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Fabian Hambüchen: Erst im Finale, dann rausgeworfen

Der Erleichterung folgte der Riesen-Schock: Während Fabian Hambüchen sich schon über den Finaleinzug freute, korrigierte der Kampfrichter die Note seines russischen Konkurrenten Nikolai Krjukow nach oben. Damit ist Hambüchen aus dem Rennen.

Entsetzte Gesichter danach im deutschen Team, als der Willkürakt des Kampfgerichts zum Auftakt der Turn-Weltmeisterschaften in Melbourne durchsickerte. "Supervisor Sawao Kato hat uns mitgeteilt, dass er die Note von Krjukow nach einem mündlichen Einspruch des russischen Trainers geändert habe. Das kann natürlich nicht sein: Damit hätten wir das Problem, dass auf informellem Wege noch nachträglich Noten geändert werden", erklärte Rainer Brechtken, der Präsident des Deutschen Turner-Bundes (DTB) zu dem nächtlichen Chaos und legte umgehend Protest bei der Jury d’Appel ein, die erst nach den Kampfrichterskandalen von Athen ins Leben gerufen worden war.

Erst vor wenigen Wochen war vom Weltverband FIG formuliert worden, dass der Einspruch beim Supervisor schriftlich erfolgen müsse und zudem eine Gebühr zu entrichten sei. Beides war in diesem Falle nicht erfolgt. "Ein klarer Verstoß gegen das Reglement", ist Brechtken überzeugt. Über den Protest soll nun voraussichtlich am Mittwoch entschieden werden. Sollte er durchkommen, wäre Krjukow draußen. Würde er abgelehnt, ist Hambüchen aus dem Rennen. Denkbar ist aber auch, dass die Jury d’Appel erkennt, dass die Übung richtig bewertet wurde, gegen die Regularien aber verstoßen wurde: Dann würden beide Turner im Finale stehen.

Verstoß gegen das Verfahren

Fabian Hambüchen hatte zwei Stunden nach der Entscheidung noch nichts vom veränderten Ergebnis-Protokoll gehört. "Ich darf gar nicht daran denken, was in dem Sportler vorgeht, wenn er das erfährt", meinte Cheftrainer Andreas Hirsch am späten Abend. "Das Makabere ist, dass man nach den Skandalen von Athen genau diesen Verfahrensweg festgelegt hat, um mehr Eindeutigkeit zu haben. Diese Verfahrensweise ist hier nicht eingehalten worden. Hier wurde ein krummer Weg beschritten, um Protest einzulegen. Deshalb ist der DTB-Protest berechtigt", erklärte Trainer Wolfgang Hambüchen, nachdem sich der erste Ärger gelegt hatte. Zuvor hatte sich sein Sohn an seinem Spezialgerät einen kleinen Schritt beim Abgang seiner sauber durchgeturnten Übung geleistet. Daher griffen die Kampfrichter nur zur Note 9,600, die zunächst zu Platz acht und damit zur Finalteilnahme gereicht hätte.

Am Boden (9,062/11.) und am Sprung (9,449/12.) hatte Hambüchen ebenso knapp die Finals verpasst wie am Seitpferd Thomas Andergassen (Stuttgart/9,562/12.) und Eugen Spiridonov (Bous/9,487/13.). Für einen Lichtblick sorgte zum Auftakt der WM, bei der letztmalig die Note 10,0 das Maß aller Dinge ist, der 18-jährige Neuling Marcel Nguyen, der in seinem ersten Senioren-Wettkampf für seine ansprechende Barren-Übung 9,512 Punkte erhielt und damit auf Platz 16 kam. "Das war schon cool", meinte der Nobody aus Unterhaching noch schüchtern. "Ich war voll aufgeregt, aber es lief gut. Ich bin auch nicht traurig, dass es nicht zum Einzug ins Finale gereicht hat."

Verbesserung bei Eugen Spiridonov

Eine solide Leistung im Mehrkampf bot Eugen Spiridonov. Der Saarländer verbesserte sich gegenüber der EM in Debrecen, bei der er Neunter war, an fünf Geräten und haderte nur mit seiner Ringe-Übung: "Ich habe besser geturnt als bei der EM, bin aber viel schlechter bewertet worden". Mit Platz 11 erreichte der gebürtige Russe locker das Finale der besten 24 und hat dort die Möglichkeit, sein Resultat von 53,474 Punkten noch einmal zu toppen.

Die Erwartungen nicht erfüllen konnten der Cottbuser Robert Juckel, der an Reck und Seitpferd patzte, wie auch Matthias Fahrig. Das Sprungtalent aus Halle/Saale verletzte sich beim ersten Satz (9,325) und konnte zum zweiten Durchgang nicht mehr antreten. Eine erste Röntgen-Untersuchung im Krankenhaus ergab einen Anriss des Wadenbeins und einen Verdacht auf Einriss des Syndesmosebandes. Er wird damit vier bis sechs Wochen pausieren müssen.

Frank Thomas/DPA

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