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Sportmacht Spanien Erfolge wie am Fließband

Am Sonntag war er perfekt: der spanische Sportsommer. Nach dem Tour-de-France-Sieg von Alberto Contador und dem Grand-Prix-Erfolg von Fernando Alonso verneigt sich die Welt vor der Sportmacht Spanien. Es gibt aber auch kritische Töne. Schließlich gilt Spanien als Drehscheibe des Dopings.

Die Frage des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy war berechtigt. "Wie macht ihr Spanier das bloß?", wollte der Staatschef vom Toursieger Alberto Contador wissen und zielte auf die unglaublichen Erfolge der Iberer im Sport ab. Egal ob im Fußball, Basketball, Tennis oder Radsport - der Sportsommer spricht spanisch. Eine Fiesta jagt die nächste. Am Sonntag machte Contador mit dem Tour-de-France-Sieg den spanischen Erfolgsmarathon perfekt.

"Wie machen die Spanier das bloß?", fragt sich nicht nur Sarkozy zurecht. Ein Land mit gut 47 Millionen Einwohnern dominiert die Sportwelt. Für Anti-Doping-Experten wie Werner Franke gibt es dafür eine plausible Antwort. "Es gab und es gibt bestimmte korrupte Länder aus dem Mittelmeerraum, die schon mit der Finanzkrise bekannt geworden sind", sagt der Heidelberger Molekularbiologe dem SID und lässt kein gutes Haar an Spanien.

Spanien, das Eldorado der Dopingsünder also. Das Land mit der laxen Anti-Doping-Politik, wo angesichts der gelockerten Kontrollen Sportbetrüger ruhiger schlafen als sonstwo. Wo die keineswegs unabhängige Anti-Doping-Agentur (CSD) der Regierung untergeordnet ist. Wo Dopingärzte wie Eufemiano Fuentes Blut panschten und auch heute noch ihr Unwesen treiben sollen. Der Verdacht ist ständiger Begleiter der Sportstars aus dem Land hinter den Pyrenäen. Der französische Sportarzt Gerard Guillaume hatte es mal auf den Punkt gebracht. Spanien sei die Drehscheibe des europäischen Dopings - in jeder Sportart.

"Die beste Sportlergeneration, die es je gab"

Worte, die der stolze spanische Sportminister Jaime Lissavetzky ("Ich akzeptiere keine Kritik, die unseren Sport beschmutzt") nicht hören will. Viel lieber sonnt sich die Politik im Glanz der "Campeones". Regierungschef Jose Luis Zapatero hofft, dass die Erfolge dem kriselnden Land neuen Mut bescheren und die lahmende Wirtschaft wieder ankurbeln. Denn Spanien ist nach Griechenland der nächste EU-Wackelkandidat. Im Zuge des Immobiliencrashs und der Weltwirtschaftskrise drücken hohe Schulden auf das Land, das eine Arbeitslosenquote von gut 20 Prozent aufweist.

Dazu stehen die sportlichen Erfolge im krassen Gegensatz. Alles mit der Doping-Problematik zu erklären, wäre aber freilich zu einfach, auch wenn Fuentes mal ausgeplaudert hatte, dass zu seiner ausgewählten Kundschaft nicht nur Radprofis gehörten. Fakt ist, dass im Zuge der Austragung der Olympischen Spiele 1992 kräftig in den Sport investiert wurde. Sportstätten wurden landauf, landab modernisiert, Hochleistungszentren errichtet und Sportförderprogramme ins Leben gerufen.

Hinzu kommt, dass spanische Top-Klubs wie der FC Barcelona oder Real Madrid auch in andere Sportarten wie Handball und Basketball kräftig investieren. Gerade im Basketball ist die Talentförderung geradezu vorbildlich.

"Wir sind die beste Sportlergeneration, die es je gab", sagt der zweimalige Motorrad-Weltmeister Jorge Lorenzo. Und so dürften die Herren Nadal, Contador, Gasol und Iniesta noch für die eine oder andere Fiesta sorgen.

Lesen Sie dazu auch bei unserem Partner in der Schweiz, 20 Minuten Online: "Lance Armstrong beendet die Saison 2010 vorzeitig"

SID/dab SID

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