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Kommentar: Kasse voll - Nase platt

Für eine Kampfbörse von 1,5 Millionen Euro hat sich Kirmesboxer Axel Schulz nach allen Regeln der Kunst vermöbeln lassen. Und damit nicht nur sein Image zerstört, sondern auch den Boxsport beschädigt.

Von Klaus Bellstedt

Die Süddeutsche Zeitung hat ihn als Donald Duck des Boxens bezeichnet. Das war einmal. Axel Schulz hat nach seinem erbärmlichen Auftritt, den nicht nur 12.000 Menschen in der Halle sondern auch unglaubliche 11,53 Millionen Fans am TV verfolgten, sein Image als niedlich dreinschauender Knuddelbär verzockt. Axel Schulz hat das Phänomen "Axel Schulz" selbst zerstört. Das wird den "Weichen Riesen" vielleicht sogar am meisten stören - oder etwa nicht?

So richtig erklären konnte man seine Popularität eh nie. Da wird einer im Ring regelmäßig verkloppt und tingelt als Vorruheständler dennoch mit den höchsten Sympathiewerten durch unzählige Prominenten-Kochshows und Hitparaden-Sendungen seines Haus- und Hofsenders RTL. Der Name 'Schulz' hat gezogen - bis Samstagabend kurz vor Mitternacht. Auch weil seine Glaubwürdigkeit durch den Auftritt als Kirmesboxer empfindlich gelitten hat, wenn nicht sogar zerstört wurde.

Achtung: Maske kommt!

Hat sich der 38-Jährige gewissenhaft vorbereitet? Zweifel sind angebracht. Kann man ihm noch glauben, dass er den Comeback-Fight wirklich wollte? Eher nicht. So bleibt ein mehr als fader Beigeschmack hängen, der in der Vermutung gipfelt, dass es Axel Schulz ausschließlich ums Geld ging. 1,5 Millionen Euro kassiert der Berliner für die Tracht Prügel. Die Bild-Zeitung hat ausgerechnet, dass er dafür 81 Treffer schlucken musste, macht pro Schlag immerhin 18.518 Euro und 52 Cent.

Viel Geld für einen Haufen Hohn und Spott. Bösartige Menschen würden jetzt sagen: Dem Schulz wird’s egal sein. Er hat doch sein Ziel erreicht: die leicht klamme Börse ist auf einen Schlag wieder prall gefüllt. Und der Zuschauer bleibt enttäuscht und verarscht im Sofasessel oder auf der Tribüne zurück. Die wirklich gute Nachricht dieser Nacht, dass Axel Schulz nämlich nie wieder zurück in den Ring kehren wird, konnte darüber nur schwer hinwegtrösten. Zumal neues Ungemach droht: Im März will der 42-jährige Henry Maske sein Comeback geben. Und es drängt sich der Verdacht auf, dass da das Profi-Boxen endgültig k.o. geht.

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