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Boxen: Erinnerungslücken beim Weltmeister

Box-Weltmeister Wladimir Klitscko kehrt zu seinen Wurzeln zurück: In Hamburg, wo seine Profi-Karriere 1996 begann, will er am Samstag seinen WM-Titel im Schwergewicht verteidigen. Gegner ist ein Trainingsparter von einst, an den sich Klitschko aber partout nicht erinnern kann.

Beim ersten Kampf in seiner Wahlheimat Hamburg seit gut acht Jahren kehrt Box-Weltmeister Wladimir Klitschko am Samstag zu seinen Wurzeln zurück und will seine drei WM-Gürtel gegen den Herausforderer Tony Thompson (USA) erfolgreich verteidigen. "Es ist schön, wieder zu Hause zu sein. Es geht um alles oder nichts. Man darf Thompson nicht unterschätzen. Um seine Schwächen zu zeigen, werde ich aber die Fäuste sprechen lassen", kündigte der Schwergewichts-Champion an.

Rückkehr zu den Wurzeln

Klitschko, der seine Profikarriere 1996 in Hamburg begann und in der Hansestadt zuletzt am 18. März 2000 im Ring stand, hat sich in den vergangenen sechs Wochen im österreichischen Going auf den Fight vorbereitet. Nach insgesamt 95 Stunden Sparring fühlt sich der ukrainische Weltmeister der Verbände IBF, WBO und IBO für das Duell gegen Thompson gerüstet. "Ich freue mich wahnsinnig auf dieses Event und denke, die Hamburger haben mich in den vergangenen Jahren vermisst. Daher trage ich natürlich auch eine ganz besondere Verantwortung. Aber für mich ist das positiver Druck", sagte Klitschko, der einen Kampfrekord von 50 Siegen (44 durch K.o) und drei Niederlagen aufweist.

In Hamburg wurde er dabei auf ungewöhnliche Art und Weise begrüßt: Auf einem Doppelstock-Bus vor dem Hotel "Atlantic" standen in russische Armee-Uniformen gehüllte Mädchen und wedelten mit russischen Fahnen. Dazu wurden Parolen über Lautsprecher zum Besten gegeben. Jedoch wollte das Begrüßungskomitee nicht den Schwergewichts-Champion aus der Ukraine hofieren, sondern den russischen Boxer Alexander Powetkin aus dem Sauerland-Stall ins Rampenlicht rücken. Die Nummer eins der IBF-Rangliste sieht sich als rechtmäßiger Herausforderer des Weltmeisters und ließ deshalb T-Shirts mit der Aufschrift "Klitschko - I want you" verteilen.

Klitschko "in der Form seines Lebens"

Klitschko ließ sich von der Aktion jedoch nicht aus der Ruhe bringen. Thompson ist seit fast einem Jahr die Nummer eins der WBO. Er hat den WM-Kampf verdient", sagte der 32-jährige Dreifach-Weltmeister. "Powetkin ist noch jung. Ich gebe ihm gern die Zeit, sich auf mich vorzubereiten."

Trainer Emanuel Steward, der am Montag seinen 55. Geburtstag beging, bescheinigte Klitschko "in der Form seines Lebens" zu sein. Sowohl er als auch sein Schützling erwarten den 51. Sieg im 54. Kampf. "Ich bin mir sicher zu gewinnen", meinte Klitschko und bezeichnete als Stärke seines Gegners, sehr selbstbewusst zu sein. "Wenn man Vater von sieben Kindern ist, dann muss man schon sehr selbstbewusst sein", meinte der Zwei-Meter-Hüne Klitschko.

Gestern Sparringspartner - heute Herausforderer

Es ist nicht das erste Mal, dass ich Klitschko und Thompson im Ring gegenüberstehen. Vor seinem Kampf gegen Corrie Sanders im März 2003 hatte Klitschko mit dem Amerikaner gemeinsame Sparrings-Einheiten absolviert. Doch einen nachhaltigen Eindruck hat der Trainingspartner von einst offenbar nicht hinterlassen: "Ich kann mich gar nicht daran erinnern", sagte Klitschko.

Thompson, der sich das Recht des Herausforderers durch den technischen K.o.-Sieg gegen Luan Krasniqi (Rottweil) im Juli vergangenen Jahres in Hamburg erkämpfte, weist eine Bilanz von 31 Siegen (19 durch K.o.) und einer Niederlage auf. "Ich werde am Samstag eine große Show und einen großen Sieg zeigen", versprach der 36-Jährige: "Vielleicht brauche ich keine zwölf Runden. Ich werde schließlich nicht pro Stunde bezahlt."

DPA/SID/DPA

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