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Hymnen-Panne bei Kanu-WM: Misstöne bei der Siegerehrung

Peinlich, peinlich: Bei der Siegerehrung deutscher Athleten haben die Organisatoren der Kanu-WM in Ungarn die falsche Hymne eingespielt: Statt "Einigkeit und Recht und Freiheit" erklang auf einmal: "Deutschland, Deutschland über alles".

Es ist die bisher einzige Goldmedaille deutscher Teilnehmer bei der Kanu-WM in Ungarn. Doch bei der Siegerehrung für Anne Knorr und Debora Niche im Kajak-Zweier über 1000 Meter erklang plötzlich die erste Strophe der deutschen Nationalhymne: Anstelle von "Einigkeit und Recht und Freiheit", der dritten und als Hymne anerkannten Strophe, war "Deutschland, Deutschland über alles" zu hören, jene Textpassage, die seit dem Missbrauch durch die Nationalsozialisten geächtet ist. Die beiden jungen Athletinnen aus Leipzig und Berlin blickten auf dem Siegerpodest betreten drein.

"Das war blamabel für die Organisatoren", kommentierte Chef-Bundestrainer Reiner Kießler die Hymnen-Panne. Die Sportler übten sich dagegen in Zurückhaltung: "Davon möchte ich mir die Laune nicht verderben lassen", meinte Niche mit der Medaille um den Hals und dem Blumenstrauß in der Hand. "Es ist ein starkes Ding auf alle Fälle, aber was soll man machen."

Wer hat Schuld an dem Patzer?

Inzwischen haben sich die WM-Organisatoren und Funktionäre des Weltverbandes ICF beim deutschen Kanu-Verband für den Patzer entschuldigt. Die Verbandspräsidenten hätten um Verzeihung gebeten, und vonseiten der ICF sei das Vorkommnis als "unverzeihlicher Fehler" bezeichnet worden, sagte DKV-Präsident Thomas Konietzko am Samstag im ungarischen Szeged. "Ich habe die Entschuldigung akzeptiert. Wir unterstellen keinen Vorsatz. Ich denke, damit sollte die Diskussion dann auch beendet sein."

So ganz ist sie das allerdings nicht, denn es stellt sich weiterhin die Frage, wie es zu dem Patzer kommen konnte. Die ungarischen Organisatoren hatten die Schuld für die Verwechselung von sich gewiesen und behauptet, ein Vertreter der deutschen Mannschaft habe die vorgesehene Tonaufnahme im Vorfeld der Titelkämpfe abgehört. Dies wird jedoch sowohl von Bundestrainer Kießler als auch von Konietzko bestritten: "Bei unseren beiden Besuchen war es aus organisatorischen Gründen nicht möglich, die Hymne zu checken."

be/DPA / DPA

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