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RADSPORT: Giro-Doping: Nur zwei von zwanzig Teams »sauber«

Nur zwei der zwanzig am 84. Giro d'Italia beteiligten Teams sind »sauber«. Das berichtet das italienische Fernsehen. Bei 40 Prozent der Fahrer sind verdächtige Substanzen gefunden worden.

Nur zwei der zwanzig am 84. Giro d'Italia beteiligten Teams sind »sauber«. Das meldete das italienische Fernsehen unter Berufung auf die ermittelnde Staatsanwaltschaft, die am vergangenen Donnerstag in San Remo die größte Doping-Razzia in der Geschichte des Radsport eingeleitet hatte. Sie hatte bis 1.30 Uhr der vergangenen Nacht beschlagnahmtes Material aus den Fahrer-Hotels gesichtet.

86 Verdächtige

Wie das italienische Fernsehen weiter berichtete, ermittelt die Staatsanwaltschaft Florenz nach eigenen Angaben gegen insgesamt 86 Personen. Darunter seien 50 bis 60 Fahrer. Nicht zu den Verdächtigten gehörten der Sieger des Giro, der Italiener Gilberto Simoni, sowie seine Landsleute, Sprintstar Mario Cipollini und Tour-Sieger Marco Pantani. Außerdem hieß es, bei rund 40 Prozent der Radfahrer seien verdächtige Substanzen gefunden worden.

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Nach dem Giro d¿Italia:

stern.de: Doping: Jetzt beginnt der Gerichts-Giro

stern.de: »Hemassist würde Jan nie nehmen - er lebt zu gerne«

stern.de: Doping-Fund bei Dario Frigo

stern.de: »High« über die Alpen

stern.de: Giro-Chaos: Polizei-Razzia stoppt Etappe

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Ethik-Kodex

Gianni Petrucci, der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees Italiens (Coni), bat unterdessen den Radsport-Verband des Landes um einen generellen Wettkampf-Stopp, bis ein Ethik-Kodex zur Doping-Problematik verabschiedet ist. Der Dachverband wird an diesem Mittwoch entscheiden, ob der Bitte entsprochen wird. Die vorgeschlagene Zwangspause, gegen die sich beim »Krisengipfel« in Rom heftiger Widerstand regte, solle allen Radsportlern von den Jugendklassen über den Amateursport bis hin zu den Profis die Möglichkeit geben, über das Dopingproblem nachzudenken.

Der vor zwei Monaten in Belgien des EPO-Dopings überführte dänische Radprofi Bo Hamburger unterstellte dem Weltverband UCI, in seinem Fall ein falsches Analyse-Ergebnis veröffentlicht zu haben. Seine B-Probe sei negativ und nicht wie veröffentlicht positiv gewesen. Sein Anwalt hätte ein entsprechendes Dokument unterschrieben, hieß es in der dänischen Zeitung »Politiken«. Bei der Dauphine-Libere-Rundfahrt in Frankreich waren am Dienstag an 30 Fahren aus fünf Mannschaften Blutkontrollen vorgenommen worden, die alle keine Unregelmäßigkeiten zeigten.

»Kleines Rad im großen Spiel«

Hamburger fühlt sich zu Unrecht angeklagt, verfolgt und aus seinem Team entlassen. »Mein Anwalt und ein Mediziner waren beim zweiten Test in Lausanne dabei und haben schwarz auf weiß gesehen, dass das Ergebnis der B-Probe negativ war. Ich weiß nicht, was passiert ist, aber ich habe das Gefühl, ein kleines Rad in einem großen Spiel zu sein, in dem die UCI Zweifel an der neuen Doping-Nachweismethode nicht zulassen kann.« Das sagte der von seinem Team CSC World Online entlassene Profi der Zeitung »Politiken«.

Der 31-jährige, der am 19. April in Belgien nach Fleche Wallone getestet worden war - genau wie der ebenfalls überführte Schweizer Roland Meier vom Essener Coast-Team - beteuerte: »Ich habe niemals EPO genommen und bin überzeugt, dass ich das in einem Prozess beweisen werde. Mein Anwalt hat das Dokument, das eine negative B- Probe angefertigt worden war, unterzeichnet.« Sein Teamchef Bjarne Riis, der 1996 für Telekom die Tour de France als erster Däne gewann und sich danach auch mit Doping-Vorwürfen auseinander setzen musste, hatte Hamburger fristlos entlassen.

Die UCI hat als erster Sportverband am 1. April 2001 das französische Urin-Test-Verfahren zum Nachweis des als Blut-Doping- Mittel eingesetzten Hormons Erythropoietin (EPO) offiziell eingeführt. Bisher sind sechs Fahrer des Dopings mit EPO überführt worden, zahlreiche Analysen des Chaos-Giro stehen aber noch aus.

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