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Drama um Skifahrer Lanzinger: "Hetzkampagnen aus Österreich"

Der deutsche Renndirektor Günther Hujara hat sich nach dem tragischen Unfall des Ski-Rennläufers Matthias Lanzinger gegen die Kritik aus Österreich, Fehler in der Erstversorgung gemacht zu haben, vehement zur Wehr gesetzt. Der mächtige Funktionär spricht von einem "regelrechten Kesseltreiben".

Matthias Lanzinger musste nach einem schweren Sturz am Sonntag im norwegischen Kvitfjell der linke Unterschenkel amputiert werden. Der 27-Jährige sollte bereits am Donnerstag von Oslo nach Salzburg verlegt werden. "Nach dem, was in den letzten Tagen alles passiert ist, hat sich der Zustand von Matthias erfreulicherweise deutlich verbessert. Er ist sehr gut ansprechbar und hat auch eine Kleinigkeit gegessen", sagte Markus Wegscheider, Teamarzt des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV).

Allerdings sei es "eine furchtbare Situation gewesen, ihm das sagen zu müssen. Er war zutiefst erschüttert. Es war für uns alle irrsinnig schwer, und es war wahnsinnig traurig", erklärte Wegscheider. ÖSV-Cheftrainer Toni Giger betonte im ORF-Interview jedoch, "dass Matthias unglaublich stark ist. Und in diesen schweren Stunden, wenn man so eine Nachricht bekommt, da zeigt man natürlich Emotionen, das ist keine Frage. Ich werde diese Momente sicher mein Leben lang nicht vergessen."

Bundeskanzler schaltet sich ein

Derweil bestritt Hujara Vorwürfe aus Österreich, der Ski-Weltverband FIS habe bei der Erstversorgung von Lanzinger Fehler gemacht. "Das ist Polemik hoch zehn, was da teilweise abläuft. Langsam wird es zur Farce, was aus allem gemacht wird", sagte er dem Münchner Merkur. Hujara kritisierte die unsachlich geführte Debatte, in die sich sogar Österreichs Bundeskanzler Alfred Gusenbauer eingeschaltet hatte. Dieser hatte die Sicherheitsvorkehrungen als schockierend bezeichnet. "Dass sich Gusenbauer so aus dem Fenster lehnt, dafür habe ich kein Verständnis", sagte Hujara.

Er betonte, dass von Seiten der FIS alles unternommen werde, um die Gesundheit der Rennläufer zu schützen: "Wir tun unser Bestmögliches, um Stürze zu verhindern. Dass wir sie nicht hundertprozentig verhindern können, ist auch klar."

"Sportart, in der etwas passieren kann"

Den FIS-Renndirektor stört vor allem, dass nach jedem Sturz "die grundsätzliche Frage nach dem Skirennsport gestellt wird. Diese Schizophrenie der Diskussion ist nicht mehr verantwortbar. Fragen sie doch mal nach, warum die Leute den Skisport anschauen. Und warum ihn manche betreiben. Alle wissen, dass es eine Sportart ist, in der etwas passieren kann."

Klaus Bellstedt mit sid

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