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Handball: Deutschland unterliegt Polen und scheidet bei der EM aus

Der Traum vom EM-Halbfinale ist für das deutsche Team nach der unnötigen 32:33-Pleite gegen Polen ausgeträumt. Ob das eigentliche Ziel Olympia-Qualifikation damit auch verpasst wird, müssen die kommenden Spiele zeigen. Überschattet wurde das Aus von der schweren Verletzung von Michael Haaß.

Deutschland ist bei der Europameisterschaft in Serbien nach einer Niederlage im "Endspiel" gegen Polen ausgeschieden. Bei der 32:33-Pleite machte die bisher so überzeugende Abwehr zu viele Fehler und schenkte den alles andere als überragend spielenden Polen viele leichte Treffer, im Angriff gab es zudem wieder leichte Ballverluste.

Am Ende wirkte die DHB-Auswahl aber doppelt geschockt, denn Michael Haaß verletzte sich schwer am Sprunggelenk. Beste Werfer waren die Kieler Außen Dominik Klein und Christian Sprenger mit jeweils sieben Treffern. Polen steht damit vorerst auf dem zweiten Tabellenplatz, die Qualifikation für das Halbfinale ist aber alles andere als sicher, denn Dänemark kann mit einem Sieg gegen Schweden noch vorbeiziehen.

Nach dem mutlosen Auftritt ist das Team von Bundestrainer Martin Heuberger nun auf Schützenhilfe für einen Platz in der Olympia-Qualifikation angewiesen – am Ende des Abends werden die deutschen Handball-Fans auch in dieser Frage mehr wissen.

Hens kehrt auf die Bank zurück

Heuberger stellte seine Startformation im Gegensatz zu den letzten Partien um und begründete die Maßnahmen auch mit den hohen Belastungen. Für Uwe Gensheimer begann der Kieler Dominik Klein als Linksaußen, auf der Gegenseite spielte Patrick Groetzki für Christian Sprenger. Kapitän Pascal Hens fand sich erwartungsgemäß auch auf der Bank wieder, für ihn übernahm wieder Lars Kaufmann die Verantwortung im Rückraum.

Taktisch hatte Heuberger sein Team vor allem auf den starken Rückraum der Polen eingestellt, das klappte zu Beginn auch sehr gut – allerdings auf Kosten der Außen. Patryk Kuchczynski und Adam Wisniewski bekam die deutsche Defensive in der Anfangsphase nicht wirklich in den Griff. Auf der Gegenseite wurde Holger Glandorf in Manndeckung genommen – eine Maßnahme mit Erfolg.

Auch deshalb lief die DHB-Auswahl von Beginn an einem Rückstand hinterher, ohne dass sich die Polen zunächst absetzen konnten. Bester deutscher Spieler der Anfangsphase war Christoph Theuerkauf, der am Kreis gewohnt aufmerksam agierte und bis zum 7:7 drei Treffer markierte.

Lichtlein läuft sofort heiß

Mit drei Toren in Serie zogen die Polen dann erstmals doch ein wenig davon, auch weil offensiv noch zu wenig gelang, nach 20 Minuten lag die deutsche Wurfeffektivität nur bei knapp 60 Prozent. Ein weiterer Faktor war das fehlende Glück von Torwart Silvio Heinevetter, Heuberger reagierte bereits nach 18 Minuten und brachte Carsten Lichtlein.

Doch auch die erste Lichtlein-Parade brachte die deutsche Mannschaft zunächst nicht zurück ins Spiel, nach 21 Minuten führte Polen 14:10 – zudem musste Kaufmann auf die Strafbank. Aber nun nahmen sich die Polen die erste Phase mit Problemen im Abschluss, Lichtlein ließ weitere gute Aktionen folgen und die Kieler Klein (drei Tore) und Sprenger (2) brachten für Deutschland das 15:15. Die Heuberger-Sieben hatte sich zurückgekämpft, mit einem 17:18-Rückstand ging es in die Kabine.

Der Bundestrainer hatte taktisch wieder vieles richtig gemacht, die Hereinnahme von Klein machte sich früh bezahlt und auch der Torwartwechsel war konsequent und richtig.

Führung in Unterzahl

Auch zu Beginn der zweiten Halbzeit wurde Glandorf eng in Manndeckung und damit fast komplett aus dem Spiel genommen. Eine wirkliche Antwort fand die DHB-Auswahl nicht, trotzdem blieb es bis zur 40. Minute konstant bei einem Tor Rückstand, beim 22:25 wurde es dann erstmals wieder eng. Das größte Problem waren in dieser Phase die leichten Ballverluste sowie die Zeitstrafen, in Unterzahl wollte – anders als bisher im Turnier – nicht viel gelingen.

Zehn Minuten vor Schluss führte Polen mit 29:26, viel sprach eigentlich nicht mehr für Deutschland. Aber Heinevetter und Hens waren zurück in der Partie und drei Treffer in Serie sorgten für das erste Remis. Als Hens dann in Unterzahl das Tor zum 30:29 erzielte und Sprenger sogar in doppelter Unterzahl erhöhte, war das Halbfinale wieder zum Greifen nah. Die spanischen Schiedsrichter trafen nun zwar einige seltsame Entscheidungen, die wiederholt einfachen Ballverluste hatten sie aber nicht zu verantworten.

Beim Stand von 31:31 musste Spielmacher Michael Haaß mit einer schweren Sprunggelenksverletzung von der Platte getragen werden, Polen durfte zudem nach einer Roten Karte für Klein die letzten beiden Spielminuten mit einem Spieler mehr bestreiten. Trotzdem wäre zumindest ein Punktgewinn möglich gewesen, in den letzten Sekunden schaffte es das deutsche Team aber nicht, den von Heuberger angesagten Spielzug zu Ende zu spielen und auf das Tor zu werfen. Alles in allem war das 32:33 aber eine absolut vermeidbare Niederlage.

Marcus Krämer

sportal.de / sportal

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