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Eisschnelllauf: Kufen-Queen verletzt sich selbst

Anni Friesinger hat sich beim Training eine Bein-Verletzung zugezogen und muss auf die nationalen Titelkämpfe am kommenden Wochenende verzichten. Auch ihr Start bei der Olympia-Generalprobe ist gefährdet.

Unglücklicher hätte das Olympia-Jahr für Anni Friesinger kaum beginnen können: Beim ersten Training im Jahr 2006 hat sich Deutschlands große Gold-Hoffnung für die Olympischen Winterspiele in Turin eine schwere Bein-Verletzung zugezogen. Sie muss nun zehn Tage mit dem Training pausieren. Beim Starttraining auf ihrer Heimbahn verletzte sich die 28-jährige Inzellerin am Montag mit der linken Kufe ihres Schlittschuhs am rechten Bein und zog sich eine tiefe Schnittwunde zu, die im Krankenhaus mit mehreren Stichen genäht werden musste.

Bei einer ersten Diagnose stellte der Arzt aber fest, dass keine Sehne gerissen ist. Dennoch sprach der Mediziner ein Trainingsverbot für die kommenden zehn Tage aus. Damit muss die Welt- und Europameisterin der Vorsaison die deutschen Meisterschaften der Mehrkämpfer in Erfurt (6./7. Januar) definitiv absagen, auch die Titelverteidigung bei den Allround-Europameisterschaften in Hamar (14./15. Januar) ist gefährdet. "Das ist deprimierend. Meine Form war so gut. Bloß gut, dass nicht auch noch eine Sehne kaputt gegangen ist", meinte die erfolgreichste deutsche Eisschnellläuferin der zurückliegenden Jahre bei einer ersten Besprechung mit ihrem Trainer Markus Eicher.

"So ein Unfall passiert nun einmal"

"Natürlich ist sie furchtbar niedergeschmettert. Aber ich bleibe Optimist, vielleicht kann sie doch schon ein paar Tage früher wieder auf das Eis", meinte der Coach. "Und wenn es mit der EM in Hamar nichts wird, weil der Trainingsausfall zu groß ist, dann müssen wir umdenken. Vielleicht läuft sie dann eine Woche später bei der Sprint- Weltmeisterschaft in Heerenveen", fügte Eicher hinzu. Anni Friesinger wird nun versuchen, sich zu Hause einige Tage auszukurieren. Sie reist voraussichtlich erst am kommenden Sonntag nach Erfurt, um dann wieder erste Tests auf dem Eis zu unternehmen und zu entscheiden, ob sie die EM in Angriff nehmen kann.

Die 1500-m-Olympiasiegerin von Salt Lake City galt nach ihrer bislang glänzend verlaufenden Saison mit insgesamt acht Weltcupsiegen als eine der ganz großen Olympia-Favoritinnen auf den Strecken zwischen 1000 und 5000 Meter sowie im Team-Wettbewerb. Die letzten Wochen vor dem Weihnachtsfest hatte sie auf Lanzarote beim intensiven Radtraining Kraft für die bevorstehenden Höhepunkte der Saison getankt. "Ihre Form war einfach herausragend. Jetzt gilt es aber, den Kopf oben zu behalten. Wir müssen die Situation nehmen wie sie ist und das Beste daraus machen", sagte Eicher. "So ein Unfall passiert nun einmal. Es lag viel Schnee in Inzell, da ist es anderen auch schon passiert, dass sie sich selbst verletzt haben", fügte er hinzu.

Frank Thomas/DPA / DPA

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