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Georg Hackl: Hohe Ziele zum Karriereende

Georg Hackl hat in seiner Karriere alles erreicht. Jetzt hat der weltbeste Rodler seinen Abschied angekündigt. Bevor er den Schlitten jedoch in den Keller stellt, hat der 38-Jährige noch Großes vor.

Es wird ein Abschied auf Raten des erfolgreichsten Rodlers der Welt. "Die WM im Februar in Salt Lake City wird definitiv meine letzte sein", sagt der 38 Jahre alte dreimalige Olympiasieger. Noch anderthalb Jahre will Hackl fahren: "Am Ende muss das große Ziel stehen: Turin 2006 - nichts anderes." Denn bei seinen sechsten Olympischen Spielen will der Berchtesgadener endgültig seine einzigartige Karriere beenden.

"Werde jede Fahrt genießen"

"Von nun an ist alles Vorlaufzeit für Olympia", sagt Hackl. Doch bei den Gedanken an den 12. Februar 2006 überkommt die bayrische Frohnatur auch Wehmut. Denn an diesem Tag wird der Tüftler und Taktiker beim vierten Olympia-Durchgang auch zum letzten Mal seinen Schlitten als aktiver Rennrodler durch ein Eislabyrinth steuern. Hackl: "Ich werde aber jede Fahrt genießen - egal, was dabei rauskommt. Ich habe mir meine Sporen schon verdient."

Mit vier Jahren machte er seine ersten Schlittenfahrten. Sechs Jahre später verschrieb sich Hackl endgültig dem Rodelsport. Mit dem Sieg bei der Junioren-Europameisterschaft 1985 begann die unvergleichliche Erfolgsserie. Es folgten unter anderen drei Olympiasiege, zwei olympische Silbermedaillengewinne, drei WM- Einzeltitel und 15 nationale Soloerfolge.

Noch ein Weltcupsieg - für die kommende Saison ist er als WM-Zweiter hinter seinem designierten Nachfolger David Möller (Oberhof) gesetzt - fehlt Hackl für den alleinigen Rekord von 34 Erfolgen. Der mit Ausnahme des Eislabyrinths im sächsischen Altenberg, wo vom 12. bis 14. November der Weltcupauftakt stattfindet, auf allen Bahnen der Welt bereits siegreiche Hackl teilt sich die Bestmarke bislang noch mit "Rodel-Rentner" Markus Prock aus Österreich.

Kampf gegen das Alter

Dennoch kamen nach einigen Durststrecken immer wieder Rufe nach seinem Karriereende auf. Zumal ein Bandscheibenvorfall 1996 - 100 Tage nach der Operation holte er allerdings seinen dritten WM-Titel - und Arthrose den Athleten seit Jahren in seiner Fitness deutlich einschränken. Mit seinen eigenen Ankündigungen tat Hackl selbst zudem ein Übriges. "Ich werde zukünftig von Saison zu Saison entscheiden", hatte er bereits 1994 nach seinem zweiten Olympiasieg angekündigt. Vier Jahre darauf nach seinem Hattrick in Nagano meinte er, die Tendenz 2002 in Salt Lake City wieder um Olympia-Gold zu fahren, gehe "gegen Null". Er ging an den Start und holte Silber.

In Turin soll definitiv Schluss sein. Aber was kommt danach? "Ich will auf jeden Fall als Trainer arbeiten, mein Wissen weitergeben", stellt der Hauptfeldwebel der Bundeswehr klar. Dazu sei es erforderlich, dass er für zwei Jahre abkommandiert werde und an der Sporthochschule in Köln seine Trainer-Ausbildung mache. "Jeder Neuanfang ist auch eine neue Chance", meint Hackl zu seinem in rund anderthalb Jahren bevorstehenden neuen Lebensabschnitt.

Symapthischer Tiefstapler

In seiner bayrischen Heimat in Berchtesgaden am malerischen Königssee will er dann dem Rodelnachwuchs auf die Beine helfen. "Ich will am Mann arbeiten", so Hackl. Zweifellos aufkommenden Spekulationen um eine mögliche Anstellung als Nationalcoach nach seiner Laufbahn erteilt der Berchtesgadener vorab erstmal eine Absage. "Für diese Ansprüche habe ich gar nicht die Fähigkeiten", meint er. Doch tief stapeln war schon immer eine seiner größten Stärken.

Jens Marx/DPA / DPA

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