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Kommentar

Debatte um Ranking: Wie "heiß" darf eine Sportmoderatorin sein?

Laura Wontorra wird zur "heißesten" Sportmoderatorin gewählt - und der Präsident des Verbandes deutscher Sportjournalisten muss sich rechtfertigen. Dabei liegt es in der Natur des Mediums Fernsehen, dass Aussehen eine Rolle spielt.

Laura Wontorra und Vanessa Huppenkothen

Wurden in Umfragen zur "heißesten" Sportmoderatorin Deutschlands und zur "schönsten Reporterin" der Fußball-WM gewählt: Laura Wontorra (dunkle Haare) und Vanessa Huppenkothen aus Mexiko

Der Verband der deutschen Sportjournalisten (VDS) hätte es wissen müssen. Da wird Laura Wontorra in der Umfrage eines Meinungsforschungsinstituts zur "heißesten" Sportmoderatorin des Landes gewählt, das Mitgliedermagazin des VDS vermeldet das Ergebnis. Und prompt entbrennt im Verband ein Sexismus-Streit. Die erste Journalistin hat ihre Mitgliedschaft gekündigt, und Verbandspräsident Erich Laaser muss sich rechtfertigen: Ist "heiß" wirklich ein journalistisches Qualitätsmerkmal? Ist so eine Nachricht nicht eine Provokation?

Die Debatte ist so alt wie scheinheilig: Natürlich spielt für Laaser die Optik von Menschen für die Bewertung ihrer Arbeit "nicht die geringste Rolle". Wenn man sie darauf reduziere, würden sie wahrscheinlich nicht lange in dem Beruf bleiben, sagt er dem Deutschlandfunk. Es sei nichts verwerfliches daran, wenn Menschen - egal ob Frauen oder Männer - aus ihrer Optik etwas machen.

Ein Radiogesicht gehört nicht unbedingt ins Fernsehen

So weit, so richtig - man kann es aber ruhig noch deutlicher formulieren: Es liegt in der Natur des Mediums Fernsehen, dass das Aussehen der Moderatoren eben auch eine Rolle spielt. Nicht umsonst wird in der Rundfunkbranche der Begriff "Radiogesicht" verwendet, unter dem man sich auch als Fachfremder etwas vorstellen kann. Kurz gesagt: Ein Radiogesicht gehört nicht unbedingt ins Fernsehen. Denn das Auge, äh, guckt mit.

Machen wir uns also unter ästhetischen Gesichtspunkten nichts vor: Solange Sport1 die Wahl hat zwischen Laura Wontorra und einem fachlich ebenbürtigen 50-jährigen Oberlippenbartträger mit Doppelkinn, wären die Senderverantwortlichen doch mit dem Klammerbeutel gepudert, würden sie in so einem Fall Alter vor Schönheit gelten lassen.

Laura Wontorra & Co.: Kompetenz bleibt entscheidend

Ganz abgesehen davon, dass auch unter den "heißen" Moderatoren die Kompetenz ganz offensichtlich das entscheidende Kriterium bleibt - so souverän wie beispielsweise Esther Sedlaczek ihre Interviews am Spielfeldrand abreißt, ist es völlig egal, ob sie vermeintlich heiß, weniger heiß oder gar ein Mann ist.

Apropos Mann: Gibt es eigentlich schon ein entsprechendes Ranking der männlichen Moderatoren? Die Auswahl ist schließlich groß: Alexander Bommes punktet als kecker Schwiegersohn, Thomas Helmer spielt ständig den Charme des selbstironischen Ex-Profis aus, und ausgerechnet der blonde ZDF-Bubi Jochen Breyer verblüfft im Interview mit Pep Guardiola sogar mit perfektem Spanisch ... was für eine Auswahl! Aber wer ist bloß die "heißeste" Plaudertasche unter all den schneidigen Typen? Irgendein Meinungsforschungsinstitut, bitte übernehmen Sie!

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