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AUSTRALIAN OPEN: Der »Tommynator« auf Beckers Spuren

Sechs Jahre nach Boris Beckers letztem Triumph darf Thomas Haas bei den Australian Open erneut vom ersten Grand-Slam-Finale seiner Karriere träumen.

Sechs Jahre nach Boris Beckers letztem Triumph darf Thomas Haas bei den Australian Open erneut vom ersten Grand-Slam-Finale seiner Karriere träumen. Die deutsche Nummer 1 zog mit einem schwer erarbeiteten 7:6 (7:2), 6:4, 6:7 (2:7), 7:6 (7:5) über den Chilenen Marcelo Rios zum zweiten Mal nach 1999 ins Viertelfinale von Melbourne ein. »Ich bin überglücklich, dass ich es für mich entschieden habe«, kommentierte Haas, ohne eine Miene zu verziehen. »Im Innersten bin ich schon zufrieden, aber ich lasse das nicht raus, weil das Turnier noch nicht zu Ende ist. Das nächste Match ist alles, was ich im Kopf habe.«

Respekt vorm Gegner

Der Hamburger trifft am Freitag auf den Russen Marat Safin, den US-Open-Sieger von 2000. Vor drei Jahren hatte Safins Landsmann Jewgeni Kafelnikow auf dem Weg zum Titel Haas in Australien gestoppt. »Wenn Safin ,on fire' ist, wird es sicher schwierig. Für sein Alter ist er schon sehr erfahren. Ich hoffe, dass er einen schlechten Tag hat«, meinte Haas über den 21-Jährigen.

Das Selbstvertrauen überwiegt

Daviscup-Kapitän Michael Stich traut dem Weltranglisten-Neunten diesmal mehr zu. »Er kann alles erreichen. Er weiß, dass er gegen jeden gewinnen kann und hat die Einstellung, um jeden Preis etwas erreichen zu wollen. Es gibt keine Ausreden mehr. Auch Müdigkeit ist nicht das erste Thema, das Selbstvertrauen überwiegt«, sagte der Wimbledonsieger in der ARD. Haas griff, bei der Beurteilung seiner Chancen zu bekannten Worten: »Schaun 'mer mal.«

Kämpferherz

Nach den Fünf-Satz-Thrillern gegen Todd Martin (USA) und Roger Federer (Schweiz) musste Haas auch gegen Rios ein enges Match durchstehen. Über drei Stunden war der Deutsche damit beschäftig, Rios zu bezwingen. Dabei legte er erneut jenes Kämpferherz an den Tag, das ihm in Melbourne inzwischen den Spitznamen »Tommynator« eingebracht hat. »Marcelo konnte seine Breakbälle nicht nutzen, das war in den ersten beiden Sätzen der Schlüssel«, sagte Haas. »Wenn ich bei 5:4 im ersten Satz meinen Aufschlag durchbringe, wäre das Spiel anders gelaufen. Er hat in den entscheidenden Momenten besser und manchmal zu schnell gespielt«, meinte Rios.

Geschonter Kontrahent

Für Haas war es der dritte Sieg im siebten Vergleich, bei den bisherigen beiden hatte der Weltranglisten-48. Rios jedoch jeweils aufgegeben. Gegen Safin behielt der Deutsche in drei Begegnungen bisher zwei Mal die Oberhand, darunter 1999 im Daviscup mit 9:7 im fünften Satz. »Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich topfit bin. Aber ich habe ja einen Tag Pause. Es ist gut, dass ich meinen Physiotherapeuten dabei habe«, so Haas, der viel länger auf dem Platz stehen musste als sein nächster Kontrahent. 40 Stunden nach seinem mitternächtlichen Sieg über Pete Sampras zog Safin äußerst Kraft sparend ins Halbfinale ein. Der Weltranglisten-Elfte führte am Mittwoch 5:2 im ersten Satz, als sein Gegner Wayne Ferreira wegen einer Bauchmuskelzerrung aufgab. Der Südafrikaner musste zuvor zwei Mal über fünf Sätze gehen.

»Das ist ein Geschenk für mich. Ich bin froh, dass ich nicht so viele Kilometer machen musste«, sagte Safin nach der nur 28 Minuten dauernden Partie. Im anderen Semifinale spielen der Schwede Thomas Johansson und der Tscheche Jiri Novak gegeneinander. Beide stehen erstmals unter den letzten Vier bei einem Grand-Slam-Turnier.

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