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Sarah Voss macht den Anfang Deutsche Turnerinnen setzen mit Ganzkörperanzug Zeichen gegen Sexualisierung

Sarah Voss bei der Turn-EM am Schwebebalken
Sarah Voss turnte bei der Europameisterschaft in Basel in ihrem neuen Ganzkörperanzug am Schwebebalken
© Georgios Kefalas / DPA
Lange fühlten sich Sarah Voss und ihre Teamkolleginnen in der deutschen Nationalmannschaft aufgrund ihrer Kleidung unwohl beim Turnen. Doch mit den knappen Outfits ist nun Schluss. Die Turnerinnen sagen der Sexualisierung mit eleganten Ganzkörperanzügen den Kampf an.

Die deutsche Turn-Nationalmannschaft der Frauen sorgt zu Beginn der Europameisterschaft in Basel für Aufsehen. Mit einem eleganten schwarzen Ganzkörperanzug setzte die 21-jährige Sarah Voss ein Zeichen gegen die Sexualisierung im Turnsport. "Als Teil der deutschen Turn-Nationalmannschaft sind wir für viele jüngere Sportlerinnen auch ein Vorbild und möchten ihnen damit eine Möglichkeit aufzeigen, wie sie sich auch in einer anderen Bekleidungsform ästhetisch präsentieren können, ohne sich bei bestimmten Elementen unwohl zu fühlen", sagte die WM-Siebte am Schwebebalken.

Sarah Voss kämpft gegen Sexualisierung ihres Sports

Am Freitag im Finale des Mehrkampfs wollen dann auch die Stuttgarterinnen Elisabeth Seitz und Kim Bui mit den selbstdesignten und handgeschneiderten langen Gymnastikanzügen aufs Podium gehen. Jüngst hatte Elisabeth Seitz kritisiert, dass immer wieder Fotos von ihr mit anzüglichen Motiven veröffentlicht werden. "Sie wollen da noch mal das I-Tüpfelchen draufsetzen und dort ihre Anzüge präsentieren", kündigte Sarah Voss an.

Seitz mit 52,832 Punkten als 14. und Bui mit 52,791 Punkten als 15. zogen souverän ins Finale der 24 besten Vierkämpferinnen ein. EM-Neuling Emma Malewski (49,266) aus Chemnitz verfehlte es hingegen. Zudem qualifizierten sich Elisabeth Seitz als Dritte mit 14,233 Punkten am Stufenbarren und Kim Bui mit 13,333 Punkten am Boden jeweils für das Einzel-Finale. Sarah Voss scheiterte knapp am Einzug in den Endkampf im Sprung. Sie war nur am Schwebebalken und im Sprung angetreten.

Turnerin ist mit langem Anzug zufrieden

Ihre Wettkampferfahrung im langen Outfit war positiv. "Ich bin stolz, dass ich heute den Anzug tragen darf. Ich fühle mich super wohl, das ist super bequem. Ich finde, es sieht cool aus", sagte die deutsche Mehrkampfmeisterin. Üblich sind knappe, badeanzug-ähnliche Anzüge, die von Außenstehenden als aufreizend angesehen werden können, bei manchen Turnerinnen aber das Schamgefühl verletzen. "Man bewegt sich sehr viel und fühlt sich nicht immer 100 Prozent wohl", sagte Voss.

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Schon beim Einturnen habe sie "ein paar Blicke bekommen". Nun wünschen sie und ihre Teamkolleginnen sich, dass auch andere Sportlerinnen ihrem Beispiel folgen. "Wir haben erst mal den Anstoß gegeben. Wir freuen uns, wenn andere die Innovation aufgreifen und wir einen Trend gesetzt haben", sagte Sarah Voss.

Mannschaft fühlte sich im normalen Anzug nackt

Die Idee dazu war bereits im vergangenen Sommer entstanden. "Unser Kulturwandel hat schon vor einiger Zeit eingesetzt", berichtete Cheftrainerin Ulla Koch. Anlass sei gewesen, dass eine Sportlerin zu ihr gekommen sei und gesagt habe, dass sie sich mit dem normalen Anzug nackt fühle. Darauf müsse eine Trainerin reagieren. "Unsere Mädels sollen sich wohlfühlen", sagte sie.

Als rein männliche Cheerleading-Mannschaft unterstützen die "Fearleaders Vienna" Rollerderby-Teams in Wien.

Sie habe erst einmal eine Turnerin bei einer Großveranstaltung in lang gesehen. "Viele wissen gar nicht, dass wir lang turnen dürfen." Mit ihren langen Anzügen haben die deutschen Turnerinnen nun Anleihen beim Outfit in der Rhythmischen Sportgymnastik genommen.

Immer wieder tauchen anzügliche Fotos im Internet auf 

Seitz hatte erst kürzlich in einem Beitrag des SWR beklagt, dass im Frauenturnen immer wieder die Grenze zwischen Ästhetik und Sexualisierung überschritten wird. "Die Leute müssen verstehen, dass schönes Turnen nicht bedeutet, dass man das besonders geil findet oder das Männer sehr anzüglich finden", sagte die Olympia-Vierte von 2016 in Rio de Janeiro am Stufenbarren.

Sie finde immer mal wieder Fotos von sich im Internet, "die mir auch überhaupt nicht gefallen, eben weil mir in den Schritt fotografiert wurde". Es sei schwierig, diese Bilder entfernen zu lassen. Entdeckt sie bei Zeitungen solche Fotos, sage sie etwas. "Turnen ist viel zu schön, um genau so ein Bild nehmen zu müssen", sagte die 27-Jährige.

jus DPA

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