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Nach Wimbledon-Aus : Alexander Zverevs denkwürdige Pressekonferenz: "Was da los ist, ist abartig"

Für Alexander Zverev ist das Turnier in Wimbledon schon nach einer Runde beendet. Der 22-Jährige lässt bei der Pressekonferenz nach seiner Niederlage tief blicken und deutet an, was ihm zu schaffen macht.

Alexander Zverev muss nach der 1. Runde in Wimbledon die Koffer packen

Alexander Zverev muss nach der 1. Runde in Wimbledon die Koffer packen

DPA

Als Alexander Zverev am Eröffnungstag in Wimbledon den Rasen betrat, musste man schon das Schlimmste befürchten. Vor ihm waren sechs deutsche Profis, zwei Damen und vier Herren, ohne einen einzigen Satzgewinn ausgeschieden. Dennoch war die 6:4, 3:6, 2:6, 5:7-Auftaktpleite des 22-Jährigen gegen den tschechischen Qualifikanten Jiri Vesely die aus deutscher Sicht wohl überraschendste an diesem Tag.

Beim Punktverlust zum Matchball des konstant spielenden Vorjahres-Achtelfinalisten Vesely rutschte er aus und plumpste auf den Rasen. Nach 2:31 Stunden beendete ein Rückhand-Volley ins Netz jäh all seine Ambitionen. Ernüchtert stopfte die deutsche Nummer eins das Wimbledon-Handtuch in die Tennis-Tasche. Zverev hatte es nach dem Spiel eilig und stellte sich schon etwa 20 Minuten später den Fragen. "Die letzten zwei Tage waren hart für mich, ich will nicht ins Detail gehen, aber das muss ich in Ordnung bringen", sagte der Gewinner des ATP Finals 2018.

Alexander Zverev spricht von "Selbstbewusstsein unter Null"

Im Frust über sein Erstrunden-Debakel gab Zverev bei der im Anschluss stattfindenen Pressekonferenz auch einen tiefen Einblick in sein Seelenleben. Unumwunden sprach der gebürtige Hamburger von einem "Selbstbewusstsein unter Null", von Problemen abseits des Tennis-Platzes und - ohne den Namen zu nennen - vom Streit mit seinem Manager Patricio Apey. "Ein Mensch, von dem ich dachte, er sei mein Freund, mit dem ich über Jahre zusammengearbeitet habe, tut alles, um mir zu schaden", sagte er vor den versammelten Journalisten in London. "Sie können sich nicht vorstellen, was gerade passiert. Was da los ist, ist abartig. Ich bin sehr wütend darüber."

Patricio Apey (oben links) sitzt bei den French Open auf der Tribüne

Patricio Apey (oben links) sitzt bei den French Open auf der Tribüne. Der Chilene befindet sich in einem Rechtsstreit mit Alexander Zverev, für den er bis März 2019 als Manager gearbeitet hatte

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In einem Interview mit dem britischen "Telegraph" vor Beginn des Turniers hatte Zverev sich zu dem Streit mit Apey geäußert: "Ich würde mich jetzt lieber nicht um diese Dinge kümmern. Aber was soll ich machen? Einen neuen Manager einstellen? Das kann ich legal gerade nicht, weil er versucht, unangenehm zu sein." Laut "Telegraph" läuft der Vertrag zwischen Zverev und Apey erst 2023 aus, das ausstehende Gerichtsverfahren in Großbritannien soll dem Bericht zufolge aus terminlichen Gründen erst im Herbst 2020 stattfinden können. Demnach müsste Zverev noch über einen längeren Zeitraum ohne Manager auskommen.

Probleme in Zverevs Trainerteam 

Zu den Querelen mit Apey kommen auch noch Probleme im Trainerteam. Bei den French Open, bei denen Zverev es bis ins Viertelfinale schaffte, saß sein Vater auf der Trainerbank, nicht aber sein Honorartrainer Ivan Lendl. Dieser fehlte offiziell wegen einer Pollenallergie. In London bot sich nun ein umgekehrtes Bild. Der 59-jährige Lendl verfolgte das Geschehen an der Church Road, während Zverevs Vater gar nicht erst angereist war. Das Fehlen des Vaters erklärte Zverev ebenfalls gegenüber dem "Telegraph": "Er ist froh nicht hier zu sein. Er trifft Freunde, die er lange nicht gesehen hat, hat Freizeit, kann im Garten arbeiten und mal ein normales Leben führen." Dass sein Vater aber ausgerechnet in Wimbledon fehlt, dürfte zumindest überraschen. 

Zverev schien seine erste mittelgroße Ergebniskrise zum Ende der Sandplatz-Saison abgeschüttelt zu haben, seine Knieblessur vom Turnier im westfälischen Halle hatte er nach eigenen Worten rechtzeitig zum Höhepunkt der Rasensaison auskuriert.

Die Niederlage gegen Vesely fügte sich jedoch ein in das Auf und Ab in einer bislang durchwachsenen Saison und passt so gar nicht in den stringenten Karriereplan des 22-Jährigen. Davis-Cup-Teamchef Michael Kohlmann hatte ihm beim Rasenklassiker diesmal sogar den Halbfinaleinzug zugetraut. "Ich habe immer gesagt, dass die US Open in diesem Jahr das Grand-Slam-Turnier sind, wo ich meinen Durchbruch schaffen will", sagte Zverev und kündigte an, mit Tennis erst einmal nichts zu tun haben zu wollen: "Ich werde ein paar Tage frei nehmen - irgendwo, wo mich keiner finden kann."

Quellen: "Telegraph"; Youtube Wimbledon; DPA 

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