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Profi-Boxen: De la Hoya entthront Mittelgewichtler Sturm

Neun Jahre und 44 Tage nach dem Skandalurteil gegen Axel Schulz ist Felix Sturm als zweiter deutscher Profiboxer in Las Vegas durch eine krasse Fehlentscheidung um den Titel gebracht worden.

Neun Jahre und 44 Tage nach dem Skandalurteil gegen Axel Schulz ist Felix Sturm als zweiter deutscher Profiboxer im MGM-Grand-Hotel von Las Vegas durch eine krasse Fehlentscheidung um den Weltmeisterschafts-Titel gebracht worden. Der entthronte Mittelgewichts-Champion der World Boxing Organization (WBO) lieferte Superstar Oscar de la Hoya in der Nacht zum Sonntag einen grandiosen Kampf und sah nach seiner Weltklasseleistung über zwölf Runden wie der Sieger aus. Doch so wie einst Schulz im Schwergewichts-Duell gegen George Foreman hatte der 25-jährige Sturm die drei US- Punktrichter gegen sich. Sie werteten allesamt 115:113, was die meisten der über 14 000 Zuschauer mit einem Pfeifkonzert quittierten.

"Wir werden Protest einlegen"

"Dieses Urteil ist noch schlimmer, als das damals gegen Axel. Denn Felix hatten noch augenscheinlicher gewonnen. Deutlicher kann man nicht siegen", grollte nicht nur Sturms Promotor Klaus-Peter Kohl und kündigte an: "Wir werden gegen das Urteil Protest einlegen. Wir fordern ein Rematch." Gleiches hatte das Management von Schulz seinerzeit mit Erfolg eingeklagt. Foreman allerdings gab seinen WM- Gürtel nach IBF-Version freiwillig zurück, woraufhin Schulz gegen Francois Botha (Südafrika) erneut um ein WM-Championat boxen durfte.

Was die Experten vermutet hatten, wurde für Sturm zur bitteren Realität. Der bislang in 20 Kämpfen ungeschlagene Leverkusener hätte im Box-Mekka de la Hoya nur durch einen K.o. besiegen können. Ein Punktsieg war unmöglich. "Felix ist kein Opfer von de la Hoya gewesen, sondern von dem bereits geplanten Megafight", sprach Ex- Weltmeister Roy Jones aus, was jeder dachte. Durch de la Hoyas schmeichelhaften Sieg kommt es am 18. September in der gleichen Arena zum langfristig geplanten Vereinigungskampf mit Bernard Hopkins. Der 39 Jahre alte Dreifach-Champion nach Version der WBC, WBA und IBF hatte zuvor souverän die Titel gegen seinen US-Landsmann Robert Allen nach Punkten verteidigt. De la Hoya kassiert nunmehr eine Garantiebörse von 30 Millionen, Hopkins von zehn Millionen Dollar.

Alle waren von Sturm begeistert

Ob die Ex-Weltmeister Roy Jones oder Mike Tyson, ob Hopkins oder Leinwandheld Sylvester Stallone, ob die US-Journalisten oder die Macher vom Bezahlfernsehen HBO - alle waren von Sturms Vorstellung begeistert und sahen den 1:12-Außenseiter als Gewinner. In keinen seiner 39 Kämpfe zuvor, auch bei den drei Niederlagen, war de la Hoya, der sich als erster Profi in sechs Kategorien mit einem WM-Gürtel schmücken konnte, jemals so ausgeboxt worden. "Das war heute ein Katz-und-Maus-Spiel, und Oscar war die Maus. Ich habe ihn vorgeführt. Ich war schneller und stärker und habe intelligenter geboxt", sagte Sturm, der keine Zweifel am Triumph über sein einstiges Idol hatte. Schon nach der Auftaktrunde ging er triumphal mit erhobener rechter Faust in die Ringecke.

Mit seinem Jab dominierte der Amateur-Europameister von 2000 die meisten Runden. Wenn de la Hoya mit schnellen Schlagserien versuchte, im Infight zu punkten, konterte Sturm lehrbuchmäßig mit linken und rechten Haken. Als Sturm die 11. Runde auch noch in der Rechtsauslage begann, verblüffte er den sechs Jahre älteren Rivalen vollends. Der populärste und vermögendste US-Boxer schien mit dem Latein am Ende zu sein. Die Statistik sprach klar für Sturm: Von 541 Schlägen trafen 234. Beim "Golden Boy" lautete das Verhältnis 792 zu 188.

Liebt er das Geld oder den Sport?

De la Hoya gab sich sehr kleinlaut. "Das war ein harter Fight. Ich habe Sturm unterschätzt. Es sind im Ring Dinge passiert, die ich nicht erwartet hatte", sagte der Rekord-Weltmeister, der von Sturm zur Revanche aufgefordert wurde: "Oscar hat gesagt, er liebt den Sport. Dann gibt er mir ein Rematch. Wenn er jedoch das Geld liebt, boxt er gegen Hopkins. Ich hoffe, Oscar liebt wirklich den Sport."

Profi-Boxer Markus Beyer ist nicht mehr Weltmeister. Der 33 Jahre alte Kölner hat seinen Titel im Supermittelgewicht des World Boxing Council (WBC) in der Nacht zum Sonntag in Chemnitz gegen den Italiener Cristian Sanavia mit einer knappen Punktniederlage (115:114, 115:116, 113:116) verloren. Beyer kassierte in seinem 31. Profi-Kampf seine zweite Niederlage. Der Italiener hat nach seinem 34. Kampf nunmehr 33 Siege auf seinem Konto.

Viele Kopftreffer kassiert

Wie in den Kämpfen zuvor fand Beyer nie zu seiner boxerischen Linie. Vor allem in der ersten Kampfhälfte kassierte der Sachse viele Kopftreffer von dem fünf Zentimeter kleineren Herausforderer. Im zweiten Abschnitt steigerte sich der gebürtige Sachse zwar leicht, aber das war zu wenig, um das Blatt noch zu wenden. "Ich habe vieles falsch gemacht und fühle mich schlecht. Natürlich hätte ich stärker aus der Distanz boxen müssen", gestand der Schützling von Ulli Wegner ein. Über ein eventuelles Karriereende werde er sich Gedanken machen.

Beyers Promoter Sauerland kündigte unmittelbar nach der Urteilsverkündung an, dass es aller Voraussicht nach noch in diesem Jahr ein Rematch geben wird. "Das hat mir Sanavias Promoter sofort angeboten", erklärte er. Der Kampf könne im September oder Oktober stattfinden.

Rüdiger May scheiterte wieder

In einem weiteren Titelkampf des Abends scheiterte Cruisergewichtler Rüdiger May zum zweiten Mal bei seinem Versuch, den Europameister-Titel zu gewinnen. Der 28 Jahre alte Kölner lieferte gegen den Champion Vinzenzo Cantatore (Italien) zwar ein beherztes Gefecht ab, kam nach zwölf Runden aber über ein Unentschieden nicht hinaus. Den Regeln entsprechend bleibt Cantatore damit Europameister.

DPA

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