Hockey-WM Furioser Endspurt zum Titel


Nach 38 der insgesamt 70 Spielminuten hätte wohl niemand mehr auf Deutschland gesetzt: 1:3 lag der Gastgeber gegen starke Australier hinten. Dann passierte das Unglaubliche.
Von Nico Stankewitz, Mönchengladbach

Die Hausherren drehten im bemerkenswertesten Schlussspurt der WM-Geschichte innerhalb von acht Minuten das Spiel noch und sicherten sich mit 4:3 den zweiten Weltmeistertitel. Danach kannte die Begeisterung unter den Hockeyfans keine Grenzen mehr, der Titelgewinn wurde ausgelassen bejubelt und bis tief in die Nacht gefeiert.

Deutschland gewann mit viel Engagement und Herzblut den Titel, angeführt von dem überragenden Einzelspieler dieser Weltmeisterschaft, dem erst 22-jährigen Münchner Christopher Zeller, der mit zwei feinen Alleingängen das erste und das vierte Tor für die deutsche Mannschaft erzielte. Das Team machte mit dem begeisternden Finish auch die eher durchwachsenen Leistungen im Laufe des Turniers vergessen, die im peinlichen "Nichtangriffspakt" mit Südkorea am vergangenen Mittwoch ihren Tiefpunkt erreicht hatten.

Mission Klinsmann erfüllt

Olympiasieger Australien musste nach den schweren Ausfällen von Innenverteidiger Matthew Wells und Haupt-Eckenschütze Grant Schubert im Vorfeld noch eine weitere herbe Schwächung hinnehmen: Ihr Topstar Jamie Dwyer, der Welthockey-Spieler von 2004, fehlte wegen einer Oberschenkelverletzung aus dem Halbfinale ausgerechnet im Endspiel. Neben dem überragenden Christopher Zeller (18./54./Münchner SC) erzielten Moritz Fürste (46./UHC Hamburg) und Björn Emmerling (49./Kickers Stuttgart) die frenetisch bejubelten Tore für Deutschland. Für die lange bärenstarken Australier trafen Mark Knowles (19.), Matthew Naylor (26.) und Troy Elder (38.). Platz drei sicherte sich Europameister Spanien im "kleinen Finale" durch ein 3:2 (2:2, 1:0) nach Verlängerung über Südkorea.

Man konnte als einer der 12.000 restlos begeisterten Zuschauer in Mönchengladbach leicht das Gefühl bekommen, die "Mission Klinsmann" wäre erst jetzt, gut zwei Monate nach dem Ende der Fußball-Weltmeisterschaft erfolgreich zu Ende gebracht worden. Bernhard Peters, Herren-Bundestrainer des Deutschen Hockey-Bundes (DHB) war in der zweijährigen Amtszeit von Klinsmann eine Art Mentor des Fußball-Bundestrainers, gab Impulse für Klinsmanns Arbeit in Bereichen wie Psychologie, Athletiktraining, Videoanalyse oder individualisierte Trainingsplanung. Mit ähnlichen Konzepten wie Klinsmann formte Peters sein Team für die Titelverteidigung bei der Heim-WM, eine junge, begeisterungsfähige Mannschaft, getragen von den frenetischen Anfeuerungen ihrer Fans.

Peters nach Hoffenheim

Es gelang, das Team konnte - obwohl nicht unbedingt die beste Mannschaft des Turniers - in den entscheidenden Momenten über sich hinauswachsen und die mentale Stärke, den Teamgeist und die Begeisterung der Fans nutzen, um Schwächen zu kaschieren. An seinem letzten Arbeitstag gelang Bernhard Peters zum zweiten Mal der Gewinn des Weltmeistertitels, hinzu kommt die olympische Bronzemedaille von Athen - keine schlechte Bilanz der sechsjährigen Amtszeit des Bundestrainers, der zuvor 15 Jahre im Jugendbereich beim DHB tätig war und zukünftig in Hoffenheim als Sportdirektor im Fußball seine Fähigkeiten zeigen wird. Als Nachfolger von Peters sind neben Damen-Bundestrainer Markus Weise auch zwei australische Toptrainer im Gespräch. Die Entscheidung über diese wichtige Weichenstellung im deutschen Hockey wird aber erst im Oktober fallen.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker