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Mehr Sport: Die Juliane Schenk-Kolumne 2011/12 - Teil 1

Mit hohen Erwartungen war Juliane Schenk zur Badminton-WM nach London gefahren, dort, wo im Sommer auch die Olympischen Spiele ausgetragen werden - die Generalprobe lief mit Bronze gut. In Ihrer Kolumne auf sportal.de beschreibt sie, was seitdem so alles passiert ist und wie ihr Weg zur Mission olympisches Gold verläuft.

Hallo Leute,

viel ist passiert, seit ich bei der WM in London die Bronzemedaille gewonnen habe. Den schönsten Tag meiner bisherigen Sportlerkarriere habe ich dabei mit einem lachenden und einem weinenden Auge erlebt. Damit meine ich natürlich die Siegerehrung.

Nicht die Enttäuschung über Bronze hat diesen besonderen Tag überschattet, sondern viel mehr die Tatsache, dass in letzter Konsequenz noch nicht alle Voraussetzungen gegeben sind, um den ganz großen Erfolg zu erzielen - nämlich die uneingeschränkte Selbstbestimmung, doch dazu später mehr.

Wenn mit dieser Medaille eine Aussage verbunden ist, dann die Folgende: Es kommt nicht auf die Medaille an, sondern auf die Emotion, mit der die sportliche Leistung vollzogen wird, um sich als wahrer Gewinner zu fühlen. Dass diese WM nicht eine von vielen sein würde, war schon dadurch gegeben, dass die Austragungsstätte Wembley Arena eine ganz Besondere ist und ein Jahr vor Olympia so oder so mein Jahreshighlight darstellte.

Diese altehrwürdige Sportstätte wird 2012 beim olympischen Badmintonturnier weltweit im Blickpunkt sein, wenn es um die Vergabe der Medaillen geht. Für mich also die einmalige Möglichkeit, mit der olympischen Spielstätte auf Tuchfühlung zu gehen.

Im Vorfeld der WM habe ich nach einer durchaus erkenntnisreichen Asientour (Thailand, Singapur, Indonesien), bei der ich etliche Spiele auf Topniveau hatte, eine Woche lang ein Seminar zum Thema Mentalcoaching in Österreich besucht, das meine bislang gewonnenen Einblicke und Erfahrungen noch einmal verstärkt hat, ehe es dann in eine vierwöchige Trainingsphase ging.

Während der Vorbereitung und auch in England hatte ich Gaby Frey an meiner Seite. Sie ist mein persönlicher Coach und Mentor. Die von ihr speziell auf mich zugeschnittene Spielvorbereitung und Betreuung in allen Bereichen während des Turniers ist für mich ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg. Um diese optimale Betreuung zu realisieren war jedoch meine Eigeninitiative erforderlich, denn der DBV konnte lediglich die Akkreditierung meiner Mentaltrainerin ermöglichen.

Aus diesem und keinem anderen Grund kam es dazu, dass ich während des Turniers in einem Londoner Appartement jenseits des vom DBV organisierten Mannschaftshotels wohnte und somit in der Tat ein Stück weit meinen eigenen Weg gegangen bin. Der erste Prüfstein aus sportlicher Sicht kam in Runde eins.

Eine Indonesierin, Lindaweni Fanetri, verlangte mir bereits alles ab, aber ich habe immer wieder zu meiner Stärke gefunden und konnte dem latenten inneren Druck mit konstanter Siegermentalität begegnen. So waren wir glücklich über einen gelungenen Turnierauftakt, bei dem ich die eine oder andere Neuerung seitens der Spielvorbereitung für goldrichtig empfunden habe.

Im Achtelfinale gab es ein Wiedersehen mit Yanjiao Jiang gegen die ich eine ausgeglichene Bilanz von zwei Siegen und zwei Niederlagen hatte. Ein langes Match über drei Sätze führte mich mit einem 21:14/7:21/21:17 Sieg und vollem Einsatz weiter in Richtung Ziel: WM Medaille. Dazu bedurfte es nur noch eines Sieges – und das in der Neuauflage des EM-Finales 2010 gegen Tine Baun.

Nach nicht einmal 30 Minuten stand das 21:9/21:11 und unter dem Jubel zahlreicher mitgereister Deutscher Fans und einem fantastischen Match mit Weltklasse-Leistung war ich die strahlende Siegerin. Mit mir die drei Farben Schwarz Rot Gold, die ich jetzt am Liebsten in Form einer gehissten Fahne als krönenden Abschluss in die Geschichte eingehen sehen wollte.

Allerdings gab es am Tag des Halbfinalspiels eine für mich entscheidende Veränderung. Die neue Lage der Spielfelder gewährte mir keinen Blickkontakt zu meiner Mentaltrainerin. Leider konnte ich diese, sich für mich nicht stimmig anfühlende Situation, nicht verändern und diese Unstimmigkeit wirkte sich dann fatal auf mein Leistungsvermögen aus.

Es kam der Bruch, der deutlicher nicht sein konnte und das so nah am Ziel: aus der Traum vom Finale! Hier schließt sich der Kreis, wo ich mit meinem Bericht begonnen habe. Die optimalen Voraussetzungen waren eben noch nicht alle auf den Punkt da bzw. an ihrem für mich rechten Platz.

Dennoch trage ich viele unvergesslich schöne Momente, Augenblicke und Emotionen fest in meinem Herzen, die mich immer wieder an diese besondere Woche zurückerinnern lassen.

Große Siege sind nur möglich in Verbindung mit großartigen Fans, Freunden, Kollegen, Trainern und Vorbildern! Von daher auch von dieser Stelle nochmals vielen Dank an Euch. Und einen großen Sieg soll es nun im nächsten Jahr geben, wenn ich an den Ort der Bronzemedaille zurückkehre. Deswegen habe ich mit überlegt, eine Art "Road to Olympia“-Blog auf sportal.de zu schreiben und Euch in regelmäßigen Abständen über meine Vorbereitung auf dem Weg dahin zu berichten.

Nach der WM gab es so unheimlich viele Termine, dass ich erst jetzt dazu komme, mit meinem Blog zu beginnen. Direkt nach der WM dauerte es ein paar Tage, die Eindrücke und das Erlebte zu verarbeiten. Allerdings warteten dann eben neue Aufgaben auf mich. Der Beginn der 1.Badmintonbundesliga stand u.a. Ende August an. Jetzt galt es wieder neben den vielen internationalen Wettkämpfen weitere Termine unter einen Hut zu bringen.

Aufgrund der Olympiaqualifikation gibt es ohnehin wenig echte Verschnaufpausen, so dass auch ich mich schon wieder Mitte September auf weiteren Topturnieren in China und Japan sah. Super zufrieden konnte ich mit dem Abschneiden beider Turniere sein, denn meine Hoffnungen haben sich bestätigt, meine WM-Form weiter abrufen zu können.

Unter´m Strich gab es für mich bei den China Open eine Top 8 Platzierung, wo ich u.a. die Vizeweltmeisterin aus Taiwan geschlagen habe, gegen die ich bei der WM noch das Nachsehen hatte, und den ersten Finaleinzug eines Super Series Turniers in Tokio bei den Japan Open. Fantastisch.

Groß war die Freude nicht nur über erneute Topleistungen, mindestens genauso freute ich mich auf den diesjährigen Champion des Jahres. Durch meine WM-Medaille habe ich, wie ca. 80 weitere Sportler, die Einladung von der Deutschen Sporthilfe sowie Robinson erhalten, eine Woche lang an der türkischen Riveira das Sportjahr 2010-2011 Revue passieren zu lassen und zu feiern.

Eine gigantische Woche, in der es absolut an nichts gefehlt hat. Getreu dem Motto: vergiss alle Weltranglistenpunkte und Turniersiege, man sollte alles daran setzen, die Qualifikationskriterien für dieses Event zu erfüllen. Hierfür lohnt sich der ganze Einsatz, die Schinderei und Quälerei als Sportler.

Nach der Championswoche folgten einige Trainingstage, bis eine dreiwöchige Europatour auf dem Programm stand: Danish und French Open und die heimischen Bitburger Open. Leider kam ich hier über eine Viertelfinalteilnahme und einen dritten Platz beim Heimturnier nicht hinaus. Man spürt so langsam aber sicher die lange Saison, den Kräfteverschleiß, der Körper wird anfälliger…

Gleichermaßen ging es dann eine Woche später als ich in Hong Kong und Shanghai bei zwei weiteren Superseries Turnieren an den Start ging. Die Auslosungen ließen mich zwei Mal gegen Top 20 Spieler antreten, aber in beiden Spielen hatte ich nicht das glücklichere Ende für mich und unterlag jeweils in drei knappen Sätzen.

Nichtsdestotrotz dieser beiden Erstrundenniederlagen konnte ich mich für das BWF Super Series Finale in Liuzhou vom 14.-18.12.2011 qualifizieren, wo die acht besten Spielerinnen der Rangliste an den Start gehen. Jetzt versuche ich neben Bundesliga und ein paar anderen Terminen wie z.B. der Felix-Award Verleihung Kraft zu tanken um einen gelungenen, erfolgreichen Saisonabschluss zu erzielen.

Davon berichte ich dann das nächste Mal.

Bis bald,

Eure Juli

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