Leichtathletik WM hat ihren ersten Doping-Fall


Die Leichtathletik-WM in Berlin wird von ihrem ersten Doping-Fall überschattet. Der Marokkaner Jamal Chatbi wurde bei einer Trainingskontrolle am WM-Eröffnungstag positiv getestet. Der Doping-Verdacht gegen einen 100-Meter-Sprinter wurde hingegen entkräftet.

Der erste Doping-Fall hat die 12. Leichtathletik- Weltmeisterschaften in Berlin überschattet. Unmittelbar vor dem Finale über 3.000 Meter Hindernis am Dienstagabend wurde bekannt, dass der Marokkaner Jamal Chatbi bei einer Trainingskontrolle am WM- Eröffnungstag positiv auf das anabole Mittel Clenbuterol getestet worden ist. Der nationale Verband von Marokko bestätigte dies. Der 25-Jährige war am Sonntag im Vorlauf Elfter geworden. Keine Aufklärung wird es bei den jamaikanischen Doping-Fälle vor Ende der WM geben.

Das Berufungsgericht der Anti-Doping-Agentur (JADCO) der Karibikinsel sollte ursprünglich am vergangenen Montag tagen, um über die Freisprüche der fünf bei den nationalen Meisterschaften positiv auf ein Stimulanzmittel getesteten Läufer zu entscheiden. "Das Panel ist nicht zusammengetreten. Die vorgesehenen Richter sind im Urlaub", erklärte Pierre Weiss, Generalsekretär des Weltverbandes IAAF am Dienstag. "So lange wir die Entscheidung nicht haben, können wir sie nicht suspendieren."

Theoretisch könnten damit die des Dopings beschuldigten Yohan Blake, Marvin Anderson, Lansford Spence, Allodin Fothergill und Sheri-Ann Brooks für ihr Land in den Staffel-Wettbewerben eingesetzt werden. Die Vorläufe über 4x100-Meter, für die Anderson und Blake infrage kämen, beginnen am Freitag. Blake gehört dem "Racers Track Club" von Weltmeister Usain Bolt an, der die jamaikanische Staffel bei den Olympischen Spielen 2008 zu Gold und Weltrekord geführt hatte. Die Meldefrist für die Sprint-Staffel bei der WM endet am Donnerstag - allerdings können die Namen bis eine Stunde vor dem Vorlauf angegeben werden.

"Die fünf Athleten sind nicht in Berlin", sagte Weiss. Wenn sie für Jamaika bei der WM an den Start gingen, würde es nachträglich Konsequenzen haben. "Entscheidet das Berufungsgericht, dass sie gedopt haben, werden wir sie disqualifizieren und ihre Medaillen aberkennen", sagte Weiss. "Dann würde Jamaika auch eine mögliche Goldmedaille verlieren." Bei den Peking-Spielen waren Bolt, Asafa Powell, Nesta Carter und Michael Frater zum Olympiasieg gerannt.

Zurückgewiesen hat die IAAF Spekulationen um einen angeblich gedopten Sprinter. "Diese Gerüchte sind ein Witz", sagte Weiss. Die Doping-Proben aller acht Sprinter des 100- Meter-Finals der Männer bei den Weltmeisterschaften in Berlin sind negativ gewesen. Dies teilte der Leichtathletik-Weltverband am Mittwoch mit. "Es gab keinen positiven Test, weder bei einer vorherigen Trainingskontrolle noch nach dem Endkampf", erklärte IAAF-Sprecher Nick Davies der Deutschen Presse-Agentur. Nach dem Fabel-Weltrekord des Jamaikaners Usain Bolt (9,58 Sekunden) am vergangenen Sonntagabend hatte es Gerüchte gegeben, dass ein Final- Teilnehmer in einen Dopingfall verwickelt sein soll.

Bei der WM in Berlin werden mehr als 1.000 Doping-Kontrollen vorgenommen, davon sind rund 600 Bluttests. Analysiert werden die genommenen Proben in den Doping-Analyselabors in Köln und Kreischa. Die Ergebnisse liegen der IAAF in der Regel drei Tage nach der Probennahme vor.

Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Thomas Bach, hält nichts von nicht bewiesenen Anschuldigungen. Er habe den 100-Meter-Weltrekord von Usain Bolt "mit Begeisterung" verfolgt. "Man darf diese Faszination nicht mit einem Generalverdacht ersticken", sagte der Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees in einem Interview mit den Zeitungen der Essener WAZ-Gruppe.

Auch der Sportartikelhersteller Puma nimmt den dreimaligen Olympiasieger Bolt vor Doping-Verdächtigungen in Schutz. "Usain hat gesagt, Jamaika würde ihn hassen, wenn er gedopt wäre. Das spricht für sich", sagte Puma-Vorstandsvorsitzender Jochen Zeitz in einem Interview mit dem Berliner "Tagesspiegel". "Natürlich soll man niemals nie sagen; und sollte es dennoch passieren, passiert es eben." In Deutschland beobachte er eine Aufgeregtheit beim Thema Doping, die manchmal sogar zu einer Vorverurteilung führe, die es so in anderen Ländern nicht gebe. "Er ist ein absoluter Ausnahmeläufer, wie ihn die Leichtathletik lange nicht erlebt hat", sagte Zeitz.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker