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Leichtathletik-WM: Wasserschlacht von Helsinki

Zuerst gab es Chaos bei den Stabhochspringern, dann hat ein Orkan über Helsinki Zuschauer und Athleten aus dem Stadion getrieben.

Das Diskusfinale der Frauen wurde auf Donnerstag verlegt, die Dreisprung-Qualifikation der Männer sowie die 200-Meter-Zwischenläufe mit Tobias Unger und Sebastian Ernst auf Mittwoch verschoben. "Die Athleten müssen sich darauf einstellen", sagte Jürgen Mallow, der Leitende Bundestrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). "Sie sind nicht im Nachteil, weil für alle das Gleiche gilt."

Drei von vier Entscheidungen des vierten Wettkampftages konnten nach fast zweistündiger Verspätung noch durchgezogen werden. Seinen WM-Titel über 3000 Meter Hindernis verteidigte der gebürtige Kenianer Saif Saaeed Shaheen (Katar) in 8:13,31 Minuten. Über 800 m der Frauen gewann die Kubanerin Zulia Calatayud (1:58,82) ihren ersten großen Titel. Gold über 400 m Hindernis der Männer holte sich der Amerikaner Bershawn Jackson in erstklassigen 47,30 Sekunden - kurz vor dem Start hatte wieder Regen eingesetzt.

"Schwabenpfeil Unger weiter

Am Vormittag war der Himmel über Helsinki noch freundlich. Licht und Schatten gab es allerdings für das DLV-Team, vier Athleten überstanden ihren Vorkampf nicht. "Schwabenpfeil" Unger entledigte sich der Vorlauf-Pflicht indes ohne Mühe. Der Sprinter vom LAZ Kornwestheim/Ludwigsburg lief in goldenen Schuhen als Vorlauf-Erster über 200 Meter in 20,45 Sekunden souverän ins Viertelfinale.

"Jetzt bin ich in Helsinki angekommen", sagte der deutsche Rekordhalter. In die nächste Runde zog auch sein 200-m- Mitstreiter Sebastian Ernst (Schalke 04) ein. Hürdensprinterin Kirsten Bolm (Mannheim) zog mühelos ins Halbfinale ein. Der deutsche 400-m-Meister Simon Kirch aus Saarbrücken schied dagegen im Vorlauf aus. Den Endkampf im Speerwurf hat der Rostocker Mark Frank erreicht; für den Wattenscheider Christian Nicolay kam dagegen das Aus.

Murks beim Stabhochsprung Erhebliche Aufregung gab es in der Stabhochsprung-Qualifikation, nachdem die Halterung am Ständer, auf der die Stange aufliegt, abgebrochen war. Daraufhin konnte nur auf einer Anlage weitergesprungen werden. Wegen des Handicaps wurde auch die Qualifikations-Höhe von 5,75 auf 5,60 Meter reduziert, was für den ehemaligen Hallen-Weltmeister Tim Lobinger zum Vorteil wurde. "So eine leichte Qualifikation gab es selten für mich", sagte der Kölner, der 5,60 m locker wuppte.

Nichts genützt hat Lars Börgeling (Leverkusen) die unverhoffte Reduzierung der Final-Norm: Er scheiterte an seiner Anfangshöhe von 5,45 m. "Mir fehlen einfach die Worte. Das es so enden würde, hätte ich nicht gedacht", meinte Börgeling. Sein Vereinskollege Danny Eckert meisterte bei schwierigen Windverhältnissen wenigstens 5,45 m und begleitet Lobinger am Mittwochabend in den Endkampf.

Sebrle weiter in Führung

Zehnkampf-König Roman Sebrle hat bei den 10. Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Helsinki sein erstes WM-Gold im Visier. Der 30 Jahre alte Olympiasieger aus Tschechien lag am Dienstagabend zur Halbzeit mit 4513 Punkten allerdings noch mit 14 Zählern Rückstand hinter seinem Freund und Trainingspartner Bryan Clay (USA). Nach den fünf Disziplinen 100 Meter, Weitsprung, Kugelstoßen, Hochsprung und 400 m muss sich Weltrekordler Sebrle nun auf seinen starken zweiten Tag verlassen. Halbzeit-Dritter war der Este Kristjan Rahnu (4404).

Der Wolkenbruch im Olympiastadion von 1952 traf auch die starken Männer unverhofft; nach knapp zwei Stunden Zwangspause waren endlich die besten Hochspringer der B-Gruppe an der Reihe. In dieser Disziplin hatte Weltrekordler Sebrle noch vor dem Unwetter mit 2,06 m seinen fünf Jahre jüngeren Rivalen Clay überholt: Der über 100 Meter besser gestartete Olympia-Zweite schaffte nur zwei Meter. Ende Mai hatte sich der Amerikaner bei seinem Auftritt im Zehnkampf-Mekka Götzis einen Rippenbruch zugezogen.

Der Berliner André Niklaus schlug sich tapfer, bei Halbzeit war der einzige deutsche Zehnkämpfer mit 4130 Punkten Zwölfter. Der 23 Jahre alte Sportsoldat peilt wie bei der WM 2003 in Paris Platz acht an und hat sich 8200 Punkte vorgenommen - immerhin sieben Zähler über seiner Bestleistung.

Nach zwei Fehlstarts im 100-m-Lauf war Medaillenkandidat Dmitri Karpow aus Kasachstan überraschend ausgeschieden. Titelverteidiger Tom Pappas (USA) ist nicht am Start.

Ralf Jarkowski, Andreas Schirmer/DPA

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