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NFL: NFL-Kolumne - Rückblick auf den Super Bowl XLVI

Aus Fehlern lernt man, heißt es. Doch wer im Super Bowl Fehler macht, lernt zunächst einmal, dass er verliert - eine bittere Erfahrung, die die New England Patriots machen mussten. Etwas für's Leben könnte auch Gisele Bündchen nach der Niederlage ihres Ehemannes Tom Brady gelernt haben.

Vor einigen Wochen schrieb ich von Vince Lombardis Weisheiten, die ein wenig an Sepp Herbergers Sprüche zum Fußball erinnerten. Da Lombardi aber seines Zeichens Coach der Green Bay Packers war, konzentrierte er sich natürlich auf sein Expertengebiet, also Football. 

Ob der Spruch, dass das Team gewinnt, welches weniger Fehler macht, von Lombardi ist, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Dass dieses geflügelte Wort zumindest im Falle von Super Bowl XLVI ein Fünkchen Wahrheit enthält dagegen schon. Zumindest waren die New York Giants beim 21:17 eine Spur konzentrierter als die New England Patriots.

Vollmer, Tuck und Bradys Safety

Zählen wir einmal auf. Bei den Patriots sehe ich fünf Fehler - für ein Team, das vom Ruf lebt, von seinem Coach Bill Belichick das Ausmerzen jeglicher Fehler eingebläut zu bekommen, sind das fünf zu viel. Da wäre zum einen der Safety zu Beginn. Zunächst macht Right Tackle Sebastian Vollmer den Fehler, Justin Tuck nach seinem Schubser zu Seite für nicht mehr gefährlich anzusehen und sich auf die anderen Giants-Verteidiger zu konzentrieren. Tuck wiederum kam knapp an Quarterback Tom Brady heran, der sich nicht anders zu helfen wusste und den Ball wegwarf.

Ein Quarterback von Bradys Qualität müsste wissen, wo er sich befindet. In diesem Falle also in der Endzone und noch in der von seinen O-Linern gebildeten Pocket. Aus dieser heraus ist ein Pass ins Niemandsland Intentional Grounding und wird im Normalfall mit zehn Yards bestraft. Dass solch ein Penalty in der Endzone einen Safety und damit zwei Punkte für den Gegner bedeutet, weiß Brady auch. 

Doch was wären die anderen Optionen gewesen? Den Ball in Richtung eines - wahrscheinlich nicht freien - Receivers werfen, mit der Option eine Interception zu kassieren, die vielleicht sogar einen Touchdown bedeutet hätte? Oder aber selber zu laufen. Doch als Tuck da war, war es dafür schon zu spät. Ein Fehler war der gesamte Spielzug - aber so viele Möglichkeiten hatte Brady nun auch nicht.

12 sind einer zuviel

Fehler Nummer zwei bedeutete in der Folge gleich einen Touchdown und hätte dabei sogar die Wende für die Patriots sein können. Schließlich hatte Sterling Moore, der bereits eine Woche zuvor Baltimores Lee Evans den Ball in der wichtigen Schlussphase entrissen hatte, Victor Cruz das Spielgerät abgenommen, Kollege Brandon Spikes hatte diesen gesichert. Doch die Herren in dunkelblau standen zu diesem Zeitpunkt mit zwölf Mann auf dem Feld. Statt Brady durfte Eli Manning weiter ran, zwei Spielzüge später warf er Cruz den Ball in der Endzone zu.

Fehler Nummer drei ist ebenso offensichtlich wie der erste. Als Tom Brady kurz nach Beginn des vierten Viertels einen weiten Pass auf den angeschlagenen Rob Gronkowski versuchte, wurde dieser von Chase Blackburn abgefangen. Gronkowski wirkte dabei weniger beweglich als gewohnt. Seine Knöchelverletzung, die man ihm im ganzen Spiel ansah, machte sich dort ganz offensichtlich bemerkbar, konnte er sich doch nicht so schnell wie Gegner Blackburn zum Pass umdrehen. Es ist verständlich, dass Brady mit einem weiten Pass den Widerstand der Giants brechen wollte - er hätte sich vielleicht ein anderes Ziel als Gronkowski an diesem Tag suchen sollen.

Collinsworths Wahrscheinlichkeitsrechnung

Der vierte Fauxpas unterlief ausgerechnet demjenigen, den ich im Teamcheck vor dem Spiel noch Mister Zuverlässig genannt hatte, Wes Welker. Der bekam knappe vier Minuten vor dem Ende einen weiten Pass von Brady so gut serviert, dass der Fang im schlechtesten Falle ein neues First Down an der 20-Yard-Linie der Giants bedeutet hätte, im Idealfall hätte Welker den Ball in die Endzone getragen und das Tor zum vierten Titel für die Patriots meilenweit aufgestoßen.

Aber Welker, der sich später unter Tränen dafür entschuldigte, ließ den Ball fallen. Sehr bitter, denn der Wurf hätte idealer kaum sein können. "In zehn von zehn Fällen fängt Wes den", erklärte NBC-Kommentator Cris Collinsworth und hatte damit sehr, sehr recht. Auch wenn sich sämtliche Mathematiker und Statistiker ob des Spruches die Haare raufen dürften.

Fehler Nummer fünf könnten sich Coach Bill Belichick und sein Videoteam ankreiden. Als Mario Manningham den 38-Yard-Pass an der Mittellinie fing, war nach der ersten Wiederholung klar, dass er regelkonform mit beiden Füßen im Feld war. Doch Belichick warf die Rote Flagge, die dadurch ausgelöste Challenge kostete die Pats ein entscheidendes Timeout.

Fehler ohne Folgen

Bei den Giants gab es vier Fehler - anders als die der Patriots hatten diese jedoch keine Folgen. Der Fumble von Cruz? Keine Konsequenzen, dank des Penaltys gegen New England. Ballverluste von Wide Receiver Hakeem Nicks und Running Back Ahmad Bradshaw blieben dank der schnellen Auffassungsgabe der Mitspieler Henry Hynoski und Chris Snee ebenfalls folgenlos. Bradshaw hatte dazu ein zweites Mal Glück, das sein unfreiwilliger Touchdown am Ende, der Brady und New England eine knappe Minute Zeit mit dem Ball gab, kein Böses Ende nahm.

Ich würde die Weisheit übrigens eher abändern in: "Das Team, das die wenigsten folgenlosen Fehler macht, gewinnt."

Keine Fehler machte übrigens Quarterback Eli Manning, der sich nun sicher auf dem Weg in die Hall of Fame befinden dürfte. Im Gegenteil, Manning wirkte cool und gelassen, gerade bei solchen Situationen wie dem Wurf auf Manningham, wo er mit dem Rücken zur eigenen Endzone stand. Bemerkenswert war dazu seine Trefferquote am Super Bowl-Abend: 75 Prozent seiner Pässe fanden einen Abnehmer.

Defense wins Championships

Mit viel Vorschusslorbeeren kam die Defensive der Giants in den Super Bowl und sie erfüllte diese auch. Zwar dauerte es bis zum dritten Viertel, bis sich Brady nach einem Sack auf dem Hosenboden wiederfand, doch auch davor machten die vier großen Jungs vorne und ihre Hintermänner allerdings richtig. Vor allem dadurch, dass sie sich sehr diszipliniert verhielten.

Das Schauspiel fing bereits beim Safety an, der durch Tucks Druck zustande gekommen war. Danach bekam Jason Pierre-Paul mehrfach die Hand an Bradys Pässe, und auch der Rest der Verteidigung überzeugte über weite Strecken des Spiels. Überhaupt zeigte JPP ein überragendes Spiel, das verriet, wie viel Freude die Giants an dem 23-Jährigen in den nächsten Jahren haben dürfte. Um noch einen zweiten Verteidiger der New Yorker herauszuheben, sollte man Chase Blackburn nennen. Der Linebacker, der Bradys Pass auf Gronkowski abfing, hielt mit dem, zugegeben angeschlagenen, Pats-Tight-End mit und drehte sich im richtigen Augenblick in bester Cornerback-Manier um.

Ein kleiner Trost bleibt auch den Pats-Fans, denn ich denke, dass ihr Team für die Zukunft in der Defensive einige Lichtblicke hat. Rob Ninkovich ist so einer. Der Linebacker überzeugte das ein oder andere Mal in guter, alter Bostoner Tradition eines Ted Bruschi oder Mike Vrabel.

Und was ist mit Safety Sterling Moore, der zum zweiten Mal hintereinander in einem Playoff-Spiel einen entscheidenen Ballverlust hätte verursachen können, nachdem er Lee Evans von den Ravens zwei Wochen zuvor den Ball aus den Händen wand? Allerdings verhinderte der verflixte zwöflte Mann Moores Eintrag in die Geschichte.

Yoko Bündchen

Im heutigen Zeitalter gibt es einige No-Gos für berühmte Persönlichkeiten. So sollte man sich nie in der Öffentlichkeit bei Sachen erwischen lassen, die man später bereut oder die einem Ärger einbringen könnten.

Gisele Bündchen hat sich zumindest nach der Niederlagen ihres Gatten Tom Brady nicht an diese Regel halten können und wurde von der Internetseite The Insider dabei erwischt, wie sie nach dem Spiel sehr unwirsch auf die Frotzeleien einiger Giants-Fans reagierte. "Mein Mann kann doch nicht gleichzeitig werfen und fangen", sagte sie in dem auf theinsider.com gezeigten Video und wusste die Schuldigen für die Niederlage auszumachen: Bradys Wide Receiver, die nach Frau Bündchen-Bradys Expertise die Bälle nicht gefangen hätten, die sie hätten fangen sollen.

Vielleicht sollte sich Gisele mal bei Ehemann Tom erkundigen, wie man auch unter großem Druck ruhig bleibt. In Boston hat sie sich zumindest keine Freunde gemacht, dort tauchen erste Vergleiche mit Yoko Ono auf, die die Beatles auseinander brachte.

Alles in allem dürfte der Bündchen-Ausraster eine gute Geschichte für die Medien sein - der Harmonie der Patriots und insbesondere ihres Mannes mit seinen Wide Receivern dürfte diese Episode nichts anhaben. Und letztlich, wie oben aufgezeigt, war auch ihr Göttergatte für die Niederlage mitverantwortlich. Oder um es mit James Ihedigbo zu sagen: "Man darf nicht mit dem Zeigefinger auf Einzelne zeigen", so der Pats-Safety auf bostonherald.com

Sven Kittelmann

sportal.de / sportal

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