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Jürgen Melzer: Ein Bayern-Fan mischt die French Open auf

Die French Open 2010 bleiben das Überraschungsturnier. Nach einem Fünf-Satz-Krimi gegen Novak Djokovic, steht der Österreicher Jürgen Melzer sensationell im Halbfinale. Der Tennis-Crack scheint an die Erfolge seines Lieblings-Fußballklubs anknüpfen zu wollen.

Das österreichische Märchen im Sandkasten von Paris geht dank Stehaufmännchen Jürgen Melzer weiter: Der 29-Jährige stieg bei den French Open wie Phönix aus der Asche und steht nach dem Spiel seines Lebens überraschend im Halbfinale. "Das ist ein historischer Moment und eine Riesen-Genugtuung. Es war eine Schlacht am Ende, aber jetzt ist das Gefühl unbeschreiblich", sagte Melzer nach dem 3:6, 2:6, 6:2, 7:6 (7:3), 6:4-Fünfsatzsieg gegen den an drei gesetzten Serben Novak Djokovic.

Nach dem dritten Matchball wusste Melzer gar nicht, wohin mit seinen Emotionen. Erst verharrte der Weltranglisten-27. nach seiner schier unglaublichen Aufholjagd sekundenlang auf dem Court Suzanne Lenglen, starrte ungläubig ins Publikum und riss dann doch endlich die Arme in die Höhe.

In seinem ersten Grand-Slam-Halbfinale überhaupt trifft Melzer am Freitag auf Turnierfavorit Rafael Nadal. Der Sandplatzkönig hat großen Respekt vor dem Wiener, der als erster Österreicher nach Thomas Muster 1995 das Semifinale eines Major-Turniers erreichte. "Jürgen ist sehr gefährlich und spielt auf einem extrem hohen Niveau", sagte der Spanier.

Im anderen Vorschlussrunden-Duell stehen sich Tomas Berdych (Tschechien) und Robin Söderling gegenüber. Der Schwede hatte am Dienstag Titelverteidiger Roger Federer ausgeschaltet und den 24. Halbfinal-Einzug der Nummer eins bei einem Grand-Slam-Turnier in Folge verhindert.

Die große Aufholjagd des Jürgen Melzer

FC-Bayern-Fan Melzer genoss im Spätherbst seiner Karriere den bislang größten Erfolg - und den Sieg über sich selbst. Mit 0:2 Sätzen und einem Break im dritten Durchgang hatte der Linkshänder mit der umgedrehten Baseballkappe gegen Djokovic bereits zurückgelegen.

"Ich war sehr weit weg vom Semifinale. Aber ich habe mein ganzes Herz zusammengenommen und gekämpft. Es war das Spiel meines Lebens", sagte Melzer. Ein Grand-Slam-Viertelfinale spiele man schließlich nicht jeden Tag, "da kann man nicht einfach so abschenken".

In der Alpenrepublik deutete sich schon eine "Melzer-Mania" an. "Österreichisches Tennisfest in Paris - die Show darf weiter gehen", titelte der Kurier nach dem über vierstündigen Kraftakt von Melzer. "Es ist vollbracht", schrieb Die Presse. Das Match wurde wie bereits der Achtelfinal-Sieg des Wieners live und außerplanmäßig im ORF übertragen.

Melzer mit Glücksbringer

In der Heimat ist Charmeur Melzer bereits Bestandteil des Boulevards, seitdem im vergangenen Jahr seine Liaison mit der österreichischen Weltklasseschwimmerin Mirna Jukic bekannt wurde. Die olympische Bronzemedaillen-Gewinnerin von Peking saß beim Sieg gegen Djokovic in der Box - mit dem gemeinsamen Glücksbringer um dem Hals: An Jukics Kette baumelt Minnie Mouse, Melzer trägt das Gegenstück mit Micky Mouse. "Mirna tut ihm sehr gut. Sie ist oft an seiner Seite. Das gibt ihm ein gutes Gefühl", sagte der deutsche Topspieler und Melzer-Freund Philipp Petzschner über das Austria-Trampaar.

Warum der Knoten auf dem Platz erst jetzt geplatzt ist, darüber kann Spätzünder Melzer nur spekulieren. "Die Qualität war immer da, aber mir hat die Konstanz gefehlt", sagte der Junioren-Wimbledonsieger von 1999, der zuvor bei elf Versuchen kein einziges Mal über die dritte Runde eines Major-Turniers hinausgekommen war.

Ein Knackpunkt war die Verpflichtung des früheren Weltklassespielers Joakim Nyström Ende 2007. Auch dank des schwedischen Coaches hat sich Melzer in der Rangliste stetig verbessert. Bereits jetzt steht fest, dass er in der kommenden Woche erstmals die Top 20 knacken wird. Und auch gegen Nadal rechnet sich Melzer Chancen aus: "Ich muss extrem aggressiv spielen, aber ich bin absoluter Außenseiter."

Bei den Damen steht das Finale schon fest: Die Australierin Samantha Stosur trifft auf Francesca Schiavone aus Italien. Stosur besiegte die Serbin Jelena Jankovic deutlich mit 6:1 und 6:2, Shiavone profitierte von der Aufgabe der Russin Jelena Dementjewa.

SID/dab / SID

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