HOME

Australian Open: Serena Williams krönt ihr Comeback

Sie ist als ungesetzte Spielerin ins Turnier gegangen: Serena Williams hat ihr Tennis-Comeback mit einem Turnier-Sieg gegen Maria Scharapova gekrönt. Die kann sich allerdings mit der Weltrangliste trösten.

Serena Williams hat ihr sensationelles Tennis-Comeback mit dem dritten Triumph bei den Australian Open gekrönt. Die im vorigen Juli bis auf Platz 139 der Weltrangliste abgestürzte Amerikanerin landete einen nicht für möglich gehaltenen 6:1, 6:2-Coup im Finale gegen Maria Scharapova. Die Russin wird zwar ab Montag die neue Nummer eins, die strahlende Siegerin von Melbourne ist wie schon 2003 und 2005 jedoch Serena Williams. Als 81. weist sie die drittschlechteste Weltranglisten-Platzierung aller Grand-Slam- Siegerinnen auf.

"Das ist ein toller Sieg. Ich hatte so viele Kritiker, die gesagt haben, ich sei nicht fit. Ich habe bewiesen, dass ich über drei Stunden gehen kann, wenn es sein muss", sagte Serena Williams nach ihrem achten, aber am wenigsten erwarteten Grand-Slam-Titel. Nach dem Matchball warf sie ihren Schläger weg, ließ sich auf den Platz fallen, und nach grimmig-entschlossenen Blicken im Match strahlte sie - erst ungläubig, dann überglücklich.

"Serena Slam" liegt vier Jahre zurück

Vor vier Jahren hatte sie an gleicher Stelle ihren "Serena Slam" vollendet und als erst fünfte Spielerin die vier wichtigsten Turniere hintereinander gewonnen - allerdings nicht im selben Kalenderjahr. 2005 war ihr in Australien der bislang letzte Turniersieg gelungen, der auch damals eher unerwartet kam. Damals hatte sie im Halbfinale gegen Scharapova drei Matchbälle abgewehrt.

Nach langwierigen Knieverletzungen sowie mehr Interesse für Mode und Film als für Sport bestritt die 25-Jährige im Vorjahr nur vier Turniere und war als Außenseiterin gestartet. Der erst zweite Triumph einer ungesetzten Spielerin in Melbourne nach 1978 wird sie auf Rang 14 katapultieren und ihr umgerechnet 768.000 Euro einbringen. Das Tanzen und Lachen wich bei der Siegerehrung aber auch einigen Tränen. Bewegt erinnerte Serena an ihre 2003 erschossene Schwester Yetunde Price. "Sie ist nicht hier, aber ich liebe sie so sehr. Vor ein paar Tagen habe ich gesagt: Wenn ich hier gewinne, dann ist es für sie."

Scharapova fand nicht ins Spiel

Scharapova fand unter dem Dach der Rod-Laver-Arena, das wegen einiger Regenschauer vor dem Match geschlossen worden war, nie in die Partie. Von Beginn an attackierte Serena Williams nach Möglichkeit jeden Aufschlag der Russin und versuchte erfolgreich, längere Ballwechsel mit der läuferisch überlegenen Gegnerin zu vermeiden. Ehe sich Scharapova darauf eingestellt hatte, stand es bereits.0:5. Die 19-Jährige reagierte verunsichert und vergab ihre wenigen Chancen gegen den starken Aufschlag von Williams. Beim Stand von.0:4 im zweiten Durchgang war die Entscheidung gefallen. "Das ist mein Spiel. Ich habe es zum ersten Mal in diesem Turnier gezeigt", sagte Serena.

Scharapova: "Nicht das Ende der Welt"

"Man darf sie nie unterschätzen, sie ist ein erstaunlicher Champion", sagte Scharapova, die ihrer Mutter zum Geburtstag einen Sieg schenken wollte. Obwohl sie nach dem Finalsieg über Serena Williams 2004 in Wimbledon und den vorigen US Open ihren dritten Grand-Slam-Titel verpasste, trockneten die feuchten Augen der Wahl- Amerikanerin nach der nur 63-minütigen Partie schnell.

Immerhin stand sie in der ersten Runde bei 40 Grad kurz vor dem Aus und wertete den Einstand ins neue Jahr als Erfolg - trotz der Finalpleite. "Das ist sicher nicht das Ende der Welt. Diese Momente machen einen stärker", sagte Scharapova und bewies bei ihrer Rede sogar Mut zu Selbstironie: "Ich werde ein paar Worte mehr sagen, als ich Spiele gewonnen habe."

Robert Semmler/DPA / DPA

Wissenscommunity