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Radsport-Doping: Freie Fahrt für Unschuldslämmer

Jacques Rogge hat freie Fahrt für Jan Ullrich und Ivan Basso gefordert. Der Chef des Internationalen Olympischen Komitees forderte die Unschuldsvermutung auch für Spitzensportler.

"Die Frage, ob sie schuldig sind oder nicht, ist noch nicht beantwortet. Deshalb sind Ullrich, Basso und die anderen frei zu fahren, wo immer sie wollen. Vielleicht ist es teilweise nicht erfreulich, sie im Peloton zu tolerieren, aber es ist nötig. Die Unschuldsvermutung ist ein unantastbares Prinzip für mich. Das müssen auch die ProTour-Teams verstehen - es reicht nicht, jemanden für schuldig zu halten", sagte Rogge, der den Teamleitern mit dieser Erklärung Wind aus den Segeln nahm.

Die Teamchefs hatten sich in seltener Einmütigkeit für den 11. Januar 2007 darauf verständigt, das Team Discovery Channel aus der Vereinigung der Profi-Mannschaften (IPCT) zu eliminieren. Grund: Das zu einem Drittel dem inzwischen zurückgetretenen Tour- Rekordsieger Lance Armstrong gehörende Team hatte Basso verpflichtet, obwohl die IPCT bei der WM in Salzburg im Oktober beschlossen hatte, keinen in die Doping-Affäre Fuentes verstrickten Fahrer zu engagieren.

DNA-Datenbank

Rogge machte sich für eine DNA-Datenbank aller Topsportler - nicht nur Radsportler - stark. "Heute geben die Fahrer Urin und Blut, morgen muss auch eine DNA-Probe dazu gehören. Das ist weniger schmerzhaft, als eine Blutentnahme. Die Daten werden verwahrt und geschützt - wo ist das Problem?", fragte der IOC-Chef, der sich für staatliche Interventionen im Anti-Doping-Kampf mit notfalls Hausdurchsuchungen und Telefon-Überwachungen einsetzt. "Wir müssen den nächsten Fuentes schnell entdecken", sagte Rogge.

Die spanische Polizei hatte in der Affäre um den spanischen Mediziner im Mai Ullrich und Basso zugerechnete Blutbeutel beschlagnahmt. Beide Profis leugnen, dass das Blut von ihnen stammt, weigern sich aber nach wie vor, eine DNA-Analyse zuzulassen. Mit dem Gen-Abgleich könnte problemlos geklärt werden, wessen Blut beim Frauenarzt Eufemiano Fuentes in Madrid lagerte.

Ullrich will zurück

Ullrich, seit Juni nach seiner Suspendierung ohne Wettkampf, glaubt weiter an seine sportliche Zukunft. "Ich weiß zwar, dass die Rückkehr in den Profisport steinig wird, aber ich bin entschlossen zu kämpfen und mich durchzusetzen", schrieb der 33-Jährige auf seiner Homepage. Ullrich ("Ich trainiere fleißig") ist weiter auf der Suche nach einem Lizenzgeber und einem neuen Team.

In einem langen Text bedankte sich der ehemalige T-Mobile-Kapitän einen Tag vor Heiligabend auf seiner Homepage für die Treue seiner Fürsprecher: "Durch die vielen Menschen, die mich unterstützen schöpfe ich sehr viel Mut und Kraft für die anstehenden Herausforderungen". Dem Tour-Sieger von 1997 drohen 2007 zwei Zivil- Prozesse und ein Sportgerichtsverfahren an seinem Wohnort in der Schweiz.

Im März 2007 will die US-Anti-Doping-Agentur (USADA) im Dopingfall des überführten Tour-de-France-Siegers Floyd Landis ein Urteil fällen. Diesen Termin nannte der 31-jährige Radprofi, der nach einer gut überstanden Hüft-Operation wieder trainiert, am Sonntag in einem Interview der belgischen Sportzeitung "Sportwereld". Landis wurde drei Tage nach seinem Toursieg im Juli der Manipulation mit Testosteron überführt, bestreitet aber ein Doping-Vergehen.

Andreas Zellmer/DPA

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