Eisschnelllauf 3. Titel: Friesinger auf Wolke sieben

Bei den Eisschnelllauf-Europameisterschaften erkämpfte die 25-jährige ihren dritten Kontinent-Titel, kassierte 10 000 Dollar Preisgeld und zementierte ihren Ruf als beste Allrounderin der Welt.

Im Ziel riss sie die Arme in die Luft, umarmte ihren Trainer und nahm dann ein ausgiebiges Bad in der tobenden Menge: Anni Friesinger schwebt nach qualvollen Wochen an Krücken auf Grund ihrer Knie-Operation wieder auf Wolke sieben. Bei den Eisschnelllauf-Europameisterschaften im vom Konkurs bedrohten Eis- Mekka von Heerenveen erkämpfte die 25-jährige Inzellerin ihren dritten Kontinent-Titel, kassierte 10 000 Dollar Preisgeld und zementierte ihren Ruf als beste Allrounderin der Welt.

Riesenvorsprung von 18,11 Sekunden

Mit dem Riesenvorsprung von 18,11 Sekunden auf ihre härteste Gegnerin Claudia Pechstein hatte Friesinger am Sonntag nach vorangegangenen drei Streckensiegen die ungeliebten 5000 m in Angriff genommen. Dabei ging sie auf die Empfehlung ihres Coaches Markus Eicher im direkten Duell mit Pechstein kein Risiko ein und überließ der Berlinerin in 7:05,23 Minuten den Sieg auf deren Schokoladenstrecke, auf der sie schon drei Mal bei Olympia dominiert hatte. Beim 28. Euro-Championat war es der 18. deutsche Titel, Claudia Pechstein komplettierte als Zweite den vierten Doppelerfolg in Serie.

«Nie hätte ich auf solch einen Vorsprung zu hoffen gewagt. Ich weiß jetzt wieder, was ich kann. Es ist wundervoll, so in das neue Jahr zu starten», jubelte die Inzellerin. «Das Publikum hat mich voran getrieben. Es war einfach toll», meinte sie, nachdem sie 13 000 «Oranjes» in der ausverkauften Thialf-Halle auf ihrer Ehrenrunde euphorisch gefeiert hatten. Zahlreiche Plüschtiere und eine Oranje- Krone flogen auf das Eis, als der Sieg des Publikumslieblings perfekt war.

Pechstein zufrieden mit Ehrenrang

Claudia Pechstein war zufrieden mit dem Ehrenrang, und so kam die freundliche Gratulation nicht überraschend. Genau vor einem Jahr war bei den Titelkämpfen in Erfurt der «Zickenkrieg» entbrannt, den beide Athletinnen mit Beginn dieser Saison demonstrativ zu den Akten gelegt haben. Für Pechstein war es bereits der vierte zweite EM-Platz nach 1999, 2001 und 2002. «Die 500 m kann ich halt nicht. Aber auch die Niederlage über 3000 m war nicht schmerzlich. Bis zur WM ist noch Zeit», tröstete sich die Berlinerin. «Klar, es war eine Durchgangsstation, aber die hätte Claudia auch gern gewonnen», sagte Friesinger.

Mit dem Boykott des Verbandssponsors hatte Claudia Pechstein zuvor für einen kleinen Eklat gesorgt hatte. Die erfolgreichste deutsche Winter-Olympionikin verzichtete auf das Logo von Mineralien-Produzent «Taxofit» auf der Kappe, da ihr Individualsponsor «Actimeb» auf die Verträge gepocht und gegen die konkurrierende Werbung Einspruch eingelegt hatte. Gerd Zimmermann, der Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG), sah sich von der Situation überrascht. «Wir haben das Problem im Vorfeld offenbar nicht erkannt, müssen uns die Vertragsinhalte noch einmal genau anschauen», erklärte Zimmermann, der alle Verträge der Athleten mit ihren Sponsoren per Unterschrift absegnet.

Daniela Anschütz und Katrin Kalex

Mit starken Leistungen warteten auch die beiden anderen Deutschen auf. Daniela Anschütz verpasste auf Platz vier der Gesamtwertung nur haarscharf ihre erste internationale Medaille. Auch Katrin Kalex aus Berlin verbuchte mit Rang sieben ihr bislang bestes EM-Resultat. Bei den Herren hatte vor dem abschließenden 10 000-m-Rennen der Niederländer Gianni Romme beste Chancen auf den Gewinn seines ersten EM-Titels.

Mehr zum Thema

Newsticker