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Box-WM: "Beast from the east"

Nikolai Valujev ist der größte Boxer der Welt - was die Statur anbelangt. In seinen ersten Profikämpfen wurde der Russe noch belächelt, das ist längst vorbei. Valujev gehört zum renommierten Sauerland-Boxstall. Kommenden Samstag kämpft er um den WM-Titel.

Nikolai Valujev muss sich vor jeder Tür bücken, braucht ein extra langes Bett und einen XXXL-Anzug. Der 32 Jahre alte Box-Profi ist so groß, dass er in jedem Märchen einen Riesen spielen könnte. Das muss aber warten. Zunächst einmal will der 2,13 Meter große und rund drei Zentner schwere russische Hüne den Superlativ, von der Statur her der größte Boxer der Welt zu sein, mit den Fäusten auch sportlich bestätigen. Valujev fordert am Samstagabend in Berlin WBA-Schwergewichts-Weltmeister John Ruiz aus den USA heraus.

Die mehr als 10.000 Zuschauer in der Max-Schmeling-Halle und Millionen vor den Fernsehgeräten erwartet ein vermeintlich ungleiches Duell. Goliath trifft auf David, denn Ruiz ist mehr als einen Kopf kleiner und fast 50 Kilogramm leichter als der seit 43 Kämpfen unbesiegte Valujev. Der Hüne, der der erste russische Schwergewichts-Champion überhaupt werden könnte, warnt dennoch: "Der Mann ist nicht einfach zu boxen." Ruiz sei ein guter Techniker und werde versuchen, in den Nahkampf zu gehen und zu klammern. "Ich bin gut vorbereitet und weiß, wie ich Ruiz zu boxen habe. Er wird die Stadt ohne Titel verlassen."

Sauerland rechnet mit engem Kampf

Aus Valujev spricht schmerzliche Erfahrung. Sein vergangener Kampf gegen den Amerikaner Larry Donald hat gezeigt, dass Größe und Gewicht nicht allein entscheiden. Nie zuvor in seiner zwölfjährigen Karriere war "The Beast from the east" ("Bestie des Ostens") derart gezeichnet aus einem Duell hervorgegangen. Der erste Cut seiner Boxkarriere, Schwellungen unter beiden Augen, Frustration - ein umstrittener Sieg gegen den beweglicheren und schnelleren Kontrahenten.

"Das war mein schwerster Kampf", musste der Russe aus dem Boxstall von Wilfried Sauerland eingestehen. Aber auch sein Wichtigster. Der Sieg nach Punkten brachte dem Vater eines Sohnes den WM-Fight gegen den Amerikaner ein. Wilfried Sauerland rechnet am Samstag mit einem ganz engen Kampf: "Die Chancen stehen 50:50, für Nikolai spricht die physische Stärke, für John Ruiz die immense Erfahrung", so der umtriebige Manager gegenüber stern.de. Trotzdem hofft der Promoter auf einen Sieg seines Schützlings: "Wenn er seine Taktik durchsetzt und die Aufwärtshaken zum Körper bringt, hat er eine realistische Siegchance. Nikolai darf nur nicht zu nervös beginnen, das war in den letzten Kämpfen immer ein Problem. Sauerland hat extra Meistertrainer Ulli Wegner zusätzlich in Valujevs Ecke beordert. Auch der ist von dessen Sieg überzeugt: "Wenn Nikolai so einfach boxt, wie ich russisch spreche, wird er gewinnen."

"Ein Kopf so groß wie ein VW"

Der in 48 Kämpfen 41 Mal erfolgreiche Ruiz hört dies natürlich gar nicht gern. Verbale Konter ließ der 33 Jahre alte Champion aber aus. Der Amerikaner gilt als Mann der leisen Töne und war auch nach seinem vergangenen Ringauftritt eher kleinlaut. Eigentlich von seinem Landsmann James Toney entthront, behielt er den WM-Gürtel nur, weil Toney wegen eines Dopingvergehens den Titel wieder abgeben musste.

Solche Komplikationen will Ruiz dieses Mal unter allen Umständen vermeiden. "Er hat einen Kopf so groß wie ein VW - da kann ich ihn ja gar nicht verfehlen", verkündete er. "Gegen so einen großen Gegner habe ich zwar bisher noch nicht geboxt, aber vielleicht kann ich ja meine Schnelligkeit ausspielen." Ruiz setzt auf den gleichen Trumpf wie Donald und hofft, dass er sticht. Valujev hofft das natürlich nicht. Er will auch im Ring eine Hauptrolle, die er im Kino schon sicher hat. Der boxende Riese gibt den Gaststar in "7 Zwerge - Der Wald ist nicht genug", dem neuen Märchenfilm von Otto Waalkes. Für Wilfried Sauerland würde übrigens mit dem Gewinn des WM-Gürtels seines Boxers ein Traum in Erfüllung gehen: "Für jeden Promoter ist der WM-Titel in der Königsklasse 'Schwergewicht' das Größte was es gibt. Noch dazu, weil es für mich das erste Mal wäre, dass einer meiner Boxer diesen Titel halten würde", sagte der Manager im Gespräch mit stern.de.

DPA/kbe

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