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13. Etappe: Kämpfer Voigt wird mit Sieg belohnt

Der "Ausreißerkönig" hat es mal wieder geschafft: Am Ende der längsten Etappe feierte Jens Voigt seinen zweiten Sieg bei der Tour. Der Deutsche, der nach dem Doping-Skandal nur schwer seinen Rhythmus fand, war überglücklich.

"Oh Mann, ich bin so froh, dass ich gewonnen habe!" Jens Voigt war erleichtert, dass ihm nach 2001 der zweite Etappensieg bei der Tour de France gelungen war. Der Berliner setzte sich auf der längsten Tour-Etappe nur wenige Kilometer nach dem Start ab und gewann am Ende vor dem Spanier Oscar Pereiro Sio. Voigt war im Ziel völlig aufgedreht: "Das ist der vielleicht glücklichste Tag in meinem Leben. Ich bin gar nicht müde. Ich könnte gleich nochmal aufs Rad steigen. Das war heute für unser Team nach den Vorfällen zu Beginn und den Stürzen die Wende", sagte Voigt, der sich freute, "dass mein fünfter Ausreiß-Versuch bei dieser Tour endlich zum Erfolg" geführt hat.

Nach einer unruhigen Startphase, in der immer wieder Fahrer versuchten, davon zu kommen, schaffte es Voigt zusammen mit vier anderen Profis, sich abzusetzen. Auf der 230 Kilometer langen Etappe von Béziers nach Montélimar mussten die Fünf dann allerdings auf den "ersten Kilometern voll auf Anschlag fahren", erklärte Jens Voigt nach dem Rennen. In seiner Gruppe fuhren Sylvain Chavanel (Cofidis), Oscar Pereiro Sio (Caisse d’Epargne), Manuel Quinziato (Liquigas) und Andrey Grivko (Milram). "Erst später wurde klar, dass das Team Phonak, in dem Floyd Landis das Gelbe Trikot trug, nur mäßige Nachführarbeit machte", sagte Voigt.

Keiner wollte die Ausreißer verfolgen

Ein Zeichen dafür, dass die Schweizer Mannschaft keinen Wert darauf legte, das Trikot zu verteidigen. Auch die Sprinterteams machten keine Anstalten, das Tempo im Feld hoch zu halten, um am Ende der Etappe einen Massenspurt herbeizuführen. Auch sie müssen auf der 13. Etappe nach anstrengenden Bergetappen mit ihren Kräften haushalten, was bei einer Temperatur von 44 Grad im Süden Frankreichs schwer fiel. "Alle sind müde - und diese Hitze. Das war eine gute Möglichkeit für Jens. Er ist darauf spezialisiert", sagte Voigts CSC-Sportchef Allain Gallopin, nachdem sich der Vorsprung der Ausreißer immer mehr stabilisiert hatte. Im Vorjahr hatte "Ausreißerkönig" Voigt zum zweiten Mal nach 2001 das Gelbe Trikot für einen Tag getragen.

Und so stieg der Vorsprung der Ausreißergruppe auf knapp einen halbe Stunde Minuten an. Die fünf Rennfahrer arbeiteten bis zwanzig Kilometer vor dem Ziel gut zusammen. Dann versuchte es Andrey Grivko mit einem ersten Angriff. Doch der Milram-Profi hatte sich verspekuliert. Alle vier Fahrer konnten locker kontern. Wenig später verließen den Ukrainer die Kräfte und er fiel zurück. Danach gab es immer wieder Attacken unter den vier Flüchtlingen. Kurz vor dem Ziel konnten sich Jens Voigt und der Bergspazialist Oscar Pereiro Sio absetzen.

Glückliches „Comeback“ für Voigt

Der Spanier hatte am Ende jedoch keine Chance gegen den bärenstarken Deutschen. Voigt, der nach einer Schulterverletzung nicht so gut in die Saison startete, war überglücklich. Denn auch zu Beginn der Tour de France kam er nach eigenen Aussagen nicht in den gewohnten Rhythmus. Der Ausschluss seines Kapitäns Ivan Basso war ein herber Schlag für ihn, zudem hatte der Sprecher der Fahrergewerkschaft viele Medientermine, die ihn in seiner Konzentration auf das Rennen störten. Nun aber war Voigt glücklich, dass seine Taktik, die er in den vergangenen Tagen gefahren war, aufgegangen ist.

"Für diesen Moment habe ich mich im Zeitfahren geschont", erklärte der 34-Jährige, der beim ersten langen Zeitfahren der Tour kalkuliert Letzter geworden war. "Damals habe ich meine Kräfte geschont, so dass ich heute wichtige Sekunden schneller war, als die anderen." Voigt erklärte, dass er schon seine Frau angerufen habe, die seinen Sieg zusammen mit ihren gemeinsamen vier Kindern in Berlin am Fernseher beobachtet hatte. Bei der Siegerehrung wolle er an seinen ersten Tour-Etappensieg im Jahr 2001 in Serraing denken und daran, dass er im Alter von 34 Jahren doch noch nicht zu alt für seinen Beruf sei. Das Gelbe Trikot ging an den Zweitplatzierten Oscar Pereiro Sio, der nun einen Vorsprung von 1:29 Minuten auf Floyd Landis hat. Den Massenspurt der Verfolger gewann der Träger des Grünen Trikots, der Australier Robbie McEwen vor dem Österreicher Bernhard Eisel und dem belgischen Weltmeister Tom Boonen.

Annette Jacobs mit DPA

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