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Handball-Champions-League: Kiel triumphiert im Königs-Finale

Der THW Kiel hat sich die europäische Handball-Krone aufgesetzt: In einem dramatischen Final-Krimi gegen SG Flensburg-Handewitt gewannen die Kieler die Champions League - es ist der größte Erfolg in der Club-Geschichte.

Fünf Jahre nach dem SC Magdeburg ist der THW Kiel mit dem Gewinn der Champions League an seinem lang ersehnten Ziel. 10 250 Zuschauer in der ausverkauften Kieler Ostseehalle bejubelten den hart erkämpften 29:27 (15:10)-Sieg im ersten deutschen Endspiel der "Königsklasse". Im Hinspiel hatten sich die beiden Teams 28:28 getrennt. Nikola Karabatic (9/1) für Kiel und Marcin Lijewski (6) für Flensburg warfen die meisten Tore. Beide Mannschaften beendeten die Partie dezimiert: Flensburgs Joachim Boldsen (19.) und Kiels Christian Zeitz (60.) sahen jeweils Rot.

Vor der brisanten Partie gab es zunächst Blumen für Flensburgs Trainer Kent-Harry Andersson. Der Schwede bekam von seinem Landsmann und THW-Kapitän Stefan Lövgren einen bunten Strauß zu seinem 58. Geburtstag überreicht. Danach aber waren die Nettigkeiten vorbei. In der packenden Partie schenkten sich beide Teams nichts. Als Flensburgs Joachim Boldsen wegen groben Foulspiels an Nationalspieler Zeitz die Rote Karte sah, drohten die Emotionen erstmals überzukochen.

"Ein Traum, hier zu stehen"

"Es ist ein Traum, hier zu stehen", sagte Flensburgs scheidender Manager Thorsten Storm auf dem Parkett der Kieler Ostseehalle, "für viele ist es ein emotionaler Höhepunkt. Es war ein langer Weg bis hierher." Das war es auch in Bezug auf die zurück gelegten Distanzen. In der siebenmonatigen Champions-League-Saison hatten beiden Finalisten bis zum Sonntag zusammen 19 106 Kilometer zurückgelegt.

Für das große Finale vollbrachten die Kieler gar eine "Wunderheilung". Zwei Wochen nach seinem Sehnenabriss im Oberschenkel stand Kapitän und Spielmacher Lövgren wieder im Aufgebot des deutschen Meisters, kam aber bis zur Pause nicht zum Einsatz. "Er hat immer noch einen Sehnenabriss. Als Vollblut-Handballer wollte er natürlich dabei sein. Das wollte ihm keiner verwehren, und die Ärzte haben auch Grünes Licht gegeben", berichtete Kiels Manager Uwe Schwenker.

Kiel legte einen Blitzstart hin

Doch auch ohne ihren Regisseur kamen die Hausherren bestens in die Begegnung. Mit einem Blitzstart führte der Gastgeber durch drei Zeitz-Treffer mit 3:0 (4.). Davon erholten sich die nervösen Flensburger in den ersten 30 Minuten nicht mehr. Zwar verkürzte der "ewige Zweite" bis auf 7:8 (18.). Doch Kiel gab nicht einmal die Führung aus der Hand. Mit Schlussmann Thierry Omeyer als sicherem Rückhalt warfen die Rückraumspieler des THW Kiel 14 der 15 Tore in der ersten Halbzeit.

Die Flensburger konnten sich vor allem nach der Disqualifikation von Boldsen bei ihrem Torhüter Jan Holpert bedanken, dass die Gäste zur Pause nur 10:15 zurücklagen. "Niemand in Kiel will gegen Flensburg verlieren", gab Karabatic zu. Der Franzose steuerte schon im ersten Durchgang sechs Treffer bei, nachdem er bereits im Hinspiel mit acht Toren bester Kieler Werfer gewesen war.

"Gigantische Atmosphäre" in der Ostseehalle

In der wie immer ausverkauften Ostseehalle feierten die Zuschauer während der gesamten Spielzeit. "Die Atmosphäre ist gigantisch", lobte Schwenker. Doch nicht nur in der Arena fieberten Tausende mit. Auch in der Flensburger Campushalle drückten 4000 Fans ihrer Mannschaft die Daumen und hofften darauf, dass die Flensburger den Pokal holten und dann zur Party kommen würden. Public Viewing wie bei der Handball-WM drei Monate zuvor gab es zudem in Kiel.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit präsentierten sich die Gäste aus Flensburg wesentlich bissiger. Dank besserer Abwehrarbeit stellten sie die Kieler Rückraum-Asse vor Probleme und verkürzten wieder bis auf 17:19 (41.) und hielten die Partie bis zum Ende offen.

Timo Lindemann/DPA / DPA

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