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Doping-Sumpf: Zabel und Aldag gestehen Epo-Doping

Erik Zabel hat sich als erster aktiver Radprofi als Doping-Sünder geoutet. Bei einer Pressekonferenz gab der 38-Jährige unter Tränen zu, gedopt zu haben. "Ich bin schockiert. Das hätte ich nie geahnt", sagt der "geistige Vater" des Team Telekom, Jürgen Kindervater, stern.de.

"Ich habe gedopt, weil es ging", sagte Zabel, "das war ein Test, das war einmalig." Zuvor hatte der Teamchef des Bonner Radrennstalls T-Mobile, Rolf Aldag, Doping mit EPO eingeräumt.

Zabel, der nach seinem Abschied vom Bonner Rennstall für das Team Milram fährt, droht damit eine automatische Zwei-Jahres-Sperre wegen Dopings. "Ich bin bereit, Konsequenzen zu tragen", sagte der gebürtige Berliner. Wie Aldag entschuldigte sich Zabel, der jahrelang an der Seite von Jan Ullrich für den T-Mobile-Vorgänger Team Telekom gefahren war, öffentlich für seine Verfehlungen.

Telekom will weiter machen

Aldag erklärte: "Ich habe im Vorfeld der Tour de France 1995 mit EPO-Doping begonnen." Aldag und Zabel sind nach Bert Dietz, Christian Henn und Udo Bölts die Profis vier und fünf des früheren Telekom- Rennstalls, die Doping zugegeben haben. Aldag entschuldigte sich auch dafür, dass er jahrelang gelogen habe. "Das war sicher das Schwerste überhaupt, was ich je getan habe und sicherlich genauso falsch wie Doping", sagte Aldag.

Ungeachtet der Geständnisse wird die Deutsche Telekom nicht aus dem Radsport-Sponsoring aussteigen. "Wir bleiben drin", sagte Konzernsprecher Philipp Schindera am Donnerstag. In den vergangenen Tagen hatte es mehrfach Vermutungen über einen bevorstehen Ausstieg des Sponsoring gegeben.

Kindervater schockiert

Der frühere Telekom-Sprecher Jürgen Kindervater, den stern.de kurz nach der brisanten Pressekonferenz am Telefon sprechen konnte, reagierte geschockt auf die Doping-Geständnisse der ehemaligen Telekom-Fahrer Erik Zabel und Rolf Aldag reagiert. "Das ist ein Schock für mich. Ich bin ziemlich enttäuscht davon, da wir uns jahrelang vor die Fahrer gestellt haben.", sagte Kindervater, der als "geistiger Vater" des ehemaligen Team Telekom gilt, stern.de.

Er selber habe nichts von Doping gewusst, versicherte Kindervater, der bis 2002 Konzern-Sprecher war. "Bis vor ein paar Tagen habe ich es für unvorstellbar gehalten, dass es systematisches Doping beim Team Telekom gab". Er habe damals bei der Teamleitung und der medizinische Betreuung nachgefragt, ob sich der Konzern sicher sein könne, dass bei dem Radteam nicht gedopt werde. "Wir haben in der Uniklinik Freiburg eine unabhängige Instanz gesehen. Dass die Ärzte involviert waren, ist für mich eine große Überraschung".

"Ullrich muss jetzt ehrlich sein"

Dem ehemaligen Kapitän des Bonner Rennstalls, Jan Ullrich, rät Kindervater, eine "vollkommene Offenheit und Ehrlichkeit" mit seiner Vergangenheit. Ob der Ex-Tour-Sieger tatsächlich gedopt hat, könne er jedoch nicht sagen, so Kindervater.

Die Entscheidung bei T-Mobile, das Radsport-Sponsoring fortzusetzen, könne er nachvollziehen. Auch nach dem Bekanntwerden des Festina-Skandals im Jahr 1998 habe man sich dazu entscheiden, das Sponsoring fortzusetzen. Damals habe man Geld in die Anti-Doping-Forschung gesteckt, um Maßnahmen zu entwickeln, das Blutdoping mit Epo beweisbar zu machen.

Dietz-Outing löste Lawine aus

Die Welle der Doping-Geständnisse hatte am Montagabend der frühere Telekom-Profi Bert Dietz ausgelöst, der sich in der ARD-Sendung "Beckmann" selbst als Doping-Sünder geoutet und die Teamärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid schwer beschuldigt hatte. Nach ihm gestanden auch seine früheren Teamgefährten Christian Henn und Udo Bölts Doping-Missbrauch. Am Mittwochabend räumten Schmid und Heinrich ein, im Bonner Rennstall Telekom Doping-Praktiken unterstützt zu haben. Die Universität Freiburg hat sich am Donnerstag mit sofortiger Wirkung von den beiden Medizinern getrennt.

DPA/kbe/mta

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