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NFL: NFL-Kolumne - Wer wird die Nummer drei im Draft?

"In ständiger Bewegung die Zukunft ist", sagte bereits Yoda und meinte damit zwar nicht den NFL-Draft, hätte es aber können. Denn hinter den beiden gesetzten Spielern Andrew Luck und Robert Griffin III herrscht noch viel Uneinigkeit über den möglichen Verlauf der Rookie-Ziehung. Außerdem in der aus dem Frühlingsschlaf erwachten Kolumne: Warum die Strafe gegen die Saints gerechtfertigt ist.

'Ne Menge los war nicht nur bei der wochenendlichen Übertragung des deutschen Fußballs, sondern auch weiterhin in der NFL – auch wenn ich mir einen Urlaub von der Liga in Dänemark und bei den NHL-Playoffs, dem NBA-Endspurt und dem MLB-Auftakt gegönnt habe. Jetzt wird es allerdings allerhöchste Eisenbahn, der Draft steht vor der Tür und auch die Nachwehen der Saints-Kopfgeld-Affäre erfordern eine Kolumne.

Ein Jahr Strafe wegen Dummheit oder Dreistigkeit?

Vor der Draft noch einmal zu den Saints, denn bei allem Spieler Hin- und Hergeschacher war dies das beherrschende Thema. Die NFL hat die Einjahres-Sperre gegen Saints-Coach Sean Payton bestätigt, Linebackers-Coach Joe Vitt hat bereits die Zügel in New Orleans in der Hand, Legende Bill Parcells kann also weiterhin seinen Ruhestand genießen. Während Team und die Verantwortlichen bereits bestraft sind, verhandeln übrigens Spielergewerkschaft und Liga über Strafen für die 22 bis 27 involvierten Spieler.

Ich möchte mich gar nicht mehr an dem moralischen Aufschrei beteiligen, den gerade das Auftauchen einer Audio-Aufnahme des schuldigen Defensive Coordinators Gregg Williams ausgelöst hat, beteiligen. Ja, Williams hat in dem Tape explizit Verletzungen bestimmter Gegenspieler als Parole ausgegeben und ja, er hat dafür Belohnungen ausgesprochen.

Ob dies, wie viele US-Kommentatoren und gerade Ex-Spieler erklären, nun in der einen oder anderen Form Gang und Gäbe ist, vermag ich sicher nicht zu sagen. Nur zwei Anmerkungen meinerseits: Die sind dann eben nicht so blöd, sich a. erwischen zu lassen, b. die Kopfgeld-Zahlungen als Headcoach und General Manager still zu dulden und c. sie bei bereits bekannter Aufdeckung durch die Liga weiter laufen zu lassen.

Das verdient eine Rote Karte wegen Dummheit und wenn man dann noch bedenkt, dass gerade Payton durch das Nicht-Unterbinden NFL-Commissioner Roger Goodell, sicher kein Mensch ohne Ego, persönlich verärgert haben dürfte, erklärt sich die Einjahres-Suspendierung ohne große Mühe. Die halbe Millionen Dollar Strafe dürfte für das Team dabei am ehesten zu verschmerzen sein, die Abwesenheit von General Manager Mickey Loomis in den ersten acht Spielen und gerade der Verlust zweier Zweitrunden-Picks im Draft wiegen da noch schwerer.

Luck, Griffin und dann...? Tannehill?

Dank dieser fast reibungslosen Überleitung gleich weiter zum traditionellen April-Thema in der NFL: Der Draft. In einer guten Woche wird sich Goodell live aus der New Yorker Radio City Music Hall mit den glücklichen Ex-Collegespielern zeigen, die eine Heimat in der Profiliga finden werden.

Dabei ist bereits klar, wie die ersten beiden Draftpicks aussehen werden. Die Indianapolis Colts holen sich mit Andrew Luck ihren Nachfolger für Peyton Manning, die Washington Redskins mit Robert Griffin III ihren Nachfolger von... ähm... Joe Theisman, der 1985 seine Karriere beenden musste. Gut, liebe Redskins-Fans, vielleicht ist RG III der legitime Nachfolger von Doug Williams, der 1988 den Super Bowl gewann. Na gut, bei Mark Rypien 1993 ist aber wirklich Schluss mit guten Redskins-Quarterbacks. Was ich damit eigentlich sagen wollte – Washingtons Fans haben nach all den Jahren der Grossmanns, Frerottes, Georges oder Ramseys mal wieder einen echten Quarterback verdient. Und der wird Robert Griffin III heißen.

Erst hinter den beiden Toppicks geht das bei Experten und Fans gleichermaßen bekannte Ratespiel namens Mockdraft los. Und in denen klettert derzeit ein dritter Quarterback, der bis vor kurzem noch nicht so weit vorne zu finden war: Ryan Tannehill.

Irsay als wundersamer Tannehill-Fan

Da mir keine lustigen Wortspiele zu dem Namen einfallen, obwohl ich mir seit Monaten das Hirn zermatere, gleich weiter mit den Fakten: Der Ex-Spielmacher der Texas A&M Aggies Tannehill ist derzeit der sexy Pick im Draft. So rührte unter anderem Colts-Besitzer Jim Irsay via Twitter die Werbetrommel und bezeichnete ihn als "versteckten Diamanten" im Draft und erklärte, wenn man ihn wolle, wäre man schön dumm, nicht an die dritte Stelle zu traden, um den Quarterback zu bekommen. Auch Irsays ehemaliger GM Bill Polian schlug in dieselbe Kerbe.

Warum Irsay, der ja bekanntlich auf Luck festgelegt ist, das macht? Vielleicht will er die Aufmerksamkeit, die ihm während der Geschichte um Manning zuteil wurde, nicht so schnell wieder missen. Oder es ist ein genialer Schachzug, im Stile eines Dr. Evil, der den Colts einen späteren Spieler sichert, der sonst anstelle Tannehills weggehen würde. Ich glaube eher an Ersteres.

...wohl doch eher Kalil

Doch wie gut ist denn Tannehill wirklich? Und wie realistisch ist es, dass er wirklich so weit vorne weggehen wird? Das größte Fragezeichen ist bei ihm wahrscheinlich, dass er zum einen ein konvertierter Wide Receiver ist und gerade einmal 20 Spiele am College absolvierte. Am Wahrscheinlichsten, so pfeifen es die Draft-Spatzen von den Dächern, sind Engagements in Cleveland oder Miami, die an Nummer vier oder acht draften werden.

Vielleicht wollte Irsay seinem Vikings-Besitzerkollegen, "Zigi the Biggie", wie er ihn per Twitter nannte und der auf den Namen Zygi Wilf hört, auch nur einen Gefallen tun und einen Trade bescheren. Denn Minnesota hat mit Christian Ponder erst im letzten Jahr einen Top-Pick für einen Quarterback verwendet. Den Draft-Experten zufolge sollen die Vikings mit Offensive Tackle Matt Kalil eher einen großen Jungen für Ponders Schutz ziehen.

Und auch Cleveland dahinter scheint noch nicht entschieden zu sein – könnten sie dann doch beim mit Abstand besten Running Back diesen Jahres, Trent Richardson, zuschlagen. An dem soll allerdings auch Jeff Fisher von den St. Louis Rams so sehr interessiert sein, sodass ein Pick-Tausch mit den Vikings nicht ganz ins Fabelreich gehört. Dann könnte Cleveland natürlich wirklich Tannehill nehmen.

Und damit wird der Draft – hinter den beiden gesetzten Quarterbacks – zum gewohnt lustigen Ratespiel im Vorfeld. "In ständiger Bewegung die Zukunft ist", wusste bereits Yoda. Und unter diesem Motto gibt es in der nächsten Woche, wie bereits im letzten Jahr, die Vorschau auf den Draft.

Sven Kittelmann

sportal.de / sportal

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