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Leichtathletik-WM in Helsinki: Unger und Bolm stürmen in die Finals

Unbeeindruckt von Wind und Wetter sind die Sprinter Kirsten Bolm und Tobias Unger bei der Leichtathletik-WM in die Finals gestürmt. Unger fordert nun im Endlauf vier Amerikaner heraus.

Die Hürdenspezialistin und der 200-Meter- Rekordhalter sorgten damit in Helsinki für Lichtblicke an einem Tag, an dem einige deutsche Athleten im Regen standen. "Ich habe morgen nichts mehr zu verlieren und kann locker rangehen. Ich denke, dass ich um die Plätze fünf und sechs kämpfen werde", sagte der Schwabe Unger. Der Olympia-Siebte fordert nun im Endlauf an diesem Donnerstag vier Amerikaner heraus.

Tonique Williams-Darling ist schnellste Frau der Welt

Über die Stadionrunde ist Tonique Williams-Darling die schnellste Frau der Welt. Die Olympiasiegerin von den Bahamas entthronte auf den 400 Metern Titelverteidigerin Ana Guevara aus Mexiko, der nur Bronze blieb, und siegte in 49,55 Sekunden vor der Amerikanerin Sanja Richards.

Die Mannheimerin Bolm kam als Zweite ihres Halbfinals in 12,95 Sekunden sicher weiter, obwohl sie bei Temperaturen um die 15 Grad ordentlich zitterte. "Ich hatte furchtbar Angst beim Start. Es war schweinekalt", sagte sie. Mit Perdita Felicien aus Kanada muss sie nicht mehr rechnen: Die Titelverteidigerin schied aus. Während Unger jubelte, war sein Disziplinkollege Sebastian Ernst nur noch Zuschauer. Der Schalker scheiterte im Zwischenlauf in schwachen 21,54 Sekunden.

Friedek lässt Frust ab

Am Tag nach dem Wolkenbruch hat Dreispringer Charles Friedek für ein neues WM-Tief im Olympiastadion gesorgt. Der Leverkusener fiel wieder einmal aus - und anschließend aus der Rolle. "Ihr wollt mich nur wieder fertig machen. Aber ich halte meinen Arsch gerne hin", sagte der 33-Jährige und lud seinen Frust mit harschen Worten bei den Medien ab. Die Schuld am kläglichen Aus trug der Weltmeister von 1999 aber allein. Mit 15,75 Meter hatte er seinen besten Versuch in den Sand gesetzt. Zu allem Übel zog er sich beim letzten Sprung auch noch einen Innenbandriss im linken Knöchel zu.

Hürdensprinter Thomas Blaschek hatte seine Teamkollegen zum Auftakt des fünften Wettkampftages mit einem starken Rennen motiviert. Der 24 Jahre alte Leipziger kämpfte nicht nur erfolgreich gegen den starken Wind von 5,1 m/Sek. an, er besiegte sogar den verdutzten viermaligen Weltmeister Allen Johnson (USA) und zog in 13,86 Sekunden sicher ins Halbfinale ein. Claudia Marx erfüllte ebenfalls ihre Pflichtaufgabe. Die Erfurterin wurde im Vorlauf über 400 Meter Hürden zwar nur Fünfte ihres Vorlaufs, kam aber über die Zeit von 56,60 Sekunden in die Zwischenrunde.

"Wichtiger als Medaillen zählen"

Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) sah sich zur WM-Halbzeit auf dem Weg der Besserung. "Es ist der Trend zu einer positiven Entwicklung zu sehen, da bisher fast alle Athleten ihre Saisonbestleistung gezeigt haben", bilanzierte DLV-Präsident Clemens Prokop am Mittwoch: "Das ist perspektivisch wichtiger als Medaillen zählen."

Chef-Bundestrainer Jürgen Mallow lieferte die Fakten zur Zwischenbilanz: "Von 25 angetretenen Athleten sind ganze vier in der ersten Runde ausgeschieden." Danach erhöhten aber Friedek und die Frankfurter Hammerwerferinnen Betty Heidler und Kathrin Klaas die Ausfall-Quote. Klaas blieb in der Qualifikation ohne gültigen Versuch. Die Olympia-Vierte und deutsche Meisterin Betty Heidler kam nach zwei Fehlversuchen nur auf 61,91 Meter. Sie blieb bei schwierigen Windbedingungen deutlich hinter ihrer Bestleistung von 72,73 zurück. Wenigstens die Frankfurterin Susanne Keil ist bei der Entscheidung noch dabei.

Ulrike John und Ralf Jarkowski, DPA

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