HOME

Vitali Klitschko: K.o.-Sieg ist Pflicht

Vitali Klitschko ist Weltmeister und in Deutschland schon lange ein Star. Um auch in den USA als Champion akzeptiert zu werden, muss er seinen Gegner Danny Williams nicht nur besiegen sondern auf die Bretter schicken.

In die Herzen vieler Amerikaner hat sich Vitali Klitschko bereits geboxt. Doch der große Star im Schwergewicht ist der Weltmeister des World Boxing Councils (WBC) deshalb noch nicht. Für den Champion gilt es darum, bei seiner ersten Titelverteidigung in der Nacht zum Sonntag gegen den Briten Danny Williams im Mandalay Bay Casino von Las Vegas eindrucksvoll zu siegen. Möglichst durch Knockout, dem Nonplusultra im Schwergewicht.

Der ältere Klitschko-Bruder hatte zwar gegen Corrie Sanders am 24. April den WBC-Titel bravourös durch technischen K.o. in der 8. Runde erkämpft, dennoch gab es Kritik an seiner Vorstellung, weil der Südafrikaner bereits 38 Jahre alt war und sich mehr dem Golfspielen als dem Faustkampf widmete. Mit der blutigen Abbruch-Niederlage wegen Verletzung zehn Monate zuvor gegen den britischen WBC- Titelverteidiger Lennox Lewis hatte er sich Respekt und Anerkennung verschafft, die nun mit Leistungskonstanz untermauert werden muss, so wie es die einstigen Stars für ihre Unsterblichkeit taten.

In die Galerie der großen Namen wie Jack Demsey, Joe Louis, Rocky Marciano, Muhammad Ali, Joe Frazier, George Foreman, Larry Holmes, Mike Tyson, Evander Holyfield oder Lennox Lewis könnte sich Vitali Klitschko als Träger des prestigeträchtigsten WM-Gürtels der vier Weltverbände WBA, WBC, WBO und IBF durchaus einreihen. Zumindest scheint der promovierte Sportwissenschaftler aus der Ukraine, der in Los Angeles sein zweites Zuhause hat, gegenwärtig der einzige in der Königsklasse zu sein, der für diese Ausnahmerolle befähigt ist.

Das Boxbusiness giert nach einem Überflieger

"Who is the man? Wer ist der legitime Nachfolger von Lewis. Der Kampf soll der Öffentlichkeit und uns die Antwort geben", meinte Mark Taffet, Vizepräsident des Pay-Per-View-Senders TVKO, vor dem mit 235,9 Kilogramm schwergewichtigsten Kampf in der WM-Geschichte (bisher Klitschko/Lewis - zusammen 228,8 kg). Während Vitali (34 Siege/2 Niederlagen) am Donnerstag 113,4 kg auf die Waage brachte, waren es bei Mike-Tyson-Bezwinger Williams (32/3) 122,5 kg.

Das rezessive Boxbusiness giert regelrecht nach einem neuen Überflieger im Schwergewicht. Das Fernseh-Interesse und damit die Dollarumsätze in dem normalerweise profitabelsten Limit sind rapide gesunken. So wurden bei der Schwergewichts-Gala von Don King in New York am 13. November mit den Titelverteidigungen von Chris Byrd und John Ruiz lediglich 125.000 TV-Abonnenten gezählt. Zwei Wochen später indes bezahlten über 325.000 Zuschauer mehr als 40 Dollar, um den dritten Vergleich zwischen den mexikanischen Super-Federgewichtlern Marco Antonio Barrera und Eric Morales Pay-Per-View sehen zu können.

Vitali dürfte der stärkste Schwergewichtler sein, "denn ich habe Lewis in Rente geschickt." Nach dem blutigen Duell hatte der Brite sein Karrieende erklärt. Dennoch sei es eben von heute auf morgen nicht möglich, sich gleich als neuer Star zu etablieren. Das muss sich aufbauen, deshalb sei er auch bereit, immer nur die Besten herauszufordern.

"Vitali wird unterschätzt. Er ist der Mann der Zukunft"

"Boxerisch werden wir den besten Vitali erleben, denn es je gab", versprach Trainer Fritz Sdunek. 112 Sparringsrunden mit sechs Gegnern hat sein Schützling absolviert. Sonst waren es nie mehr als 80, und die Zahl der Trainingspartner lag bei maximal vier. "Wir haben viel mehr als üblich an der Technik und Bewegung gearbeitet", verriet Sdunek. Wie die meisten Experten prophezeit er einen K.o.-Sieg des Hünen, der sich mit dem Hamburger Universum Boxstall im Rechtsstreit befindet. "Vitali wird unterschätzt. Er ist der Mann der Zukunft", meinte Promotor Bob Arum. Selbst Lewis glaubt inzwischen, dass der 4:1-Favorit seinen Landsmann aus dem Ring jagen wird.

Der best bezahlte Champion ist Klitschko bereits. Amerikanische Medien berichten, dass er für den ersten selbst promoteten WM-Kampf 3,5 Millionen Dolla plus anteilige Einnahmen vom Bezahlfernsehen kassiert. Williams erhält 300.000 Dollar. IBF-Weltmeister Chris Byrd wurde bei seiner letzten Titelverteidigung mit 2,5 Millionen, WBA- Champion John Ruiz mit 1,25 Millionen Dollar entlohnt.

Gunnar Meinhardt/DPA / DPA

Wissenscommunity