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Heiner Brand: Der Bart bleibt dran

Er ist kein Mann der großen Sprüche, der sich in Vordergrund drängt, und Vergleiche mit Jürgen Klinsmann nerven Heiner Brand mittlerweile. Vor allem, weil der Trainer der deutschen Handballer schon lange moderne Trainingsmethoden anwendet.

Mittlerweile nerven die Vergleiche. Wo immer Heiner Brand in den vergangenen Monaten auf der monatelangen Roadshow für die Handball-WM im eigenen Land warb, war der Name Jürgen Klinsmann allgegenwärtig. Geduldig beantwortete der Handball- Bundestrainer alle Fragen nach der Übertragbarkeit der Konzepte seines Fußball-Kollegen auf das DHB-Team. Doch die Freude hielt sich zunehmend in Grenzen: "Man sollte sich lösen von den ewigen Vergleichen mit der Fußball-WM. Ich bin seit über 20 Jahren dabei, kann mich jetzt nicht hinstellen und plötzlich den Strahlemann geben. Niemand würde mir das abnehmen."

Brand ist kein Mann für große Sprüche und Auftritte. Anders als Klinsmann verzichtete er vor der WM wohlweislich auf die Ankündigung, Weltmeister werden zu wollen. Brand lebt in Gummersbach, nicht in Kalifornien, ist eher Traditionalist und doch offen für Innovationen. Kaum eine der Ideen, für die der Klinsmann'sche Trainerstab während des "Sommermärchens" gefeiert wurde, war für ihn wirklich neu. Mannschafts-Kapitän Markus Baur weiß die Arbeit des Bundestrainers seit dessen Amtsantritt im Januar 1997 zu schätzen: "Wir haben immer gelächelt, als diese Berichte von den ungewöhnlichen Trainingsmethoden der Fußballer kamen. Das machen wir doch schon seit vier, fünf Jahren."

"Positiv mit Druck umgehen"

Gleichwohl würde Brand die Begeisterung, mit der Ballack und Co. auftraten, liebend gern auf sein Team übertragen. Aus seiner Wertschätzung für die Auftritte der DFB-Elf macht er keinen Hehl: "Sie hat sich als Einheit präsentiert, auch außerhalb des Fußballs. Und sie hat gezeigt, wie positiv man mit dem Druck umgehen kann, der bei einer WM im eigenen Land auf allen Beteiligten lastet."

Der 54 Jahre alte Weltmeister von 1978 geht mit gutem Beispiel voran. Ungeachtet der Personalmisere in seinem Kader bemüht er sich wenige Tage vor dem Turnierbeginn um gute Laune: "Natürlich ist es nicht ideal, wenn man die Rangliste mit verletzten Spielen mal wieder anführt. Aber es hilft kein Jammern."

Brand hält sich mit Kritik zurück

Um die Stimmung kurz vor der ersten WM im eigenen Land seit 25 Jahren nicht zu stören, hält er sich mit Kritik an einer zu hohen Belastung der Nationalspieler in den Vereinen zurück: "Es ist nahe liegend, dieses Argument anzuführen. Aber es ist in der Vergangenheit oft missbraucht worden." Als Pragmatiker konzentriert er sich lieber auf die Suche nach personellen Alternativen. So wie er es all die Jahre getan hat, in denen er wie kein anderer Nationalcoach vom Verletzungspech seiner Leistungsträger heimgesucht wurde.

Der Blick geht nach vorn, nur selten zurück. Von den guten alten Zeiten, als er mit dem VfL Gummersbach europäische Titel und mit der Nationalmannschaft die Weltmeisterschaft gewann, redet er in der Öffentlichkeit nur auf Nachfrage. Ob er seinen Spielern schon die TV- Bilder vom WM-Triumph 1978 in Kopenhagen gezeigt habe, wurde er zuletzt oft gefragt. Damit würde er sie nur abschrecken, hat Brand stets geantwortet, schließlich sei der Handball seither viel schneller und dynamischer geworden.

Kein Selbstdarsteller

Ein Selbstdarsteller ist er nie gewesen. Die TV-Bilder wie nach dem EM-Sieg 2004 in Slowenien, als er sich auf Geheiß der Mannschaft den Schnurrbart abrasieren ließ, wirkten irgendwie befremdlich. Richtig wohl hat er sich dabei ohnehin nicht gefühlt. Das ist ein Grund dafür, warum der Schnäuzer diesmal auch im Fall eines Endspielsieges am 4. Februar in Köln nicht fallen wird. "Diese Geschichte würde sich andernfalls nur wiederholen. Außerdem weiß ich doch jetzt, wie ich ohne Bart aussehe."

Heinz Büse/DPA / DPA

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