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Boxen Boxing Day - Die Boxschlacht des Jahres


Am letzten Wochenende sahen wir die wohl beste Runde Boxen des gesamten Jahres, außerdem freuen wir uns auf den besten Kampf unserer Zeit.

Wir haben am vergangenen Wochenende die wohl beste Runde Boxen des ganzen Jahres gesehen, als James Kirkland Alfredo Angulo besiegte. Wir haben aber auch das veglühende Licht von James "Lights Out“ Toney sehen müssen, der von Denis Lebedev zwölf Runden lang Prügel bezog.

Nicht zuletzt steht der dritte Kampf von Manny Pacquiao gegen Juan Manuel Marquez bevor, und es ranken sich Gerüchte darum, dass es im April 2012 endlich zum größtmöglichen Fight zwischen Pacquiao und Mayweather kommen könnte.

Der Pac-Man gibt sich die Ehre

Am Samstag steigt der philippinische Volksheld Manny Pacquiao mal wieder in den Ring. Zum insgesamt dritten Mal bekommt es der "Pac-Man“ mit dem mexikanischen Superstar Juan Manuel Marquez zu tun. Nicht wenige Experten sind der Meinung, dass Marquez die beiden ersten Duelle für sich entschieden hat. Tatsächlich gab es im Mai 2004 ein umstrittenes Unentschieden, den Rückkampf im März 2008 gewann Pacquaio durch Split Decision.

Für den Schlussakt der Trilogie gilt der Philippino als haushoher Favorit, nicht zuletzt weil das Team von Pacquiao das Kampfgewicht auf 144 amerikanische Pfund festlegte. Beide Boxer kommen eigentlich aus den leichteren Gewichtsklassen und standen sich in ihren ersten beiden Duellen im Feder- (126 Pfund) bzw. Superfedergewicht (130 Pfund) gegenüber.

Der "Pac-Man“ hat bei seinen letzten sechs Siegen gegen Oscar de la Hoya, Ricky Hatton, Miguel Cotto, Joshua Clottey, Antonio Margarito und Shane Mosley beeindruckend nachgewiesen, dass er sich im Weltergewichts-Limit überaus wohlfühlt. Marquez hingegen wagte erst einmal den Ausflug ins Weltergewicht und war dabei im September 2009 gegen Floyd Mayweather jr. absolut chancenlos.

Apropos Mayweather: Der "Pretty Boy“ nutzte – wie schon bei den letzten Pacquiao-Kämpfen – die hohe mediale Aufmerksamkeit, um seinen Konkurrenten im Kampf um den Pound-for-Pound-Thron zu provozieren und herauszufordern. Durch seinen Berater Leonard Ellerbe ließ Mayweather in der letzten Woche verlauten, dass er für den 5. Mai schon mal das MGM Grand in Las Vegas hat blocken lassen, um dann den "größtmöglichen Kampf“ auf die Beine zu stellen. Dabei vermied es Ellerbe abschätzig, den Namen Pacquiao in den Mund zu nehmen und sprach stattdessen provozierend immer nur von "the little fella“ ("der kleine Kerl“).

Pacquiaos Promoter Bob Arum verwarf das Gerede umgehend als unseriöse Effekt-Hascherei. "Ich kann das nicht ernst nehmen“, sagte Arum dem amerikanischen ESPN-Kolumnisten Dan Rafael. "Das ist einfach nur ein plumper Versuch von Floyd, sich ein bisschen in Mannys Scheinwerfer-Licht zu sonnen. Wenn sie ernsthaftes Interesse an dem Kampf haben, sollten sie sich nach dem Marquez-Kampf mit uns treffen und verhandeln, aber nicht einfach an die Öffentlichkeit gehen und sagen: 'Übrigens, der Kampf steigt am 5. Mai.’ Was ist das denn für eine Art von Verhandlung?“

Ob es im kommenden Jahr also wirklich zum Traum-Kampf eines jeden Box-Fans kommt, der nach Einschätzung aller Experten voraussichtlich der bestverkaufte Pay-Per-View-Fight aller Zeiten werden würde, steht noch in den Sternen. Zunächst müssen sich Pacquiao und sein Team voll und ganz auf Marquez konzentrieren. Und der Schützling von Freddy Roach weiß aus den ersten beiden Kämpfen genau, was für eine Schlacht ihn gegen den mexikanischen Haudegen erwartet.

Wirkungstreffer der Woche:

Alfredo Angulo (20-2-0) vs. James Kirkland (30-1-0), Cancun, Mexiko

“Über diese erste Runde werden wir noch in Jahren sprechen”, sagte der TV-Live-Kommentator Max Kellerman nach drei Minuten einer Ringschlacht, die es in sich hatte. Über den Kampf der beiden Halbmittelgewichtler wurde schon seit Jahren spekuliert. Das Süppchen kochte schon einige Zeit, und die Bühne war bereitet, als Angulo 2009 Cosme Rivera ausknockte und Kirkland im gleichen Jahr seinerseits Joel Julio durch TKO in Runde sechs besiegen konnte. Doch es kam anders. Angulo verlor den nächsten Kampf überraschend gegen Kermit Cintron, und Kirkland musste wegen Verstoßes gegen seine Bewährungsauflagen für 24 Monate hinter Gitter.

Nach zwei Aufbaukämpfen verlor aber auch Kirkland im April 2011 überraschend gegen den Japaner Nobuhiro Ishida zum ersten Mal in seiner Karriere. Doch schon im Sommer kam er gegen zwei leichte Gegner zurück und so konnte es am vergangenen Wochenende endlich zum ersehnten Kampf der beiden offensiv boxenden Halbmittelgewichtler kommen. Beide legten dann auch los wie die Feuerwehr. Nach nur 30 Sekunden landete Angulo eine rechte Gerade, die Kirkland zu Boden schickte. Nicht viele Gegner wären nach diesem Volltreffer wohl überhaupt wieder aufgestanden, doch Kirkland rappelte sich sofort wieder auf. Angulo witterte nun seine Chance und prügelte wie ein wilder Derwisch auf seinen Gegner ein.

Kirkland hing in den Seilen, konnte aber die Deckung hochhalten, man hatte den Eindruck, der Ringrichter sei drauf und dran, das einseitige Schauspiel zu beenden und Angulo zum Sieger zu küren, doch falsch gedacht. Angulo hatte sich verausgabt – "He punched himself out“, wie Roy Jones jr. als Experte am Ring feststellte. 50 Sekunden vor dem Ende der – ja immer noch – ersten Runde setzte nun Kirkland seinem Gegner mit wilden Kombinationen kräftig zu, Angulo ging 30 Sekunden vor dem Gong seinerseits zu Boden, nur die Rundenpause rettete den Mexikaner. Diese erste Runde hatte bei Angulo Wirkung hinterlassen. Kirkland drosch in der zweiten weiter auf ihn ein, aber er blieb stehen und kam in Runde drei und vier mit einzelnen Aktionen sogar zurück in den Kampf.

Doch Angulo fehlte die Frische, die Schnelligkeit. Kirkland boxte ihn mürbe und in Runde sechs war der spektakuläre Kampf beendet, der Ringrichter nahm Angulo aus der Schlacht. Kirkland war sich beweglich im Oberkörper, zeigte gute Kombinationen, einen tollen linken Aufwärtshaken und solide Geraden, aber das, was am meisten begeisterte, war das Comeback nach dem Niederschlag nach 30 Sekunden und der anschließenden Tracht Prügel von Angulo.

Nach vielen enttäuschenden Duellen in letzter Zeit hat dieser Kampf das Herz aller Boxfans höher schlagen lassen und wird bei der Auswahl zum "Fight of the year“ sicherlich Beachtung finden. "Auf dem Papier ist Kirkland der perfekte Gegner für Angulo, doch dies ist kein Kampf auf dem Papier, sondern ein Kampf in der Hölle”, rief der begeisterte Max Kellerman in sein Mikrofon.

Tiefschlag der Woche

Denis Lebedev (23-1-0) vs. James Toney (73-7-3), Moskau, Russland

Über James Toney lohnt es sich aus vielerlei Gründen zu schreiben. Nicht nur, weil er einen der besten Kampfnamen des Boxens trägt, nein, der mittlerweile 43-jährige "Lights Out“ Toney hat auch einige spektakuläre Kämpfe in seiner Karriere gemacht. Sein TKO-Sieg gegen Michael Nunn durch einen kolossalen linken Haken im Kampf um den IBF-Titel im Mittelgewicht 1991 zum Beispiel, sein Sieg um den IBF-Titel im Supermittelgewicht mit zugeschwollenem Auge durch KO in Runde zwölf gegen Charles Williams 1994 und nicht zuletzt der Sieg um die IBF-Krone im Cruisergewicht gegen den ungeschlagenen Vassiliy Jirov im April 2003.

Doch sein Kampf am Freitag im Khodynka Ice Palace in Moskau verursachte bei den Zuschauern Augenkrebs. Schwerfällig, langsam, ohne Linie und ohne klare Treffer gewann Toney nicht eine Runde. Alles, was er zeigen konnte, waren seine Nehmerfähigkeiten, er überstand die zwölf Runden mit Wohlwollen des Ringrichters und seines eigenen Trainers. Toney wurde in 84 Kämpfen noch nie zu Boden geschickt. So muss man seinen Spitznamen gegen Ende seiner Karriere wohl zweideutig sehen. James Toney schießt niemandem mehr die Lichter aus, aber er selbst wird wohl auch nie in seinem Leben KO gehen – immerhin!

Michel Massing

sportal.de sportal

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