Hockey-WM "Wir sind bestens gewappnet"


Jürgen Klinsmann wollte ihn zum Sportdirektor machen, der DFB lehnte ab. Im stern.de-Interview spricht Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters über Fußball und über die Chancen seines Teams bei der am Mittwoch beginnenden WM in Deutschland.

Herr Peters, jetzt so kurz vor dem Start der WM, beschreiben sie doch mal ihren momentanen Gemütszustand?

Der ist immer indifferent vor so einem großen Turnier. Da gehen einem 1000 Gedanken durch den Kopf. Ich frage mich ständig selber, ob ich alles erledigt habe und wir gut vorbereitet sind. Und ich kann sagen: Ja, das sind wir ganz sicher. Wir sind gewappnet für die WM. Natürlich bin ich angespannt, aber das ist nicht ungewöhnlich in dieser Phase.

Die Hockey-WM findet in Deutschland statt, es wurde extra ein neues Stadion für 14.000 Fans gebaut. Welche Chancen bietet diese WM für Deutschland und für das Hockey?

Das ist für unseren Sport sicherlich eine einmalige Gelegenheit, sich zu präsentieren. Es ist eine ideale Plattform. Die Leute können sehen, wie Hockey in Perfektion gespielt wird. Mit der höchsten Form von Technik und Dramatik, mit Schnelligkeit. Hockey ist ein dynamisches Spiel. Und wenn der Funken auf das Publikum überspringt, dann können wir uns auf eine stimmungsvolle und begeisternde WM freuen.

Kann es so stimmungsvoll werden wie bei der Fußball-WM oder der gerade zu Ende gegangenen Reit-WM?

Auf jeden Fall. Ich hoffe sehr, dass das Wetter ein bisschen mitspielt. Das Hockey-Publikum ist schon von Haus aus begeisterungsfähig. Aber bei der WM erwarte ich noch mal einen Schub. Hier kann eine echte Fan-Kultur heranwachsen, so wie bei der Fußball-WM. Und wo das hinführt, hat man ja im Sommer gesehen. Wir als Heimteam könnten davon natürlich ebenfalls profitieren.

Deutschland geht als Titelverteidiger ins Turnier. Welche Chancen rechnen sie sich mit dieser jungen, umstrukturierten Mannschaft aus?

Genau richtig, wir haben ein gewisses Erfahrungsdefizit. Dieses Defizit müssen wir mit Begeisterung und Leidenschaft ausgleichen. Die Zuschauer werden uns sicher dabei helfen. Nach Athen haben wir eine junge Mannschaft aufgebaut. Jetzt wird sich zeigen, wie gut sie das alles wegstecken wird. Aber ich bin da guten Mutes. Unser Minimalziel heißt Halbfinale!

Kommen wir auf die Vorbereitungsphase zu sprechen. Was die Trainingsintensität-, die -methoden und den -umfang betrifft, ist Hockey anderen Sportarten weit voraus. Was kann zum Beispiel der Fußball vom Hockey diesbezüglich noch lernen?

Es gibt einige Sachen, die man sogar voneinander lernen kann. In einem Bereich sind wir dem Fußball aber ganz sicher ein kleines Stückchen voraus. Dann nämlich, wenn es um Begeisterungsfähigkeit, Emotionalität und Teamwork geht. Es muss eine echte Mannschaft auf dem Platz stehen. Wir sind so eine!

Sprechen wir weiter über Fußball. Im Winter wurden sie von Jürgen Klinsmann als Sportdirektor beim DFB ins Gespräch gebracht. Waren sie enttäuscht darüber, wie wenig Mut man beim Verband hatte, einen so ausgewiesenen Fachmann wie Sie nicht ans Ruder zu lassen?

Das war schon eine große Enttäuschung für mich. Ich hätte den Job gerne gemacht. Aber das ist jetzt alles Schnee von gestern. Ich beschäftige mich jetzt nur mit der WM und dann sehen wir weiter.

Hat der Rücktritt Klinsmanns vielleicht sogar auch damit zu tun, dass er sie nicht als Sportdirektor durchdrücken konnte?

Das hängt sicher damit zusammen. Ist aber nur ein Grund von vielen. Was letztendlich den Ausschlag für seinen Rücktritt gegebenen hat, weiß ich nicht. Aber diese Sache spielte in seine Entscheidung auf jeden Fall mit rein.

Nach der WM wechseln sie nun dennoch ins Lager der Fußballer. Sie gehen als Sportdirektor zum Regionalligisten TuS Hoffenheim und verstärken das Team von Trainer Ralf Rangnick. Warum tun sie sich das an?

Das ist doch eine prima Ausgangsposition. Ich wollte unbedingt etwas Neues machen und die Sportart wechseln. Jetzt fangen wir in der dritten Liga an. Das ist etwas, was mich unwahrscheinlich herausfordert. Wir wollen Hoffenheim ja nach oben führen.

Bleiben Sie dem Hockey-Sport in irgendeiner trotzdem Form erhalten? Man kann sich Bernhard Peters ohne Hockey kaum vorstellen.

Ich werde immer aktive Lobbyarbeit für den Hockeysport betreiben. Hockey ist meine Leidenschaft. Diesen Sport werde ich immer lieben.

Das Interview führte Klaus Bellstedt


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