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NBA: NBA-Finalserie - Miami Heat gegen Oklahoma City Thunder 121 -106

Miami Heat hat aus alten Fehlern gelernt und den NBA-Titel gewonnen. Nach 48 Minuten stand der würdige Champion fest und ein König wurde gekrönt. Eine klasse Mannschaftsleistung und weitere Gründe führten zu einem ungefährdeten Sieg.

In der NBA-Finalserie führte Miami Heat mit 3:1 gegen Oklahoma City Thunder. In Spiel fünf wollten die Heat alles klarmachen, um den Heimvorteil zu nutzen. LeBron James drückte dem Spiel dabei erneut seinen Stempel auf und erzielte ein Triple-Double. Nach dem Spiel setzte sich der "King" auf seinen Thron. Miami Heat nutzte den Matchball in der eigenen Halle und gewann deutlich mit 121:106.

Ist OKC noch nicht bereit für den Titel? Stimmt das ungeschriebene NBA-Gesetz, dass man erst eine schmerzliche Niederlage erleiden muss, bevor man den Thron besteigen kann? Haben die Heat nach einem qualvollen Jahr das Zeug zum NBA Champion? Und die Frage aller Fragen: Wird der "King“ LeBron James nun endlich auch gekrönt oder wird die Zeremonie verschoben?

Antworten auf diese Fragen erhofften sich Basketball-Fans in aller Welt im fünften Spiel der Finalserie zwischen Miami Heat und Oklahoma City Thunder. Und Spiel fünf gab die Antworten.

48 Minuten lang Heat

Miami Heat ließ von Anfang bis Ende keine Zweifel am Ausgang der Partie aufkommen. Allen voran LeBron James, der sein Team führte und mit einem Triple-Double wohl auch der beste Spieler des Abends war. OKC versuchte immer wieder Fouls zu erzwingen, was Ihnen auch gelang, wie die insgesamt 26 Freiwürfe im Spiel (23 verwandelt) zeigten. Doch unterliefen den jungen Gästen immer wieder leichte Fehler bei normalen Sprungwürfen. Im ersten Viertel konnten Kevin Durant und Co nur neun der 24 Korbversuche versenken. Miami schaffte es indes auf elf von 19. Zur Pause hatte sich das Heat-Polster auf zehn Punkte erhöht.

Mit dem Vorsprung und frenetisch feiernden Fans im Rücken bauten die Heat ihre Führung im dritten Viertel sogar auf 24 Punkte aus. OKC konnte in der Defense kaum Akzente setzen und Miami forcierte immer wieder die Doppeldeckung, nur um daraus ihre Dreierschützen in den freien Raum zu bekommen. Eine Taktik, die sich auch im vierten Spiel schon bewährt hatte.

Der Unterschied zu Spiel vier war die Ausbeute. Am Ende des Spiels kamen die Heat auf 14 von 26 Drei-Punkte-Würfe. Allein Mike Miller traf sagenhafte sieben seiner acht Versuche von Downtown - dafür übrigens keinen seiner drei Sprungwürfe aus der Nähe des Korbes. Der 51,90-prozentigen Wurfquote der Heat standen nur 41,40 Prozent auf Seiten von Oklahoma City Thunder gegenüber. Zu wenig in einem NBA-Final gegen überragende Floridaner.

Die Entscheidung

Zu Beginn des dritten Viertels versuchten die Thunder nochmal heranzukommen, was ihnen in der bisherigen Postseason bei einem Rückstand auch immer gut gelungen ist. KD traf direkt einen Dreier und verzeichnete sogar den Block, als der Vorsprung der Heat von zehn auf fünf Punkte geschmolzen war. Doch das Team von Erik Spoelstra antwortete erneut mit zwei Körben hinter der Drei-Punkte-Linie (Chalmers und Battier).

Thunder-Coach Scott Brooks versuchte in der darauffolgenden Auszeit nochmal sein Team zu motivieren und brüllte sie an, dass sie weiterkämpfen sollen. Der 15:0-Heat-Run sollte aber die endgültige Entscheidung sein. Als acht Minuten vor Schluss des Matches die ersten "Lang lebe der König“-Plakate von LeBron James-Fans in die Höhe gehalten wurden, fing die Party an. Das Endergebnis von 121:106 für Miami Heat wurde zur Nebensache.

Bevor wir zu den Feierlichkeiten übergehen, schauen wir uns noch kurz fünf Fakten an, die in diesem Match spielentscheidend waren.

1. Drei-Punkte-Würfe

Mike Miller traf sieben seiner acht Dreier. Der Finals-Bestwert liegt bei acht Dreiern und wird von Ray Allen (Boston Celtics) gehalten. Doch nicht nur er traf nach Belieben. Mario Chalmers (2/4) und Shane Battier (3/7) erzielten ebenso in wichtigen Phasen den Wurf von Downtown. Von OKC 28 Versuchen fanden "nur“ elf das Ziel und davon viele auch erst, als das Spiel ohnehin schon entschieden war.

2. Ausgeglichenheit

Die Konstanz und vor allem die Kollektivität in der die Heat auf Punktejagd von außen gingen, zog sich durch das ganze Spiel. Die fünf Starter und Mike Miller erzielten zusammen 114 der 121 Punkte: LeBron James (26), Shane Battier (11), Chris Bosh (24), Dwyane Wade (20), Mario Chalmers (10) und Mike Miller (23) kamen allesamt auf eine zweistellige Punktzahl.

Bei Oklahoma City schafften das nur Russell Westbrook (19), James Harden (19), Derek Fisher (11). Und natürlich sollte Kevin Durants Double-Double mit 32 Punkten und elf Rebounds dabei nicht unerwähnt bleiben. Klingt eigentlich gar nicht nach einem großen Unterschied. Allerdings benötigte vor allem Westbrook zu viele Versuche. Er traf nur vier seiner 20 Feldwürfe. Natürlich musste OKC ein gewisses Risiko eingehen, aber es heißt ja, dass Spiele in der Defense gewonnen werden.

3. Thunder-Defense schmilzt im Heat-Sturm

Dann können Spiele logischerweise auch genau da verloren werden. So geschehen in Spiel fünf – wie übrigens auch schon in Spiel vier – aus Sicht der Thunder. Durch die schnellen, kurzen Pässe der Heat und die guten Bewegungen der Spieler ohne Ball entstanden immer wieder freie Räume, in denen sich die Dreierschützen postierten und nur noch auf den Assist warten mussten. Die Thunder kamen in der Defense nicht nach. Oftmals wurden Spieler falsch übergeben, überhaupt nicht gedeckt oder zu einfach an den Korb zum Korbleger oder Dunk gelassen.

Vor allem die Würfe von außen wurden von OKC nicht gut verteidigt, von den Heat jedoch auch sehr gut erarbeitet. Allen voran ging wieder einmal LeBron James. Er übte solange Druck auf die Zone aus, bis OKC mit zwei Mann gegen ihn verteidigte, er nutzte den Moment und gab Miller, Battier und Chalmers Gelegenheiten, ihr Punktekonto zu füllen. Erstaunlich dabei war die Geduld, mit der LBJ diese Taktik anging. Er ließ die Uhr laufen – ohne Eile. Genau diese Geduld fehlte hingegen den Thunder in der Offense. Sie nahmen zu viele Würfe aus schlechten Positionen und gerieten immer wieder in benachteiligte Positionen durch die druckvolle Defense der Heat.

4. Die Hölle der American Airlines Arena

Exakt in diesen Momenten, in denen James auf die Doppeldeckung wartete oder die Thunder gegen die Heat-Defense anliefen, wurde es laut. Erschreckend laut. Man konnte spüren, dass die Fans ihren Beitrag zum Titelgewinn beisteuern wollten. Auf der lautstarken Euphorie-Welle getragen, schien es fast so, als fiele Miami alles leichter. Als wäre es das erste Spiel der Saison und nicht das Letzte. Gleichzeitig merkte man wie den Thunder immer wieder leichte Fehler unterliefen. Fans sind und bleiben eben eine wichtige Stütze für Sportler.

5. LeBron James

Und wo wir bei Sportlern sind. Einer hatte auch dieses Spiel wieder in seiner Kontrolle: LeBron Raymone James. Der "King“. Königlich dirigierte er sein Team, verbesserte seine Mitspieler bei schlechten Pässen, redete ihnen gut zu während der Auszeiten. Er war von Anfang bis Ende präsent und stand am Ende des Spiels nicht nur mit 26 Punkten, 13 Rebounds und elf Assists da, sondern auch mit der Final-MVP-Trophäe. Er machte im Endeffekt den Unterschied. Er ist an der Niederlage im vergangenen Jahr (gegen Dallas Mavericks) gewachsen und zeigte es allen. James sorgte nicht durch Alleingänge für Applaus, sondern als Leader. Als Passgeber, als Arbeiter, als Ballführer, als Köder. Und nun: als König.

Nach dem Schlusspfiff sprang LeBron James in die Luft. Die Last der Titellosigkeit war von ihm gefallen. Er lachte und strahlte, nahm als einen der Ersten die Glückwünsche von Kevin Durant entgegen. Und wie man ihn so sah, musste man sich mit ihm und für ihn freuen. Er ist angekommen unter den besten zehn Spielern aller Zeiten. Er, der König ohne Krone, wurde gekrönt. Als James gefragt wurde, was ihn ihm vorging, als die letzten Sekunden abgelaufen waren, antwortete LeBron James: "Das ist der glücklichste Tag meines Lebens. Das möchte ich mit niemand anderem erleben als mit meinen Teamkollegen und den Fans. Ein Traum wurde wahr.“

Antworten auf die Fragen

OKC wird noch warten müssen mit dem ersten Titel seit dem Umzug von Seattle nach Oklahoma City. Wenn der Kern des Teams zusammenbleibt, dann wird in den nächsten Jahren wahrscheinlich kein Weg an den Thunder vorbeiführen. Mit der Finalniederlage sind sie - wie in den ganzen Playoffs schon - bestimmt wieder ein Stück weiter gereift. Die Heat haben aus ihrer Niederlage im letzten Jahr gelernt und sich als würdiger Champion gezeigt.

Während Miami Heat die Larry O'Brien NBA Championship Trophy überreicht bekamen und die Oklahoma City Thunder in den Kabinen verschwanden, fragte Heat-Präsident die anwesenden Fans zum Auftakt einer langen Nacht: "Is it okay to have a party tonight?“ Und Miami feierte...

Tobi Becker

sportal.de / sportal

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