Radsport Jan Ullrich droht neuer Prozess


Jan Ullrich kommt in diesen Tagen nicht zur Ruhe. Nachdem neue Details in der Fuentes-Affäre ans Licht gekommen sind, droht dem ehemaligen Tour-Sieger nun ein neuer Prozess. Ullrich soll vor Gericht Falschaussagen getätigt haben.

Ein Prozess mit Jan Ullrichs Beteiligung ist noch im Gange, da könnte schon der nächste folgen: Die Vergangenheit hat die gestürzte Rad-Ikone nicht nur durch die neuesten "Spiegel"-Veröffentlichungen eingeholt. Der Tour-de-France-Sieger von 1997 könnte sich bald mit dem Vorwurf konfrontiert sehen, vor Gericht eine falsche eidesstaatliche Aussage getätigt zu haben. Noch "im Laufe dieses Jahres" soll nach den Worten eines Sprechers der Staatsanwaltschaft Hamburg eine Entscheidung darüber fallen, ob gegen Ullrich eine Klage erhoben werde. Die Ermittlungen in diesem Fall laufen seit Juni. Bei einem Schuldspruch drohen dem 35-Jährigen drei Jahre Haft.

Der noch laufende Prozess zwischen Ullrich und dem Molekular-Biologen Werner Franke ist derweil vertagt worden. Ein neuer Termin vor dem Landgericht Hamburg steht noch nicht fest. Dies bestätigte Frankes Anwalt Michael Lehner am Montag. Lehner sieht sich nach dem jüngsten "Spiegel"-Artikel bestätigt. In dem Bericht wird mithilfe von Akten des Bundeskriminalamtes (BKA) detailliert über Ullrich-Reisen nach Madrid zu dem mutmaßlichen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes berichtet. Auch die illegalen Geldströme werden aufgelistet. "Uns war das längst bekannt, das Urteil hätte längst gesprochen werden können", sagte der Heidelberger Jurist zum Verfahren Ullrich kontra Franke. Ein Anwalt des Wahl-Schweizers Ullrich, der vor zwei Jahren zurücktrat, war am Montag auf Anfrage nicht zu sprechen.

"Rechtsprechung wie im Mittelbalkan"

Den Prozess gegen den wortgewaltigen Anti-Doping-Aktivisten Franke hatte Ullrich angestrengt, um die Behauptung zu widerlegen, der Ex-Profi hätte für Doping-Zwecke 35 000 Euro an Fuentes gezahlt. Die nun im "Spiegel" veröffentlichten BKA-Akten unterstellen Ullrich sogar Investitionen von 80.000 Euro. "Ich habe eine dicke DVD mit dem gesamten Material, aus dem auch der "Spiegel" zitiert. Interessant, wie das BKA von "Bedrohungspotential" der Ullrich-Seite bei der Einigung mit seinem Arbeitgeber T-Mobile schreibt", sagte Franke. Die 250.000 Euro, die von T-Mobile nach Ullrichs Suspendierung wegen seiner offensichtlichen illegalen Kooperation mit Fuentes gezahlt wurden, seien laut Franke "Schweigegeld" gewesen.

Obwohl auch alle diese Fakten der Staatsanwaltschaft Bonn hätten bekannt sein müssen, hatte die Behörde im Vorjahr ein Betrugs-Verfahren gegen Ullrich nach Zahlung von ebenfalls 250.000 Euro eingestellt. Ein Doping-Eingeständnis war dafür nicht erforderlich. Franke nannte das am Montag "Rechtsprechung wie im Mittelbalkan". Bis heute leugnet Ullrich im Gegensatz zu vielen ehemaligen Team-Kollegen Doping.

In dem im "Spiegel" zitierten BKA-Bericht wurden zwischen 2003 und 2006 insgesamt 24 Besuche Ullrichs bei Fuentes aufgelistet. Dazu die Geldströme von seinem Konto Richtung Fuentes: insgesamt in zwei Tranchen 80.000 Euro. Ullrichs langjähriger Intimus Rudy Pevenage hätte die Kontakte zu dem spanischen Gynäkologen vermittelt und jahrelang für seine Dienste von dem Profi 125 000 Euro pro Saison netto kassiert. Auch ein Verfahren gegen den ehemaligen T-Mobile-Teamchef wurde nach Zahlung einer Summer allerdings eingestellt.

Das BKA bescheinigte Ullrich derweil, das Doping-System von Fuentes genutzt zu haben, um sich "vertragswidrig mit leistungssteigernden Mitteln und -Methoden auf seine Wettkämpfe vorzubereiten".

DPA/feh


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