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Jan Ullrichs Erklärung zum Doping-Urteil: "Kontakt zu Fuentes war ein großer Fehler"

Der Sportgerichtshof Cas hat Jan Ullrich wegen Dopings für schuldig gesprochen. Die Reaktion des Ex-Radprofis liegt stern.de in voller Länge vor. Eine Dokumentation.

Sein dritter Platz bei der Tour de France 2005 ist weg: Ex-Radsportidol Jan Ullrich

Sein dritter Platz bei der Tour de France 2005 ist weg: Ex-Radsportidol Jan Ullrich

Einen Tag nach seiner Verurteilung durch den Sportgerichtshof Cas meldet sich Jan Ullrich mit einer Erklärung zu Wort. Der Tour de France-Sieger räumt ein, mit dem spanischen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes zusammengearbeitet zu haben. "Ich weiß, dass das ein großer Fehler war, den ich sehr bereue. Für dieses Verhalten möchte ich mich aufrichtig bei allen entschuldigen - es tut mir sehr leid", schreibt Ullrich in dem von seinem Management verbreiteteten Statement.

Wie lange Ullrich bei Fuentes in Behandlung war, bleibt offen. Ullrich, der heute zurückgezogen in der Schweiz lebt, bezieht sich in seiner Erklärung vor allem auf das Jahr 2006, als er vom Team Telekom wegen seiner offensichtlichen Verwicklung in den Fuentes-Skandal suspendiert wurde.

Ullrich spricht dagegen nicht ausdrücklich über seinen Tour-Sieg 1997. Zahlreiche ehemalige Teamkollegen aus der Telekom-Mannschaft hatten 2007 Doping zugegeben. Rolf Aldag, Udo Bölts, Erik Zabel und auch Bjarne Riis, Vize-Kapitän und Ullrichs wichtigster Helfer, hatten Manipulationen in den 90er-Jahren eingestanden. Ullrich schreibt, er habe unter den Dopingvorwürfen und den gerichtlichen Auseinandersetzungen stark gelitten: "Letztendlich hat mich dieses Thema über Jahre so sehr belastet, dass ich krank wurde und irgendwann zusammengebrochen bin." Er sei froh, nach dem Cas-Urteil nun endlich einen "Schlussstrich" ziehen zu können.

stern.de liegt das Statement exklusiv vor und dokumentiert es in voller Länge auf der nächsten Seite.

Erklärung von Jan Ullrich zum Cas-Urteil:

Scherzingen (Schweiz), 10. Februar 2012 – Das Sportschiedsgericht hat mich nun für zwei Jahre gesperrt. Dieser Schiedsspruch bringt ein Disziplinarverfahren zu Ende, das beinahe drei Jahre gedauert hat. Dieses sportrechtliche Tauziehen war für alle Beteiligten unbefriedigend, für mich selbst wie für die Öffentlichkeit. Es ist für mich unverständlich, warum wir alle so lange auf dieses Urteil warten mussten. Ich nehme den Schiedsspruch hin und werde ihn nicht anfechten. Nicht, weil ich mit allen Punkten in der Urteilsbegründung übereinstimme, sondern, weil ich das Thema endgültig beenden möchte. Persönliche Konsequenzen habe ich ja bereits 2007 mit dem Rücktritt vom Profiradsport gezogen. Ich bestätige, dass ich Kontakt zu Fuentes hatte. Ich weiß, dass das ein großer Fehler war, den ich sehr bereue. Für dieses Verhalten möchte ich mich aufrichtig bei allen entschuldigen - es tut mir sehr leid. Rückblickend würde ich in einigen Situationen während meiner Karriere anders handeln. Ich wollte für die Tour 2006 nochmal alles rausholen. Nach meinem Toursieg 1997 und fünf zweiten Plätzen war der Druck der Öffentlichkeit, der Sponsoren und auch mein Eigendruck immens groß. Alle wollten einen zweiten Toursieg, besonders nach dem Rücktritt von Lance Armstrong.

Kurz vor der Tour 2006 macht es dann einen großen Schlag: Suspendierung, Schlagzeilen, Ächtung, Hausdurchsuchungen, Strafverfahren, Klagen. Ich fühlte mich alleingelassen, wie durch einen Sieb gefallen. Die ganze Welt wollte mich an die Mauer stellen und dann bin ich instinktiv in Deckung gegangen, habe mich erst mal zurückgezogen. Wie gesagt: Ich will mich nicht beklagen, dass alles kam nicht ohne Grund. Ich wollte schon damals, kurz nach meiner Suspendierung, den Fehler, den ich gemacht habe, öffentlich eingestehen, aber mir waren die Hände gebunden. Auf Anraten meiner Anwälte und wie es in solchen Fällen üblich ist, habe ich zu den Vorwürfen geschwiegen. Letztendlich hat mich dieses Thema über Jahre so sehr belastet, dass ich krank wurde und irgendwann zusammengebrochen bin.

Ich bin froh, dass endlich ein Urteil gefällt wurde. Für mich ist damit das Kapital meiner aktiven Radsportkarriere endgültig abgeschlossen und ganz persönlich ist es für mich und meine Familie das Ende einer über Jahre hinweg schwierigen Zeit. Der heutige Schiedsspruch kann für mich und meine Zukunftspläne nichts mehr ändern. Ich habe nie daran gedacht, in irgendeiner Funktion wieder in den aktiven Profiradsport zurückzukehren. Mit dieser Erklärung ist von meiner Seite alles gesagt und zu diesem Thema möchte ich keine weiteren Statements, Stellungnahmen oder Interviews in der Öffentlichkeit abgeben. Dafür bitte ich um Verständnis. Ich ziehe hiermit einen Schlussstrich. Ich habe dem Radsport viel zu verdanken und werde auch weiterhin meine Freude und Leidenschaft für diesen Sport an andere weitervermitteln. In Zukunft werde ich deshalb auch in verschiedenen Funktionen und Bereichen im Jedermann-Radsport tätig sein. Ich blicke auf meine Radsport-Karriere und Erfolge mit Stolz zurück und freue mich auf mein neues Berufsleben.

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