, wäre das schwächste deutsche Abschneiden bei Olympia perfekt. Seit Frauen und Männer bei Winterspielen 1992 gemeinsam antreten, hatte es zuvor immer mindestens zweimal für das Podest gereicht.

Die besten Ergebnisse der Männer in Italien waren Rang vier mit der Staffel und Horns Massenstartergebnis. Die bislang letzte deutsche Medaille in einem Individualwettbewerb hatte Simon Schempp 2018 mit Silber im Massenstart gewonnen. Bei den Spielen in Südkorea gab es durch Arnd Peiffer im Sprint auch das bislang letzte Männer-Gold für den Deutschen Skiverband.

Nur Franzosen, Norweger und Schweden auf dem Podium

Damit standen außer beim Verfolgungssieg des Schweden Martin Ponsiluoma in den Einzelrennen ausnahmslos die Norweger und Franzosen auf dem Podium. Eine erdrückende Dominanz. Auch in der Staffel teilten sich Frankreich, Norwegen und Schweden das Podest. 

Während Italiens Mitfavorit Tomaso Giacomel angeschlagen das Rennen aufgeben musste, hatten Philipp Nawrath und David Zobel keine Chance auf eine absolute Topplatzierung. Nawrath wurde nach fünf Strafrunden Siebter, Zobel landete nach sieben Fehlern auf Rang 23.

Dabei hatten sich die deutschen Skijäger als Motivation etwas ausgedacht. "Wir haben einen Zettel ausgeteilt, jeder hat aufgeschrieben, wie er sich gefühlt hat am geilsten Renntag der Saison bisher", erzählte Horn. "Heute Morgen haben wir alle die Zettel nochmal gelesen, um wieder in diesen Zustand zu kommen. Mir ging das ganz gut, ich habe mich aufs Rennen gefreut." Dass er am Ende nicht auf dem Podest jubelt konnte, muss Horn erst mal verdauen.

dpa

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