Behinderter Sprinter Auf der Jagd nach dem Olympia-Ticket


Vor Gericht hat er seinen Kampf gewonnen. Trotzdem hat der Sprinter Sprinter Oscar Pistorius sein Olympiaticket für Peking noch nicht sicher. Wie jeder anderer Athlet muss er sich sportlich für die Spiele qualifizieren. Dazu fehlen ihm lediglich ein paar Hundertstel Sekunden.

Der Internationale Sportgerichtshof CAS hatte der Klage des 21-jährigen Südafrikaners stattgegeben und ihn für alle Rennen unbeschränkt startberechtigt erklärt. "Ich kann gar nicht mehr aufhören, vor Glück zu lächeln", freute sich Pistorius nach der Urteilsverkündung, "diese Schlacht hat viel zu lange gedauert."

Er muss die Olympianorm knacken

Pistorius will in Peking über 400 Meter an den Start gehen. Sein größtes Ziel ist es nun, die Olympianorm des Weltverbandes IAAF zu knacken. Sie liegt bei 45,95 Sekunden. So schnell ist Pistorius in seiner Karriere noch nie gelaufen. Seine persönliche Bestzeit steht bei 46,56 Sekunden, aufgestellt am 17. Mai 2007 in Pretoria. Pistorius: "Wenn ich in Peking antreten dürfte, würde ein Traum wahr, den ich so lange geträumt habe. Wenn es nicht klappt, werde ich Anlauf auf London 2012 nehmen."

Pistorius, dessen Frau vor elf Monaten ihr erstes Kind bekam, studiert in Pretoria Betriebswirtschaftslehre. Er kam ohne Wadenbeine zur Welt; mit elf Monaten wurde er knieabwärts amputiert. Dennoch betrieb er schon in jungen Jahren alle möglichen Sportarten, von Rugby über Ringen bis Wasserball, ehe er sich auf Leichtathletik konzentrierte.

Zweite Chance: die 4 x 400-Meter Staffel

Sollte ihm die Einzel-Qualifikation für Peking nicht gelingen, bliebe ihm noch eine zweite Chance als Mitglied der 400-m-Staffel. Dafür werden die 16 besten Teams der Welt zugelassen. Allerdings zählte Südafrika 2007 nicht zu diesem Kreis.

Auch der Weltverband IAAF hat das CAS-Urteil inzwischen akzeptiert: "Pistorius ist überall willkommen, wo immer er jetzt starten will. Natürlich auch in Peking, wenn er sich sportlich qualifiziert", erklärte IAAF-Präsident Lamine Diack und nannte den Athleten einen "inspirierenden Menschen". Der Weltverband hatte den Mann aus Pretoria am 14. Januar unter Bezug auf Regel 144.2 für alle Wettbewerbe mit Nichtbehinderten gesperrt. Grundlage war ein Gutachten des Biomechanik-Professors Gert-Peter Brüggemann aus Köln, der ausführte, dass die hochtechnologisierten Carbonprothesen ("Cheetas"), mit denen Pistorius sprintet, ihm einen zu großen Vorteil gegenüber normalen Athleten verschaffen würden. Doch die Richter folgten dieser Argumentation nicht.

Ausdrücklich stellte der CAS aber fest, dass es sich um ein Einzelfall-Urteil handele. Es könne zudem revidiert werden, wenn neue wissenschaftliche Erkenntnisse vorlägen. Bei den Paralympics 2004 in Athen hatte Pistorius Gold über 200 m und Bronze über 100 m geholt. Außerdem hält der Südafrikaner, der sich selbst einmal als "Schnellster auf keinen Beinen" bezeichnet hatte, den Behinderten-Weltrekord über 100, 200 und 400 Meter.

SID/DPA DPA

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