Im Ally Pally, dem Zentrum des Darts-Sports, wird es regelmäßig laut. Der Lärmpegel bei den Spielen von Weltmeister Luke Littler hat dennoch etwas Besonderes: Der Titelverteidiger muss sich bei der Darts-WM regelmäßig Pfiffe und Buhrufe anhören, wenn er zu den Pfeilen greift.
Lange galt der 18-Jährige als Sympathieträger des aufstrebenden Sports. Ein pausbäckiger, leicht molliger Brite, bodenständig und authentisch. Dazu ein sportliches Wunderkind, das im vergangenen Jahr mit 17 als jüngster Darts-Spieler der Geschichte den Weltmeistertitel gewann. Doch dieses Image bekommt nun Risse.
Darts-WM: Luke Littler bedankt sich für Buhrufe
Der Zwist zwischen Littler und dem Publikum begann im Achtelfinale: Da traf der 18-Jährige auf den Ex-Weltmeister Rob Cross – und wurde von vielen der 3000 Zuschauer mit lautstarken Unmutsbekundungen bedacht. Littler selbst legte sich während des Matches immer wieder mit dem Publikum an, gewann die Partie schließlich und goss anschließend noch Öl ins Feuer.
Im Interview mit dem britischen Sender Sky Sports wandte er sich von der Bühne direkt an die Fans: "Ihr bezahlt für Tickets und ihr bezahlt mein Preisgeld. Danke, dass ihr mich ausbuht." Die Pfiffe und Buhrufe würden ihn nicht stören, behauptete er. Eine Provokation gegenüber dem Publikum, die so gar nicht zu seinem sonst eher zurückhaltenden Charakter passte.
Auch im Viertelfinale wurde Littlers Auftritt von einigen Buhrufen begleitet. Der Weltmeister antwortete diesmal mit einem sportlichen Statement, sein 5:0-Sieg gegen den Polen Krzysztof Ratajski war eine Machtdemonstration. Nach wie vor gilt er als ganz großer Favorit auf den Titel.
Aus dem beliebten Teenager wird ein Provokateur
Littler steht weiterhin zu seinen Worten: "Ich habe gesagt, was ich gesagt habe. Ich wollte es letztes Jahr irgendwann sagen, aber die Fans haben für die Tickets bezahlt und sie bezahlen so ziemlich auch unser Preisgeld. Also ja, ich bereue nichts", sagte er Sky Sports vor dem Viertelfinale. Rund um das Match zeigte er sich wieder versöhnlich, schrieb Autogramme und ignorierte die Buhrufe demonstrativ.
Dennoch: Die Aussagen gegenüber den Fans lassen sich nicht mehr zurückholen, Littlers Image dürfte sich dadurch nachhaltig verändern. Aus dem Teenager sei ein Mann geworden, schreibt die britische Zeitung "Guardian", und attestiert Littler sogar eine Wandlung zum "Bösewicht". Der deutsche Darts-Profi unterstellte ihm bei DAZN einen "kleinen Arroganz-Anfall": "Du kannst doch nicht die Leute anmaulen, die dein Geld bezahlen. Er darf nicht vergessen, wo er herkommt."
Britische Medien spekulieren, dass es deutsche Fans gewesen sein könnten, die Littler im Alexandra Palace so zur Weißglut getrieben haben. Der Weltmeister wurde im vergangenen Jahr bereits bei Auftritten in Berlin und Frankfurt ausgepfiffen. Schon damals hatte sich Littler unzufrieden mit dem Verhalten des Publikums gezeigt. "Anscheinend mögen die Deutschen uns Engländer nicht", sagte er. In Deutschland spielt der Weltranglistenerste seitdem nur noch selten.
Woher die Buhrufe bei der Weltmeisterschaft kamen, konnte er nicht genau ausmachen: "Ich weiß nicht, wer das war. Leute auf der Tribüne, ein paar Tische vorne. Ich musste nur damit klarkommen."
Quellen: Sky Sports, "Guardian", Darts News