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NFL: NFL-Kolumne - Neues von Tebow, Manning und Favre

Manche NFL-Themen fallen einem einfach in den Schoss. Dass sich vieles in der Liga um Quarterbacks dreht, liegt dabei in der Natur der Sache. In dieser Woche geht es um einen alten Haudegen aus der zweiten Reihe, die Legenden Brett Favre und Peyton Manning und "natürlich" um Tim Tebow.

Eine Kolumne über die NFL zu schreiben ist in den meisten Fällen eine dankbare Aufgabe. Man kann sich sogar, wie in dieser Woche, bereits zuvor ein Thema überlegen und schon gibt es mindestens ein Spiel oder ein Team, das dieses Thema am jeweiligen Spieltag mit Leben füllt. 

Happy Birthday, Frank Reich!

So hatte ich mich bereits vor diesem Sonntag für die Würdigung eines alten Helden der zweiten oder vielleicht sogar dritten Reihe entschieden. Ex-Quarterback Frank Reich feierte ausgerechnet am Spieltag seinen 50. Geburtstag.

Reich, seinerzeit - genauer 1993 - Quarterback bei den Buffalo Bills, darf sich immer noch rühmen, die größte Aufholjagd der NFL-Geschichte vollendet zu haben. Am 3. Januar 1993 war es nämlich, als der Ersatz-Quarterback des legendären Jim Kelly - der sich ausgerechnet im letzten Spiel der regulären Saison gegen denselben Gegner verletzt hatte - gegen die Houston Oilers einen 3:35-Rückstand in ein 41:38 verwandelte. Interessanterweise hält Reich noch einen anderen Rekord, nämlich den des größten Comebacks im College.

Frank Reich dürfte aber nicht den besten Geburtstag gehabt haben, zumindest aus sportlicher Sicht. Er ist Wide Receivers-Coach bei den Indianapolis Colts mit ihrer 0:12-Bilanz.

Dabei sah es zumindest auf dem Papier nach einer Art Comeback aus, hatten die New England Patriots bereits mit 31:3 in Front gelegen, doch drei Touchdowns im letzten Viertel - unter anderem zwei durch den Ersatz-Quarterback des Ersatzes Curtis Painter, Dan Orlovsky - ließen das Ergebnis viel glimpflicher erscheinen, als es eigentlich war. Der letzte Punktgewinn kam jedoch 32 Sekunden vor dem Ende. Und auch wenn es die Pats zwar ärgerte, dass im letzten Viertel so viele Gegenpunkte zugelassen wurden: Mein Gefühl sagt mir, dass es nicht zu einem Sieg gereicht hätte.

Comebacker unter sich

Sogenannte Comebacksiege sind die Spezialität einiger Quarterbacks wie Reich. Der weitaus erfolgreichere John Elway von den Denver Broncos war der Meister dieses Fachs mit 47 Erfolgen. Er durfte am Sonntag als Executive Vice President of Football Operations Schützling Tim Tebow bei dessen fünftem Comeback in dieser Spielzeit bewundern. 35:32 gewannen die Broncos am Ende gegen die Minnesota Vikings, nachdem sie immer wieder in Rückstand geraten waren.

So langsam fallen mir keine Worte mehr ein, um Tebows Leistungen Woche für Woche zu beschreiben. Und man muss dem Jungen nicht nur zugestehen, ein Footballspieler und einer mit großem Siegeswillen zu sein. Ich hätte es kaum für möglich gehalten, aber er scheint seine Würfe verbessern zu können. Erstaunlich für jemanden, der bereits seit fünfeinhalb Jahren auf Profilevel spielt. Bevor jemand einwirft, er wäre erst seit anderthalb Jahren in der NFL, dem bitte ich zu bedenken, dass auch auf dem College professionell trainiert wird, auch wenn die NCAA es nicht wahrhaben will.

Trotzdem: Tim Tebow scheint sich tatsächlich immer noch steigern zu können - das macht als Denverfan doch Hoffnung. Oder aber es ist so, wie vor kurzem ein Kritiker der Kritiker spekulierte. All jene Stimmen, die immer wieder sagen er könne nicht werfen, sind in den ersten Vierteln in seinem Kopf. Erst wenn sein (Aufhol)-Jagdinstinkt zum Ende geweckt wird, kann er den Kopf ausschalten und Spiele gewinnen. Ich wechsle von der kritischen Seite nun zunächst in die neutrale Zone und sitze Tebows Restsaison dort erst einmal aus.

Quarterback abzugeben?

Ein geglücktes Comeback wäre den Colts vielleicht gar nicht so Recht gewesen, schließlich sind sie immer noch klarer Anwärter auf Andrew Luck. Sie wissen schon, jener College-Quarterback, der als eines der größten Spielmacher-Talente seit langem gilt. Und schon mehren sich die Stimmen, die den verletzten Peyton Manning an ein anderes Team abgeben lassen wollen, weil Luck und Manning nicht in einem Team existieren könnten, so heißt es.

Ich würde in dem Zusammenhang ja die an dieser Stelle bereits erwähnte Mentorenrolle für Manning befürworten. Peytons Papa, Ex-Saints-Quarterback Archie, hat sich jetzt gegenüber einem Radiosender gegen diese Variante ausgesprochen. Beide könnten nicht nebeneinander existieren, so Daddy Manning.

Das letzte Mal als sich Archie so engagiert in die Geschäfte eines seiner Söhne einmischte, war als Eli im Draft 2004 nicht nach San Diego, sondern nach New York ging. Droht Archie dieses Mal den Colts mit dem Abgang seines Sprößlings Peyton - oder ist dies wirklich seine ehrliche Meinung?

Quarterback zum mitreisen gesucht?

Vielleicht löst sich das Ganze anders als gedacht auf und Peyton muss seine Karriere an den Nagel hängen. Hoffen wollen wir das nicht, aber es gilt wie seit Beginn der Saison: Wir wissen nicht, wie es um seinen Nacken steht.

Ein weiterer Großer der Spielmacherzunft hatte von jeher Schwierigkeiten mit dem Karriereende. So hielt Brett Favre die letzten Jahre die Sportwelt immer wieder mit Rücktritten vom Rücktritt in Atem. Kein Wunder also, dass sein Name trotz nun endgültigen Rücktritts noch immer in aller Munde auftaucht, wenn ein Team ein Problem auf der Quarterback-Position hat.

So mehrten sich vor einigen Tagen die Gerüchte, er solle den - sagen wir es mal vorsichtig - unter NFL-Niveau spielenden Jay-Cutler-Ersatz Caleb Hanie bei den Chicago Bears ablösen. Ganz abwegig ist dieser Plan nicht, denn schlechter als Hanie dürfte auch ein Ruheständler von Favres Kaliber nicht sein. Das Schmankerl an der Sache wäre übrigens ein erneut einsamer Rekord für den Mann aus Louisiana. Die Bears wären das dritte Team der NFC North, für die Favre seine Dienste verrichten würde.

Mittlerweile hat er den Gerüchten zwar eine Absage erteilt, doch die letzten Jahre lehrten den geneigten NFL-Fans natürlich auch eines: Traue nie einer Absage von Brett Favre. Ich glaube, ich schrieb es bereits an dieser Stelle. Einem Rücktritt von Brett Favre traue ich erst, wenn der Super Bowl in Indianapolis gelaufen ist.

Champion zu verkaufen

Eurokrise? Wirtschaftsmisere? Legen Sie ihr Geld doch einfach mal in unvergängliche Wertpapiere an. Wie wäre es mit Aktien des amtierenden Super Bowl-Champions? Die Green Bay Packers verkaufen zum ersten Mal seit 1997 Wertpapiere. Für 250 Dollar pro Stück plus 25 Dollar Bearbeitungsgebühr können zumindest Menschen mit US-Wohnsitz diese Aktien zeichnen.

Laut espn.com gab es einen regelrechten Run auf die Anteile. Dabei gibt es keine Dividende, keine Wertsteigerung oder Ähnliches. Dafür darf man sich Mitbesitzer eines NFL-Teams nennen und an den jährlichen Aktionärsversammlungen teilnehmen. Ach ja -und es gibt auch Teamklamotten speziell für Teilhaber.

Top Fünf

Green Bay ist natürlich mit der 12:0-Bilanz weiterhin Herrscher der Top Fünf, dahinter wird es kunterbunt. Die San Francisco 49ers mit 10:2 Siegen haben nicht nur in der NFC, sondern auch in der Liga und damit natürlich in diesem Ranking Platz zwei erobert. Zwei 9:3-Teams sehe ich dahinter, nämlich die Pittsburgh Steelers, die die überraschend in dieser Saison mitspielenden Cincinnati Bengals klar mit 35:7 distanzierten.

Und die Houston Texans, die mit den Atlanta Falcons einen möglichen Mitanwärter auf die Playoffs besiegten. Ehrenhalber - Ravens-, Saints- und Patriots-Fans können dies sicher verzeihen - nehme ich in dieser Woche die Denver Tebows, ähem Broncos, mit ins Boot. Dank des Sieges in Minneapolis schlossen sie in der AFC West zu den Oakland Raiders auf, die in Miami 14:34 untergingen.

Flop Fünf

Neben den obligatorischen Colts sind die Vikings im Bodensatz weiter vertreten. Mit 2:10 liest sich deren Bilanz nur unwesentlich besser. St. Louis hat dieselbe Anzahl an Siegen und ging zudem mit null Punkten in San Francisco unter, das sichert einem immer einen Platz unter den Flop Fünf. Dazu gehören die Tampa Bay Buccaneers, die mit Ersatz-Quarterback Josh Johnson gegen die Carolina Panthers verloren, die noch vor einiger Zeit in diesem wenig erlauchten Kreis auftauchten. Nicht vergessen werden sollten die Philadelphia Eagles, die mit der Niederlage in Seattle ihr letztes Playoff-Fünkchen erlöschen sahen.

Sven Kittelmann

sportal.de / sportal

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