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Jessica Long Beinamputierte Top-Schwimmerin wird beleidigt, weil sie einen Behindertenparkplatz nutzt

Jessica Long
Jessica Long bei der Para-Schwimm-WM 2019 in London
© Ralf Kuckuck / Picture Alliance
Jessica Long merkt man kaum an, dass sie keine Beine hat – sie ist jung, fit und eine extrem erfolgreiche Schwimmerin. Dennoch wird sie immer wieder diskriminiert, vor allem bei der Parkplatzsuche.

Als Jessica Long 18 Monate alt war, wurden ihr beide Unterschenkel amputiert. Davon hat sich die US-Amerikanerin auf ihrem Lebensweg aber nicht aufhalten lassen: Sie bekam Prothesen, lernte gehen und wurde sogar zu einer erfolgreichen Athletin. Als Schwimmerin gewann sie insgesamt 13 Goldmedaillen bei den Paralympischen Spielen. Damit ist Long die bisher erfolgreichste Schwimmerin mit Beeinträchtigung.

Und doch: Auch wenn man der 29-Jährigen ihr Handicap nicht sofort anmerkt oder ansieht, leidet sie im Alltag manchmal darunter. Andere Menschen haben offenbar mitunter wenig Verständnis. In einem TikTok-Video hat Jessica Long erzählt, wie eine Frau sie ermahnte, weil sie ihr Auto auf einem Behindertenparkplatz geparkt hatte. Anscheinend ging die Frau davon aus, dass die Sportlerin dazu nicht berechtigt sei – obwohl Long ihr ihren Sonderparkausweis zeigte.

@jessicatatianalong

To the handicap police... be kind! 👏🏼 #amputeelife #fyp

♬ orijinal ses - cagritaner

Sportlerin Jessica Long richtet Appell an die "Behinderten-Polizei"

Jessica Long scheint die Situation nachhaltig frustriert zu haben. "Das passiert oft", sagt sie aufgebracht in dem Video: "Ich wurde als Kind nie gemobbt, und ich hätte nicht gedacht, dass Erwachsene mich mobben würden." Auch als erfolgreiche Sportlerin ist sie in einigen Situation eingeschränkt, weil sie keine Beine hat, erzählt Long: "Ich weiß, ich bin jung, ich lasse es einfach aussehen, aber es ist dennoch schwierig: Meine Prothesen sind schwer, sie tun mir weh, ich habe Schmerzen." Für ihr Umfeld ist das oft nicht zu erkennen.

Deshalb wendet sich Jessica Long an die "Behinderten-Polizei", wie sie die Menschen nennt, die kontrollieren, ob denn nun jemand auf einem Behindertenparkplatz stehen darf oder nicht. "Seid einfach nett", sagt sie. "Ihr müsst nicht wissen, warum jemand auf einem Behindertenparkplatz parkt."

Gehen mit Prothesen ist bei Schnee und Regen besonders schwierig

Für ihr aktuelles Video bekam Long bereits mehr als 800.000 Likes. Vor einigen Monaten schon hatte sie auf ihrem Instagram-Account von ähnlichen Situationen erzählt. "Zwei- bis viermal pro Woche" sei sie mit solchen Kommentaren konfrontiert, schrieb Long dort. Menschen würden sie anschreien und ihr Zettel an die Windschutzscheibe heften. Ein älteres Paar sei ihr sogar einmal bis in den Supermarkt gefolgt, weil es gern den Parkplatz gehabt hätte, den die Schwimmerin gerade nutzte.

Dabei ist Long auf den Behindertenparkplatz angewiesen, besonders bei extremer Witterung. Bei Schnee und Eis sei es schwierig, mit den Prothesen zu gehen: "Wenn ich hinfalle, brauche ich jemanden, der mir aufhilft." Noch schlimmer sei es allerdings bei Regen: "Lasst mich gar nicht erst damit anfangen", schreibt Long. "Man weiß nie, was jemand durchmacht, aber Freundlichkeit gewinnt immer."

Quelle: Jessica Long auf TikTok /Jessica Long auf Instagram

epp

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