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Boxen: Felix Sturm tritt gegen Sebastian Zbik an

Felix Sturm trifft auf Sebastian Zbik. Ein Duell zweier deutscher Boxer, das nur geringes Interesse hervorruft. Wir sagen Ihnen, warum Felix Sturm ein Image-Problem hat.

Felix Sturm tritt in einer freiwilligen Pflichtverteidigung gegen Sebastian Zbik an. Für ein Deutsch-Deutsches Boxduell war das Presse-Echo gering. Wir fragen uns, warum Felix Sturm ein Image-Problem hat und sagen Ihnen, wer den Kampf gewinnen wird.

Felix Sturm: Der große Name verblasst

Felix Sturm hat in Deutschland einen guten Namen. Das hat zwei Gründe. Zum einen ist er ein technisch versierter Boxer, der saubere Schläge und für das geübte Auge feine Boxkunst in den Ring bringt. Zum anderen beruht sein Ruf auf einem Kampf aus dem Jahre 2004. Sturm boxte damals in Las Vegas gegen Oscar De La Hoya. Er verlor den Kampf knapp und nach Meinung vieler Experten unverdient.

Aber was ist seitdem passiert, dass der Name Sturm derzeit kaum einen Boxfreund mehr zu Begeisterungsstürmen hinreißt? Dafür gibt es wohl wiederum zwei Gründe. Felix Sturm boxt nicht mehr so explosiv, nicht mehr so beweglich und leidenschaftlich wie noch in seinen jungen Jahren. Zum anderen sind seine Gegner meist bessere (Giovanni Lorenzo) oder schlechtere (Ronald Hearns) Sparringspartner.

Golovkin ist der wahre Weltmeister 

Gegen halbwegs ordentliche Gegner (Matthew Macklin und Martin Murray) sah Sturm zuletzt im wahrsten Wortsinn alt aus. Gegen den amtierenden Weltmeister im Mittelgewicht nach Version der WBA, Gennady Golovkin, will Sturm nicht antreten. Der schlagstarke Boxer aus Kazakhstan lebt in Stuttgart und wird mittlerweile von der amerikanischen Box-Promotion Gesellschaft der Klitschko-Brüder betreut.

Sturm wurde im März 2010 zum "Super Champion" ernannt, obwohl er weder mehrere Titel vereinigt, noch zehn erfolgreiche Titelverteidigungen absolviert hatte. Sturm hatte nach Verleihung des Superchamp-Titels 21 Monate Zeit, sich einer Pflichtverteidigung zu stellen. Dieser Zeitraum war im Dezember 2011 abgelaufen. Die WBA ist gnädig mit Sturm, denn eigentlich hätte er sich Golovkin längst stellen müssen. Stattdessen heißt der Gegner Sebastian Zbik.

Beide teilen ein Schicksal 

Neben einer gerade im Vorfeld des direkten Aufeinandertreffens besonders gepflegten Hassliebe verbindet Zbik (30-1-0) vor allem eine bittere Auslands-Erfahrung mit Sturm. Im Juni 2011 lieferte er eine packende Schlacht gegen Julio Cesar Chavez Jr im Staples Center in Los Angeles. Auch der Mecklenburger verlor, wie Sturm, zum Unverständnis der Experten. Aber vorher boxte auch Zbik lange Zeit nur gegen ausgewählte Laufkundschaft. Bei Universum wurde er – wie Sturm auch – behütet aufgebaut. Das weiß der 30-jährige auch. "Man kann nicht immer die Besten boxen, eine leichte Titelverteidigung gehört auch mal dazu", so Zbik im Interview mit dem Hamburger Abendblatt.

Doch Zbik sieht den Unterschied zwischen ihm und Sturm im Umgang mit schwachen Kämpfen bzw. einer schwachen Gegnerauswahl. "Gegen die Nummer zwei und drei aus England macht er (Sturm) zwei Krüppelkämpfe, lässt sich dafür feiern und erzählt auch noch, er ist der beste Mittelgewichtler der Welt“, so Zbik über seinen Kontrahenten. "Ich habe auch Schweinekämpfe gemacht, aber danach nichts beschönigt, sondern dazu gestanden und mich auch entschuldigt.“

Schweinekampf? Keineswegs 

Am Freitagabend werden wir wohl keinen "Schweinekampf“ sehen, sondern ein Duell auf Augenhöhe und ansprechendem technischen Niveau. Wenn Sie am Boxen lieben, dass einer der Gegner ausgeknockt zu Boden geht, dann sollten sie nicht einschalten. Wenn Sie aber Ringschach bevorzugen, bei dem sich zwei gleichwertige Gegner einen vor allem taktisch geprägten Schlagabtausch liefern, dann ist Sturm gegen Zbik Ihr Kampf.

Beide Boxer sind technisch versiert, kommen oft über die Innenbahn, haben einen guten Jab. Einen Sieger zu prognostizieren fällt schwer. Sturm wirkte in seinen letzten Kämpfen sehr statisch und wenig explosiv. Sein Jab und seine Haken sind allerdings immer noch erstklassig. Zbik neigt dazu, in den späten Runden stark nachzulassen.

Ein spannender Kampf wartet

Wir vermuten einen starken Zbik zu Beginn des Kampfes und einen routinierten Sturm in der zweiten Kampfhälfte. Nach zwölf Runden wird wohl der "Heimvorteil“ zu Gunsten von Felix Sturm entscheiden. Das Image-Problem wird für Sturm erhalten bleiben, es sei denn, er stellt sich den besten Boxern des Mittelgewichts, so wie er es nach dem Abschied von Universum angekündigt hat. Ein Kampf gegen Golovkin wäre ein erster Schritt.

sportal.de / sportal
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